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EM 2024: Die Schweizer Nati hat das Sturm-Problem gelöst – mit Varianten

epa11445508 Ruben Vargas of Switzerland (R) celebrates with teammates after scoring the 2-0 goal during the UEFA EURO 2024 Round of 16 soccer match between Switzerland and Italy, in Berlin, Germany, 2 ...
Zwei der sieben Schweizer Torschützen an der EM sind auf diesem Bild.Bild: keystone

7 Tore, 7 verschiedene Torschützen – wie die Nati das Sturmproblem umschifft

Vor der EM fragten wir uns: Wer soll für die Schweiz bloss die Tore schiessen? Doch das Sturmproblem ist mittlerweile keines mehr.
03.07.2024, 20:2003.07.2024, 23:02
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Es war der grösste Verursacher von Schweizer Sorgenfalten vor dem Start der Europameisterschaft: das Sturmproblem. Wer soll an diesem Turnier bloss die Schweizer Tore schiessen? So lautete die drängendste Frage von Experten und Fans.

Auch wir schrieben in der Analyse vor dem EM-Start:

«… befindet sich die grösste Problemzone der Schweiz im Angriff. Noch stellte in diesem Jahr kein Offensivspieler seine Torgefahr unter Beweis. Xherdan Shaqiri reicht es nur noch mit Mühe für 90 Minuten und weder Zeki Amdouni noch Noah Okafor konnten konstant überzeugen. Dazu kommt der noch immer verletzte Breel Embolo. Einziger Lichtblick ist Ruben Vargas, der in Augsburg eine starke Saison gespielt hat und auch in den Testspielen gute Leistungen zeigte.»

Mittlerweile kennen wird die Antwort auf die bange Frage: Die Schweizer Nati schiesst Tore im Gremium. In den vier bisherigen Spielen kam das Team von Murat Yakin auf sieben Treffer – und durfte dabei auf sieben verschiedene Torschützen zählen.

Beim furiosen Auftaktsieg gegen Ungarn trafen zuerst die überraschend in der Startaufstellung stehenden Kwado Duah und Michel Aebischer. In der Nachspielzeit sorgte Breel Embolo für das 3:1. Beim Remis gegen Schottland schoss Xherdan Shaqiri ein Traumtor. Gegen Deutschland war Dan Ndoye erfolgreich. Und als die Nati im Achtelfinal Italien abfertigte, schossen Remo Freuler und Ruben Vargas die Tore.

Shaqiri tüpft wie ein Gott – und die Kommentatoren so 🤯

Video: watson/lucas zollinger

Damit ist die Schweiz in einem exklusiven Zirkel. Als einziges anderes Team an dieser Europameisterschaft kommt Spanien auf ebenfalls sieben verschiedene Torschützen (Fabian Ruiz, Rodri, Dani Carvajal, Nico Williams, Alvaro Morata, Dani Olmo und Ferran Torres). Deutschland kommt als nächstbeste Mannschaft auf sechs verschiedene Torschützen (Jamal Musiala, Kai Havertz, Niclas Füllkrug, Ilkay Gündogan, Florian Wirtz, Emre Can).

So hat die Nati den Aspekt, der ihr vor dem Turnier als Schwäche ausgelegt wurde, zu einer Stärke gemacht: Sie ist für den Gegner unberechenbar und nicht von einem einzelnen Stürmer abhängig, wie das bei anderen Teams teils der Fall ist.

Spielt vorne der körperlich starke Embolo? Er kann die Bälle in die Spitze annehmen und halten, zudem ist er kopfballstark. Spielt Duah? Er brilliert mit Tempo und gefährlichen Läufen in die Tiefe. Kommt doch Zeki Amdouni zum Einsatz? Er weicht gerne auch auf die Flügel aus.

Switzerland's Remo Freuler, right, celebrates with teammate Dan Ndoye, left, after scoring the 1:0 during a round of 16 match between Switzerland and Italy at the Euro 2024 soccer tournament in B ...
Auch von den Mittelfeldspielern wie Remo Freuler geht im Schweizer Team Torgefahr aus.Bild: keystone

Auf den Aussenbahnen wirbeln Vargas und Ndoye. Auch hier wissen die Gegner nie genau, was kommt. Denn gerade Ndoye kann auf beiden Flügeln spielen, während Vargas auch schon als hängende Spitze zum Einsatz kam. In der Offensive bewegt sich der nominell auf links aufgestellte Michel Aebischer ins Zentrum und sorgt dort für eine zusätzliche Anspielstation (und Abschlussgefahr). Und wenn Xherdan Shaqiri zum Einsatz kommt, dann ist er sowieso nicht an eine fixe Position gebunden, sondern bewegt sich in der Offensive in einem freien Raum.

Murat Yakin und Giorgio Contini haben es bislang sehr gut verstanden, diese Variabilität auszuspielen. Die Gegner wussten kaum jemals, was sie erwartet, und mussten sich deshalb oft während des Spiels noch anpassen. Wenn das gegen England nochmals gelingt, ist der Halbfinaleinzug ein realistisches Ziel – egal ob die Schweiz den ersten Doppeltorschützen an diesem Turnier erhält oder ob sich nochmals ein Neuling in die Torschützenliste eintragen kann.

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8 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Perkon20
03.07.2024 21:05registriert Juli 2018
Ich glaube offensiv müssen wir uns nicht mehr so viele Sorgen machen. Vor was ich Angst habe, sind Eckbälle. Wenn da gegen einen Jude Bellingham oder Harry Kane die Zuordnung nicht stimmt (und das kann nach 90 anstrengenden Minuten schnell mal passieren) dann geschieht dasselbe wie gegen Deutschland, einfach kann man es sich hier nicht leisten. Und wenn England uns unter Druck setzt, müssen wir auch hoffen, dass ein Schär nicht wieder ins Tor klärt. Ansonsten bin ich guter Dinge, was England anbelangt. Man darf sie einfach um Gottes Willen nicht abschreiben und unterschätzen.
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