Die Frauen retten die Männer – wie YB dank seines Frauenteams einen Neustart schafft
Normalerweise läuft es im Fussball so: Die Männer spielen in der Champions League, kassieren Millionen und die Frauen bekommen ein bisschen was vom Kuchen ab. Beim BSC Young Boys ist es nun anders – die Männer profitieren von den Frauen.
Seit geraumer Zeit prangt das Logo von Plus500 auf den gelb-schwarzen Trikots der Berner. Es handelt sich dabei um eine Online-Handelsplattform für hochspekulative Finanzprodukte, sogenannte CFDs. Produkte, mit denen Kleinanleger regelmässig hohe Summen verlieren. Die Kritik war laut, YB verteidigte die Partnerschaft trotzdem.
In Frankreich hingegen ist Werbung für solche Produkte verboten. Die französische Finanzmarktaufsicht stuft sie als zu riskant ein. Weil das Logo von Plus500 auf den Trikots war, durften französische Sender die Champions-League-Spiele von YB nicht zeigen. Ein Verpixeln in Echtzeit war nicht möglich.
Angekratztes Image
Hinzu kamen für die Young Boys Skandale mit Chaoten. Ausschreitungen bei Auswärtsspielen, etwa in Birmingham, brachten den Verein Ende 2025 in die Schlagzeilen. Das Ansehen war ramponiert.
Während die Männer mit diesen Imageproblemen kämpften, lieferten die Frauen ab. Im Mai 2025 holten sie im Playoff-Final gegen GC den Meistertitel – der erste seit 2011 – und qualifizierten sich für die UEFA Women's Champions League. Und schliesslich in der Winterpause der Paukenschlag: Nati-Star Ramona Bachmann unterschrieb bei YB. «Das war ein Coup», sagte Rolf Kirchhofer, Technischer Leiter der YB Frauen.
All dies geschah zu einer Zeit, in der YB einen neuen Hauptsponsor suchte. Und genau hier wurde das Frauenteam zum Türöffner.
Engagement bei den Frauen als Testlauf für den ganzen Klub
Seit dieser Saison ist Yuh Premium-Partner der YB-Frauen. Die Schweizer Finanz-App, eine Tochter von Swissquote, hat jedoch nicht nur den Verein, sondern den gesamten Fussballmarkt beobachtet. «Wir haben uns andere Klubs angeschaut», bestätigt Jan De Schepper, CEO von Yuh und CMO von Swissquote, gegenüber CH Media. «Durch die guten Erfahrungen, die wir mit YB bei den Frauen gemacht haben, war für uns klar, dass wir den Deal mit YB machen möchten.» Das Engagement bei den Frauen war der Testlauf – und er lief gut.
Ab Sommer 2026 wird Yuh Hauptpartner des gesamten Vereins und hat einen Vierjahresvertrag bis 2030 abgeschlossen. Bei nationalen Wettbewerben wird Yuh auf den Trikots zu lesen sein, bei internationalen übernimmt die Muttergesellschaft Swissquote.
De Schepper distanziert sich deutlich von Plus500 und anderen ausländischen Finanzakteuren wie Bitpanda (Sponsor des FC Basel): «Es ist ein Ärgernis, dass Finanzakteure aus dem Ausland, die in der Schweiz nicht reguliert sind, Werbung machen dürfen. Das ist ein Systemfehler.» Swissquote sei hingegen streng von der Finma reguliert und an der Börse gelistet. «Wer in der Schweiz Werbung machen will, soll auch streng überwacht sein.»
Frauen verschafften Glaubwürdigkeit
YB-Präsident Marcel Brülhart ist erleichtert: «Dass sich ein modernes, dynamisches und zukunftsorientiertes Unternehmen in diesem Umfang zu YB bekennt, erfüllt uns mit Stolz.» Es ist ein Befreiungsschlag nach einer Zeit der Kritik.
Ohne den Erfolg der Frauen wäre dieser Deal wohl nicht zustande gekommen. Sie haben YB in einer schwierigen Phase Glaubwürdigkeit verschafft und für positive Schlagzeilen gesorgt. Sie haben gezeigt, dass der Verein mehr ist als Chaoten und zwielichtige Sponsoren.
Die Männer können auch von den Frauen profitieren. Das ist Fussballrealität im Jahr 2026.
