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Entlassungswelle bei MySports: Die Folgen für das Schweizer Eishockey

UPC verweigert Swisscom �bertragung von Eishockey zu Unrecht. (Archivbild)
Bei MySports tut sich in diesem Sommer was.Bild: sda
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Entlassungswelle bei MySports – was das für unser Hockey bedeutet

Der Hockey-Bezahlsender MySports hat ein Viertel seines Personals gefeuert. Die bange Frage: Was bedeutet dieser «welsche Kahlschlag» für die Hockey-Fans in der Deutschschweiz, dem wichtigsten Markt für MySports?
08.07.2024, 13:1608.07.2024, 13:45

MySports hält bis und mit der Saison 2026/27 die Live-Rechte an der National League. Der Bezahl-Sender überträgt jedes Spiel der höchsten Liga live plus ein Spiel der Woche im frei empfangbaren Fernsehen in der Deutschschweiz (TV 24) und zusätzlich ausgewählte Spiele in der Romandie (Léman Bleu, ab nächter Saison auch La Télé) und im Tessin (TeleTicino).

In Erlenbach (ZH) hat MySports ein Studio für die Deutschschweiz aufgebaut und in Rossens eines für die Romandie. Nun ist das Studio in Rossens geschlossen worden. Alle elf Festangestellten haben ihren Job verloren und zusätzlich ist eine Stelle in der Deutschschweiz abgebaut worden. Bei den Übertragungen in italienischer Sprache ändert sich nichts: Hier operiert MySports nur mit Kommentatoren auf Honorarbasis.

Durch diesen «welschen Kahlschlag» hat MySports gut ein Viertel seiner 40 Festangestellten abgebaut. «Wir bedauern das sehr» sagt MySports-Chef Matthias Krieb. «Wir unterstützen die Betroffenen während der nächsten Saison im Rahmen eines Sozialplanes.» Es gebe zudem die Möglichkeit auf Honorarbasis (etwa als Kommentatoren) weiterbeschäftigt zu werden.

Jann Billeter MySports
MySports-Aushängeschild Jann Billeter.Bild: MySports

Keine Folgen für Deutschschweizer Fans

Die bange Frage ist natürlich, welche Folgen diese Entlassungswelle für die Fans in der Deutschschweiz haben wird. Die Antwort ist einigermassen erstaunlich: Nämlich keine. Ja, nicht einmal die Kunden in der Westschweiz werden eine qualitative oder quantitative Einschränkung des Programmes hinnehmen müssen.

Weiterhin werden sämtliche Partien mit welschem Kommentar angeboten und neu wird nächste Saison neben «Léman Bleu» auch «La Télé» die frei empfangbaren Spiele übertragen. Damit ist eine Abdeckung bis in die hintersten Winkel der welschen Schweiz gesichert. Was wegfällt ist das Studio in französischer Sprache. Zumindest teilweise wird die Studio-Unterhaltung durch Eigenproduktionen von «Léman Bleu» und «La Télé» ersetzt werden.

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Auch welsche Hockey-Fans können in Zukunft die National League im TV schauen.Bild: shutterstock

Die Erklärung liegt in einer besonderen Struktur. Bisher hat MySports in Rossens ein eigenes Studio unterhalten und dafür die ganzen Kosten getragen. «Léman Bleu» beteiligte sich bei den frei empfangbaren Spielen nicht am Aufwand für das Studio und entwickelte eigene Rahmenprogramme.

In der Deutschschweiz übernimmt der Partner für die Partien im frei empfangbaren Fernsehen (TV 24/CH Medien) hingegen das vollständige Programm von MySports samt Kommentatoren und Studio und beteiligt sich an den Kosten. Das wird weiterhin so bleiben und auch nächste Saison wird auf blick.ch ein Spiel der Woche gestreamt.

Studio in der Westschweiz wird vermietet

Im Zuge der wirtschaftlichen Optimierung hat MySports das Studio in Rossens aufgelöst und es soll vermietet werden. Gemäss Matthias Krieb gibt es Interessenten. Statt elf Festangestellte muss MySports ab nächster Saison für die Westschweiz nur noch Kommentatoren auf Honorarbasis entschädigen und kann viel, viel Geld sparen.

In der Deutschschweiz, dem Hauptmarkt für MySports, bleibt hingegen alles so, wie es bisher war. Mit Studio. Es hat nur eine Entlassung gegeben. Auch werden weiterhin hochwertige TV-Dokus produziert. Sven Schoch hat sich dabei die Reputation eines «Steven Spielberg der Hockey-Dokus» erarbeitet.

L'attaquant des ZSC Denis Malgin, gauche, lutte pour le puck avec l'attaquant lausannois Jason Fuchs, droite, lors du 6eme match de la finale de play-off du championnat suisse de hockey sur  ...
Denis Malgin gegen Jason Fuchs im Playoff-Final.Bild: keystone

Weiter keine Schwarzen Zahlen

MySports ist nach wie vor nicht rentabel. Matthias Krieb schweigt sich über die wirtschaftlichen Daten aus. «Wir geben keine Zahlen bekannt.» Er bestätigt allerdings, dass die Anzahl Abonnenten noch nicht genüge, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. «Aber wir entwickeln uns zufriedenstellend linear nach oben.»

Gewährsleute schätzen, dass MySports in der Deutschschweiz rund 150'000 Abos benötigt, um schwarze Zahlen zu schreiben, und bisher rund 100'000 verkauft habe.

MySports ist zu hundert Prozent im Besitz des Hosentelefon-Titanen Sunrise. Matthias Krieb sagt, das werde so bleiben. Es gebe keinerlei Verkaufsabsichten.

Wenn die Rechte ab der Saison 2027/28 neu vergeben werden, sei MySports sehr an einer Fortsetzung der Zusammenarbeit interessiert. «Unter Berücksichtigung der Marktverhältnisse natürlich». Die könnten sich leicht verändern: Im nationalen Fussball sind die Rechte kürzlich wieder vergeben worden und haben gut 15 Prozent weniger gekostet. Mit einer solchen Reduktion wird auch die höchste Hockey-Liga rechnen müssen. Die Klubs würden in diesem Falle pro Saison knapp 200'000 Franken weniger kassieren.

Das wäre kein Problem. Denn die Klubs sind mit MySports inzwischen sehr zufrieden. Anfänglich war die Reichweite (erreichen wir so viele Fans wie zuvor mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen?) ein Problem – und nun ist es keines mehr. Auch dank der Social Media-Kanäle erreicht die National League so viele Interessierte wie noch nie in der Geschichte (seit 1938).

Matthias Krieb sagt nach der Rekordsaison (so viele Fans wie noch nie in den Stadien), dass wohl MySports auch einen Beitrag zur Popularität des Hockeys beigetragen habe. Und wenn er in die Zukunft blickt und erklärt, MySports habe den Gipfel der Entwicklung noch nicht erreicht, dann hat das ja auch eine gute Seite: Für den, der auf dem Gipfel steht, geht es auf allen Seiten nur noch bergab.

PS: Die hohe Qualität der TV-Bilder ist weiterhin gewährleistet und ist vom Personalabbau nicht betroffen: Die TV-Bilder werden weiterhin vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen (SRF) produziert.

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