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Silvan Widmer reacts during the FIFA World Cup Qatar 2022 qualifying Group C soccer match between Switzerland and Lithuania, at the kybunpark stadium in St. Gallen, Switzerland, Sunday, March 28, 2021. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Silvan Widmer darf sich an der EM Hoffnung auf einen Stammplatz machen. Bild: keystone

Die EM wird sein erstes grosses Turnier – für Silvan Widmer eine Erlösung

Die EM 2016 und die WM 2018 verpasste der Würenloser Silvan Widmer jeweils in letzter Sekunde. Danach war er wütend auf die ganze Welt, kämpfte aber immer weiter. Nun folgt die Belohnung – als einziger Super-League-Spieler in der Nati darf er sich sogar Chancen auf einen Stammplatz ausrechnen.

etienne wuillemin / ch media



Endlich! Seit Montag hat Silvan Widmer die Gewissheit: Ja, er fährt an die EM. Es ist das erste grosse Turnier, an dem der 28-Jährige teilnimmt. Und auch darum eine spezielle Geschichte, weil er 2016 und 2018 zweimal in allerletzter Sekunde den Sprung ins Kader verpasste.

Nun sitzt Widmer in Bad Ragaz in einem kleinen Zelt neben dem Schweizer Trainingsplatz, strahlt in die Kamera und sagt: «Ich bin glücklich und stolz. Ich habe mir diese Nominierung verdient.» Zittern um die Selektion musste der Aargauer indes nicht wirklich. Dafür hat er sich im letzten Jahr viel zu solide präsentiert. Gerade im Nati-Trikot.

Wütend auf die ganze Welt – danach der Wechsel zum FCB

Trotzdem, die anstehende EM könnte für FCB-Verteidiger Widmer zum Karriere-Highlight werden. Ganz sicher ist sie eine Genugtuung für ihn. Die Belohnung, dass er trotz der Rückschläge vor der EM in Frankreich und der WM in Russland nie aufhörte, weiterzukämpfen. Auf die Frage von CH Media, ob er einmal an den Nati-Rücktritt dachte, sagte er letzten Herbst:

«Ich war wütend auf die ganze Welt. Aber ich bin viel zu bedacht und zu wenig impulsiv für Kurzschlussreaktionen. Ich habe nie mit der Nationalmannschaft abgeschlossen und empfinde es jedes Mal als riesiges Privileg, wenn ich dabei sein darf. Es waren zwei riesige Enttäuschungen in meiner Karriere, die ich aber verarbeitet und verdaut habe.»

Im Sommer 2018, also wenige Wochen nach der Enttäuschung, nicht an der WM in Russland dabei zu sein, entschliesst sich Widmer für einen Transfer zurück in die Schweiz, wechselt nach fünf Jahren bei Udinese Calcio zum FC Basel. «Es gab einige, die diesen Schritt nicht verstanden haben. Sich fragten: Warum wechselt ein 25-Jähriger zurück in die Super League? Für mich aber war es genau der richtige Schritt. Ich konnte seither viele Spiele machen, auch international.»

Dan Ndoye, links, gegen Kevin Mbabu, im Training der Schweizer Fussball Nationalmannschaft, am Montag, 31. Mai 2021, in Bad Ragaz. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller).

Widmers Konkurrent auf der Position des Rechtsverteidigers: Kevin Mbabu (r.) Bild: keystone

In der Tat. Widmer hat noch einmal grosse Fortschritte gemacht. Er ist gereift. Und abgeklärter geworden auf dem Platz. Er selbst hat das so beschrieben: «Ich spiele in jeder Phase gelassener. Früher hatte ich diese Ruhe noch nicht. Jetzt warte ich den richtigen Moment ab für meine Aktionen und versuche nicht einfach mal etwas und hoffe, dass es gut kommt.»

Die Frage ist nun: Welche Rolle wird Widmer an der EM übernehmen? Die Position als rechter Aussenverteidiger ist jene, die derzeit am meisten umkämpft ist in der Nati. Widmers Konkurrent heisst Kevin Mbabu. Der 26-Jährige vom VfL Wolfsburg hat sich mittlerweile in der Bundesliga durchgesetzt, kam zuletzt immer besser in Fahrt.

Widmer hat beim FC Basel eine Saison mit gemischten Gefühlen hinter sich. Der Start war gut. Dann wurde er durch Quarantänen, die Corona-Infektion und schliesslich auch noch von einer Verletzung gestoppt. Er sagt: «Die sportliche Bilanz mit dem FCB ist durchzogen. Es war enttäuschend, dass wir nicht europäisch spielten. Und dann YB rasch ziehen lassen mussten.» Sein Fazit ganz generell: «Man kann es nicht leugnen: Wenn man merkt, dass im ganzen Verein Unstimmigkeiten herrschen, dann hat das einen Einfluss aufs Team. Es gehört dazu, dass man dies ausblenden kann. Leider ist das nicht ganz gelungen.»

YBs Nicolas Moumi Ngamaleu, rechts, Basels Silvan Widmer in Aktion, im Super League Spiel zwischen dem BSC Young Boys Bern und dem FC Basel, am Samstag, 8. Mai 2021 im Stadion Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Beim FC Basel hat Widmer keine leichte Saison hinter sich. Bild: keystone

Widmers Konkurrent Mbabu ist defensiv weniger verlässlich

Wie sieht nun die Ausgangslage im Hinblick auf die EM aus? Widmer beschreibt sie so: «Kevin spielt derzeit in der Bundesliga auf einem höheren Niveau. Er hat viel Power und Dynamik nach vorne. Aber ich muss mich nicht verstecken, das habe ich durchaus schon bewiesen. Und ich hoffe, dass ich taktisch ein bisschen weiter bin als er. Auch die defensive Verlässlichkeit könnte für mich sprechen. Und vielleicht ist das dann entscheidend.» Die Verlässlichkeit spricht tatsächlich für Widmer. Mbabu hat in der Nati schon mehrfach Fehler begangen, die am Ursprung von entscheidenden Gegentoren standen.

Was klar ist: Von den vier Super-League-Spielern im Kader ist Widmer der einzige mit Chancen auf die Startelf. Eray Cömert (FCB), Becir Omeragic (FCZ) und Christian Fassnacht (YB) dürfen sich höchstens Hoffnungen auf Teileinsätze machen. Gut möglich, dass sich Widmer und Mbabu abwechseln. Die Kraftreserven könnten am Ende ein Vorteil sein. Schliesslich will die Nati ja auch nach der Gruppenphase gegen Wales, Italien und die Türkei noch im Turnier sein.

Die Spiele der Schweizer an der EM:

12. Juni, 15:00 Uhr in Baku: Schweiz – Wales
16. Juni, 21:00 Uhr in Rom: Schweiz – Italien
20. Juni, 18:00 Uhr in Baku: Schweiz – Türkei

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quelle: keystone / gian ehrenzeller
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