Sport
Eismeister Zaugg

Eismeister Zaugg: Der HCD gewinnt ein wildes Spiel 5 gegen Fribourg

Davos bejubelt das 5-4 durch Adam Tambellini (HCD) im fuenften Eishockey Playoff Finalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und HC Fribourg-Gotteron (HCFG), am Sonntag, 26. April 2026, in  ...
Der HC Davos behält in einem wilden Spiel die Oberhand und braucht noch einen Sieg zum Meistertitel.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Der Triumph des Pausenplatzes über die taktische Wissenschaft

Gottérons Trainer Roger Rönnberg gilt als einer der besten Taktiker des Welthockeys. Aber die Davoser haben sein Gottéron mit Pausenplatzhockey mit 5:4 vom Eis gefegt. Sandro Aeschlimann war der Held des Abends. Dem HCD fehlt noch ein Sieg zum Titelgewinn.
27.04.2026, 04:1527.04.2026, 04:15

Roger Rönnberg gilt als Architekt des Spiels. Ein Mann, der Linien zieht, wo andere nur rutschiges Eis sehen. Ein Taktiker, der das Chaos bändigt wie ein Dirigent das Orchester.

Und doch: Am Sonntagabend wird seine Ordnung hinweggefegt wie Kreidestriche im Regen. Ein schwedischer System-General und Schablonist, der in einem Playoff-Final ein 3:0 vergeigt. Das ist, wie wenn Lewis Hamilton seinen Boliden auf einer breiten, übersichtlichen Zielgerade in die Leitplanken steuern würde.

Der HC Davos spielt nicht gegen das System. Er spielt darüber hinweg. Darüber hinaus. Dorthin, wo das Spiel wieder zum Kind wird. Wie sagte doch unser aller Friedrich Nietzsche, der seine beste Zeit und den klarsten Kopf bei seinen Aufenthalten im Bündnerland hatte?

«In jedem Manne wohnt ein Kind – und das Kind will spielen.»

Der Spruch bringt auf den Punkt, dass selbst erwachsene, raue Kerle einen spielerischen, kindlichen Kern in sich tragen. Die Wahrheit dieses unberechenbaren Spiels auf einer tückischen Unterlage ist nicht Strategie. Nicht Struktur. Sondern Instinkt. So wie eben auf dem Pausenplatz gespielt wird. «Öbbe eis chneble.»

Sven Jung (HCD), Attilio Biasca (HCFG) und Calle Andersson (HCD), kaempfen um den Puck im fuenften Eishockey Playoff Finalspiel der National League zwischen HC Davos (HCD) und HC Fribourg-Gotteron (HC ...
Der Freiburger Attilio Biasca gegen die Davoser Sven Jung und Calle Andersson in einer für ein wildes Spiel symptomatischen Szene.Bild: keystone

Was für ein banales Ende eines Dramas: Nathan Marchon befördert die Scheibe zum Auftakt der Verlängerung übers Plexiglas. Zwei Minuten. Und Adam Tambellini trifft bereits 62:26 Minuten zum 5:4. Ein Stich ins Herz der Ordnung. Ein Triumph des Augenblicks über die Planung. Die Davoser gewinnen ein Spektakel, das sich der Kontrolle entzieht wie ein Würfelspiel. Das zeigt eine nüchterne Statistik. Insgesamt 72 Torschüsse. So viele wie noch nie in diesem Final. Mehr als 68 waren es zuvor nie – und das war im dritten Spiel. Es dauerte nicht 60, sondern 88:47 Minuten.

Noch am Freitag war alles anders. Diszipliniert. Präzise. Kalt wie ein Uhrwerk. Ein 1:0 in Fribourg – ein HCD-Sieg der Struktur über das Risiko. Ein Manifest der Ordnung und Roger Rönnbergs Gottéron hatte zu wenig Pausenplatz, um auch nur ein Tor herauszuspielen. Und nun? Alles aufgelöst. Das System zerfliesst. Was am Sonntag bleibt, ist Bewegung. Risiko. Fehler. Genialität. «Pausenplatz-Hockey».

Wie kann es sein, dass nun im 5. Finalspiel zum ersten Mal zeitweise alles aus den Fugen geraten ist? Vielleicht ist es eine Prise Müdigkeit. Das fünfte Spiel in zwölf Tagen. Ein Nachlassen der Konzentration ist logisch. Und wohl auch ein gewisser Leichtsinn nach der 3:0-Führung bei Gottéron, die umgekehrt eine wilde Entschlossenheit und einen Sturmlauf bei den Davosern provoziert. Vielleicht ist es einfach das Gesetz des Spiels: Dass Ordnung nur eine Phase ist. Und Chaos die Konstante.

Was für eine bittere Niederlage für Roger Rönnberg, den Mann, der mit Taktik und Wissenschaft den Zufall zu zähmen scheint. Der von seinem vorherigen Arbeitgeber Frölunda den Analysten Erik Lignell mit nach Fribourg gebracht hat. Die Bewunderer Roger Rönnbergs und seines Analysten raunen, es sei wahnsinnig, was die alles über ihre und die gegnerischen Spieler wissen. Wer mit wem wie funktioniere. Wo die Schwächen, wo die Stärken liegen. High Tech. Computer. Künstliche Intelligenz. Das sei die Zukunft des Hockeys. Womöglich liegt die Zukunft des Hockeys aber immer noch auf dem Pausenplatz.

Head Coach Roger Roennberg (HCFG) reagiert im funften Playoff-Viertelfinalspiel der National League zwischen dem HC Fribourg Gotteron und SC Rapperswil-Jona Lakers, am Samstag, 28. Maerz 2026 in der B ...
Roger Rönnbergs Ansatz ging in Spiel 5 knapp nicht auf.Bild: keystone

Und es ist halt, wie es ist: Je wilder und unberechenbarer das Spiel, desto wichtiger die Rolle des Torhüters, die in diesem 5. Final so viele Schüsse zu parieren hatten wie noch nie (40:32 Torschüsse). Und so wird HCD-Goalie Sandro Aeschlimann zur Figur dieses Dramas. Nicht als unfehlbarer Held. Sondern als menschlicher. Einer, der fällt und wieder aufsteht. Er ermöglicht seinen Vordermännern den Sieg, indem er sie mit mehreren Glanzparaden in der Schlussphase der regulären Spielzeit in die Verlängerung rettet.

Nachdem er mit dem haltbarsten Treffer dieser ganzen Finalserie Gottéron wieder zurück ins Spiel gebracht hatte: Gottéron hat eine 3:0-Führung preisgegeben, ist 3:4 in Rückstand geraten und zutiefst verunsichert. In der bisher kritischsten Phase des Spiels lässt Sandro Aeschlimann kurz vor der zweiten Pause (nach 36:31 Minuten) den von Lucas Wallmark auf die Reise geschickten Puck zwischen den Schonern zum 4:4 durchrutschen. Haltbarer geht nicht. Wie auf dem Pausenplatz.

Dieses Missgeschick wegzustecken und von nun an jede Scheibe abzuwehren: Das ist ganz einfach grandios. Helden entstehen nicht im Perfekten. Sie entstehen im Fehler. In der Reaktion. In der Weigerung, sich vom eigenen Versagen definieren zu lassen. Sandro Aeschlimann steht nach seinem Fehler wieder auf.

$Von links: Torhueter Sandro Aeschlimann (HCD), Klas Dahlbeck (HCD) und PostFinance Top Scorer Henrik Borgstroem (HCFG) kaempfen um den Puck im fuenften Eishockey Playoff Finalspiel der National Leagu ...
Sandro Aeschlimann hat einen Aussetzer in Spiel 5 – und ganz viele grosse Momente.Bild: keystone

In der Verlängerung entscheidet erst recht nicht mehr die Taktik. Nicht mehr die Struktur. Sondern der Zufall. Nathan Marchon befördert die Scheibe aus dem Spielfeld. Zwei Minuten. Powerplay für den HCD und Adam Tambellini trifft zum 5:4 (63. Minute). Diese Zufälligkeit, diese Banalität entscheidet die bisher spektakulärste Finalpartie.

Eine Entscheidung fast wie auf dem Pausenplatz.

P.S. Der HC Davos kann mit einem Sieg am Dienstag in Fribourg Meister werden. Gottéron braucht noch zwei Siege zum ersten Titel: Einen am Dienstag auf eigenem Eis und einen am Donnerstag in Davos. Die Prognose? Es gibt keine seriöse Prognose in einem Spiel, das am Freitag mit einem 1:0 und am Sonntag mit einem 5:4 endet. Was für den HCD spricht: Die Mannschaft von Josh Holden kann beides: Taktik (1:0 am Freitag) und Pausenplatz (5.4 an Sonntag). Roger Rönnbergs Gottéron kann Taktik, aber (noch) nicht Pausenplatz.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
Player Image

Nation Flag

Aktuelle
Note

info
  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
1 / 13
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
HC Davos: 31 Titel, 6 seit 1986; zuletzt Meister: 2015.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Despacito mit Eishockey-Spielern
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Tottenham beendet Sieglos-Serie, bleibt aber abstiegsgefährdet +++ Barça vor Titel
Liverpool feiert zuhause einen einigermassen souveränen 3:1-Sieg gegen Crystal Palace. Die Reds gingen dank eines Doppelschlags von Alexander Isak und Andy Robertson vor der Pause in Führung. In der Folge machte Crystal Palaca das Spiel und kam in der 71. Minute dank Daniel Munoz zum Anschlusstreffer. Tief in der Nachspielzeit traf Florian Wirtz aber zum 3:1 für Liverpool und entschied die Partie endgültig.
Zur Story