Wicky wird wieder als Frick-Nachfolger gehandelt – so steht es um die weiteren Kandidaten
Seit sechs Wochen ist bekannt, dass Mario Frick den FC Luzern per Ende Saison verlässt. 42 Tage sucht Remo Meyer bereits einen Nachfolger für den Liechtensteiner. Und es gibt wenig Anzeichen aus dem zuständigen Gremium mit dem Sportchef und Laurent Prince, dem Sportdelegierten des Verwaltungsrats, sowie Präsident Michael Sigerist, für eine baldige Bekanntmachung des neuen Trainers. Vielleicht wartet der FCL die nächsten zehn Tage ab. Schliesslich stehen vor dem Saisonende noch die Heimspiele gegen Servette am Samstag und gegen Zürich am Dienstag sowie die Partie in Winterthur am Samstag nächster Woche an.
Untätig ist Remo Meyer nicht gewesen, er hat sich mit mehreren Kandidaten getroffen. Bislang gab es mit niemandem eine Einigung. Wir haben eine Liste gemacht und zeigen auf, was bis jetzt geschah. Den Anfang machen zwei Namen, die noch im Rennen um den Trainerposten beim Zentralschweizer Fussball-Aushängeschild sind. Beim prominenteren Anwärter gibt's jedoch Abstriche hinsichtlich realistischer Chancen auf eine Verpflichtung.
Raphael Wicky
Wie vor viereinhalb Jahren, als die Wahl schliesslich auf Mario Frick fiel, findet sich der 49-jährige Walliser wieder im Luzerner Kandidatenkreis. Das Onlineportal Nau hat ihn quasi dort hineingeschrieben. Auszuschliessen ist Wicky nicht als neuer FCL-Trainer. Ein Aber gibt's: Erst im Januar nahm er seine Arbeit in der Major League Soccer (MLS) bei Kansas City auf. Der Vertrag des Schweizer Ex-Internationalen läuft noch bis Sommer 2028. Seine Frau ist US-Amerikanerin, nie ist klar geworden, wo Wicky sich niederlassen will. Stationen als Trainer von Basel und YB wechselten ab mit Engagements als U17-Nationalcoach beim amerikanischen Verband und bei Chicago Fire. Nirgendwo verweilte er mehr als zwei Jahre als Cheftrainer. Das Double 2023 mit YB ist sein grösster Erfolg.
Dalibor Stevanovic
Der Stern des 41-jährigen Slowenen ist in dieser Saison aufgegangen: Der Reihe nach eliminierte er mit Stade Lausanne-Ouchy im Cup die Super-Ligisten Winterthur, Luzern und GC. Mit dem Mittelklasse-Team aus der Challenge League steht er am 24. Mai im Cupfinal in Bern St.Gallen gegenüber. Der «Blick» hat in Erfahrung gebracht, dass Stevanovic mit Meyer im Gespräch ist. Das mutige Pressing und schnelle Umschaltspiel passen zum FCL. Auch Frick lässt je nach Gegner so spielen, vielleicht könnte Stevanovic das System perfektionieren. Der Aspirant auf den Trainerstuhl gilt als sprachgewandt, nur Deutsch müsste er noch lernen.
Federico Valente
Der 50-jährige Italiener schien bis zum letzten Mittwoch in aussichtsreicher Position für die Nachfolge von Frick zu sein. Dann erfolgte das überraschende Aus für den in Solothurn geborenen Ex-Torhüter. Die Neuigkeit stand zuerst im «Blick». Bis jetzt sind die Gründe nicht bekannt. Wahrscheinlich ist der Coach von Serie-C-Klub Lecco und Ex-Trainer von Serie-B-Verein FC Südtirol doch zu leicht für die Super League gewogen worden. Was ihn neben seiner Erfahrung als Cheftrainer interessant für Luzern machte, waren seine sechs Jahre in der Jugendabteilung des SC Freiburg.
Ludovic Magnin
Er war lange der Kronfavorit für den Job auf der Allmend. Die gemeinsame Vergangenheit in der Nationalmannschaft mit Kumpel Remo Meyer versprachen dem 47-jährigen Waadtländer eine harmonische Zusammenarbeit in Luzern. Doch daraus wird nichts. Seit bald 14 Tagen ist klar, dass sich Magnin und der FCL wie schon bei der letzten Trainersuche des Klubs nicht einigen konnten. Wie schon damals im Dezember 2021 hätte der heutige Ex-Coach von Basel, Lausanne, des FCZ und von Altach liebend gerne die Innerschweizer übernommen. Der kalte Gegenwind aus Fankreisen und möglicherweise auch die falsche Berateragentur (dieselbe wie Ardon Jashari) verhinderten seine FCL-Verpflichtung.
Michel Renggli
Der Nachwuchstrainer und Ex-Captain hat jahrelang vergeblich auf seine Chance als Luzern-Cheftrainer gewartet. Nur einmal flirtete er mit einer Verpflichtung bei einem anderen Verein: Vor zwei Jahren galt er als Kronfavorit in Aarau, ehe ihm Brunello Iacopetta vorgezogen wurde. Als U18-Coach und die letzten vier Jahre als Trainer der U21 machte der inzwischen 46-Jährige beim FCL vieles richtig: Talente wie Luca Jaquez (jetzt VfB Stuttgart), Tyron Owusu, Lars Villiger und Ruben Dantas Fernandes brachte er weiter, insgesamt über 20 Youngsters wechselten von ihm zu den Profis und debütierten in der Super League.
Doch die Wellenlänge zwischen Renggli und dem FCL-Sportchef stimmt nicht. Beim FCL wurde ihm nicht zugetraut, dass er zur Führung der Profis durchsetzungsstark genug ist. Ein grosser Teil der Fans ist trotzdem der Meinung, ein Versuch mit Renggli wäre es wert gewesen. Übrigens macht Julian Schuster beim SC Freiburg auch nicht den Eindruck, ein harter Hund zu sein. Dennoch surft er seit dem Rücktritt von Kulttrainer Christian Streich vor zwei Jahren auf einer Erfolgswelle.
Claudio Lustenberger
Anders als sein früherer FCL-Mitspieler Renggli hält sich der 39-jährige Krienser in der Öffentlichkeit zurück, was seine Ambitionen angeht. Wahrscheinlich will sich der langjährige Assistenztrainer der ersten Mannschaft seine Zukunft im Klub nicht durch eine zu offensiv geführte Cheftrainer-Kandidatur verbauen. Er absolviert gegenwärtig den Kurs für die höchste Trainerlizenz, die Uefa Pro. Wird es nichts aus dem unerwarteten Aufstieg zum Headcoach, könnte Lustenberger künftig Erfahrungen als Trainer der U21 machen. Denn Renggli muss, Stand jetzt, Luzern Ende Saison verlassen.
Jörg «Udo» Portmann
Auch der 49-jährige Hellbühler ist gegenwärtig daran, die Uefa-Pro-Lizenz zu erlangen. Er könnte dadurch wie Lustenberger mit einer Spezialbewilligung der Swiss Football League in der höchsten Liga trainieren. Der früher als Sportlehrer tätige U17-Coach des FCL und Ex-Trainer von Cham und Eschenbach gilt als pragmatischer und bodenständiger Typ. Er kann seine Spieler begeistern. Den Übernamen Udo hat er nicht wegen der verstorbenen Trainerlegende Udo Lattek, sondern aufgrund seines Aussehens in der süssen Jünglingszeit und dem Schlagerhit «Siebzehn Jahr, blondes Haar» von Udo Jürgens. Portmann hat sich wie Lustenberger nie geäussert, ob er Cheftrainer werden möchte.
Marc Schneider und Giorgio Contini
Sowohl der Vaduz-Trainer wie der Ex-YB-Coach wurden in den Kandidatenkreis geschrieben. Marc Schneider erklärte schon früh, sich auf den Aufstieg mit den Liechtensteinern zu konzentrieren und Giorgio Contini wurde von Meyer bis heute nicht kontaktiert.
André Breitenreiter
Eine Verpflichtung des 52-jährigen Deutschen würde beim FCL Hoffnungen wecken aufgrund seines Meistertitels 2022 mit Zürich. Der damalige FCZ-Sportchef Marinko Jurendic sagt: «André hat mit seinem Staff in der Meistersaison eine tolle Arbeit gemacht, mit vielen richtigen Entscheidungen. Ähnlich wie Lustrinelli und Co. jetzt in Thun.» Auf den FCZ folgten bei Breitenreiter Hoffenheim, Huddersfield und bis vor einem Jahr Hannover. Die ungeklärte Frage: Könnte sich der klamme FCL Breitenreiter überhaupt leisten?
Patrick Rahmen
In Luzern gibt es einflussreiche Leute, die ihn gerne zurückwünschen würden. Der 57-jährige Basler steigt mit Winterthur wohl in die Challenge League ab, und hat noch Vertrag für ein weiteres Jahr. Das Timing stimmt nicht für ein FCL-Comeback des früheren Co-Trainers von Markus Babbel.
Fabio Celestini
Der Cupsiegertrainer von 2021 stand Anfang Jahr mit dem Ex-Klub in Luzern vor Gericht. Er forderte die Zahlung der offenen Löhne nach seiner Freistellung. Man einigte sich auf einen Vergleich, der FCL musste Celestini, 50, eine schöne Stange Geld überweisen. Auf das Aus bei ZSKA Moskau in dieser Woche gibt es für den Doublegewinner 2025 mit Basel keinen Weg zurück auf die Allmend.
Mario Frick
Zwei Siege hintereinander gegen GC und Lausanne – schon wünschen sich Fans, dass der 51-jährige Liechtensteiner bleiben soll. Doch dieser winkt ab: Frick hat sich für den Weg ins Ausland entschieden. Falls es nicht klappen sollte, dürfte er schon im Herbst in der Schweiz wieder zum Thema werden. (riz/aargauerzeitung.ch)
