Leon Avdullahu hat sich nach langer Überlegung für den Kosovo entschieden. Für Ardon Jashari indes ist schon als Teenager klar gewesen: «Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Für mich ist es eine Herzensangelegenheit, für die Schweiz zu spielen.»
Wie bei vielen hierzulande ausgebildete Talenten haben einst auch bei Jashari die Heimatländer der Eltern angeklopft – in seinem Fall Kosovo, Nordmazedonien und Albanien. Doch als Murat Yakin den Luzerner nach seinem Kometenstart in der Super League im November 2022 ins Schweizer WM-Kader in Katar aufbietet, nimmt Jashari sofort an.
Damals scheint klar: Nach dem ersten Reinschnuppern wird der hochbegabte Jashari schnell Fuss fassen und der Nati seinen Stempel aufdrücken. Doch nun, knapp drei Jahre später, muss man konstatieren: Statt mit Liebe gesegnet scheint die Beziehung zwischen Jashari und der Schweizer Nationalmannschaft mit einem Fluch belegt. Jüngstes Beispiel: Am Tag, an dem Yakin sein erstes Aufgebot für die bevorstehende WM-Qualifikation bekannt gibt und Jashari Spielminuten in Aussicht stellt, bricht dieser sich im Training mit seinem neuen Klub AC Milan das Bein.
Es beginnt an der WM in Katar: Beim Achtelfinal-Out gegen Portugal (1:6) gibt Jashari in den Schlussminuten sein Debüt, hängen bleibt jedoch etwas anderes. Für das er gar nichts kann. Doch weil Granit Xhaka sich nach dem Spiel zuvor gegen Serbien Jasharis Trikot überzieht, um dem kosovarischen Freiheitskämpfer Adem Jashari zu gedenken, gerät auch er in den Strudel.
Im Folgejahr setzt Murat Yakin in der A-Nati auf andere Kräfte, Jashari macht dennoch von sich reden. Erst mit dem gescheiterten Vorhaben, im Sommer 2023 einen Wechsel vom FCL zum FCB zu erzwingen. Und dann im November mit der Verweigerung des Aufgebots für die Schweizer U21-Nati.
Was im ersten Moment für Verstimmung in der Teppichetage des SFV sorgt, mündet ein halbes Jahr später im Aufgebot für die EM 2024. Zu gut sind in den Monaten dazwischen Jasharis Leistungen im Klub. In den fünf Spielen in Deutschland aber bleibt er dann als einer von vier Feldspielern ohne Einsatzminute. Was schwer zu verdauen gewesen sein dürfte für den stolzen und vor Selbstvertrauen strotzenden Jashari.
Im Nations-League-Herbst 2024 wird Jashari zu Beginn nicht aufgeboten, ehe er im abschliessenden Kehrausspiel in Spanien eine Chance erhalten soll. Dann aber die Reise nach Teneriffa krankheitshalber gar nicht erst antritt.
Irritierend wird es im März 2025: Jashari sagt die Teilnahme an den Testkicks gegen Nordirland und Luxemburg wegen einer Verletzung ab, um kurz darauf doch im Trikot seines damaligen Klubs Brügge aufzulaufen. «Alles okay, alles besprochen», beschwichtigt Yakin, Fragezeichen bleiben trotzdem.
Auf der USA-Reise im Juni gehört Jashari zu den Gewinnern, bildet ein kongeniales Mittelfeld-Duo mit Granit Xhaka. Der 23-Jährige scheint endlich angekommen im Kreis der A-Nati. Bis der Fluch am Donnerstag dieser Woche wieder zuschlägt. Die nächste Chance, ihn zu brechen, bietet sich für Jashari wohl erst im nächsten Jahr. (riz/aargauerzeitung)