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Gianni Infantino bietet der UEFA Zuckerbrot und Peitsche.
Gianni Infantino bietet der UEFA Zuckerbrot und Peitsche. Bild: keystone

FIFA-Präsident Infantino: «Wir müssen nicht schützen, was wir haben»

Der Walliser will an einem Gipfeltreffen am 20. Dezember eine Entscheidung, wie der Weltfussball zukünftig gestaltet werden soll. Eine WM alle zwei Jahre? Noch scheinen die Differenzen unüberbrückbar.
21.10.2021, 08:57
rainer sommerhalder / ch media

Heftig seien die Reaktionen ausgefallen, gibt Gianni Infantino zu. «Fussball ist offensichtlich ein Spiel mit vielen Emotionen nicht nur auf dem, sondern auch neben dem Spielfeld.» Es sei nicht immer einfach, Präsident der FIFA zu sein. «Ich habe auf die Ideen, unseren Sport zu reformieren, viele hitzige und negative Rückmeldungen erhalten. Aber auch teilweise begeisterte Zustimmung». Infantino stellte nach der Sitzung des FIFA-Councils am Mittwoch fest, dass die Debatte in den verschiedenen Weltregionen ganz unterschiedlich verlaufe.

Am Tag vor der Sitzung der FIFA-Führung erhöhte der europäische Kontinentalverband UEFA den Druck auf den Weltverband in der Frage über den zukünftigen Austragungsrhythmus der WM noch einmal. Neben einzelnen Nationen, welche sogar Begriffe wie «Boykott» und «Austritt aus der FIFA» in den Mund nahmen, wies die UEFA auf eine in Auftrag gegebene Studie hin, die bei einer WM alle zwei Jahre Einnahme-Ausfällen von bis zu drei Milliarden Euro für den europäischen Fussball prognostizieren. Zudem würde damit die Frauen-WM durch Überschneidungen mit anderen Sport-Grossanlässen beträchtlichen Schaden nehmen.

Zuckerbrot und Peitsche in Richtung UEFA

Gianni Infantino reagierte in seiner gut einstündigen Pressekonferenz mit einer Strategie von Zuckerbrot und Peitsche auf den rauen Gegenwind aus seiner früheren fussballerischen Heimathafen. Einerseits betonte der 51-jährige Walliser mehrfach, dass es seine Aufgabe sei, die Diskussionen zu moderieren und auf einen Konsens hinzuarbeiten. «Wir wollen ein gemeinsames Verständnis finden, wie wir zusammenarbeiten müssen, um den Fussball zu verbessern. Wir können nur etwas verändern, wenn wir überzeugt sind, dass alle davon profitieren.» Eine Machbarkeitsstudie soll dazu Argumente liefern. Eventuell müsse die Reform auch in mehreren Schritten erfolgen.

Infantino verstieg sich sogar auf die Feststellung, dass der offene und kontroverse Austausch auch eine Folge der Governance-Reform der FIFA sei. «Früher gab es diese Art von Diskussionskultur nicht. Aktuell befinden wir uns in einer Lernphase, wie der zukünftige globale Dialog aussehen soll. Er appellierte, dabei kühlen Kopf zu bewahren und respektvoll miteinander umzugehen.»

Ein Konsens am 20. Dezember scheint in weiter Ferne

Andererseits gab Infantino in Richtung UEFA-Spitze auch zu verstehen, dass er sich nicht von einem Kontinentalverband vorschreiben lassen will, was Sache ist. «Wir müssen nicht schützen, was wir haben. Wir müssen zukunftsgerichtet handeln. Priorität hat, was für das globale Fussball-Bedürfnis richtig ist. Für uns haben alle Mitgliedsverbände das gleiche Gewicht.»

UEFA-Präsident Ceferin wehrt sich gegen eine WM alle zwei Jahre.
UEFA-Präsident Ceferin wehrt sich gegen eine WM alle zwei Jahre. Bild: keystone

Ein virtuelles globales Gipfeltreffen am 20. Dezember soll nun über den zukünftigen internationalen Spielkalender entscheiden. Der Walliser hob dabei den Warnfinger, sprach von einem verschobenen Gleichgewicht zwischen Klub- und Länderspielen sowie davon, dass der Fussball Gefahr laufe, seine Anziehungskraft zu verlieren. Bei den Reformideen «diskutieren wir über Sport und nicht über Einnahmen.» Und eine WM alle zwei Jahre sei «weder mein Vorschlag, noch meine Entscheidung.»

Infantino sagte, er sei überzeugt, dass ein Konsens trotz derzeit verhärteter Fronten möglich sei. «Alle Beteiligten müssen einen Schritt in Richtung Solidarität machen. Der gesunde Austausch von heute ermutigt mich. Von Boykott war nie die Rede.»

WM nie mehr in einem einzigen Land?

Auch zur Frage, welche Auswirkungen ein höherer WM-Rhythmus für potenzielle Ausrichter habe, äusserte sich der Schweizer. Die Zeiten seien vorbei, in welchen ein einziges Land eine WM austrage, sagt er und ermunterte Nationen in Afrika, Südamerika oder den britischen Inseln, gemeinsame Bewerbungen zu prüfen.

Weiter hat der FIFA-Rat bei seiner rund 90-minütigen Sitzung am Mittwochnachmittag entschieden, dass der ordentliche Fifa-Kongress am 31. März 2022 in Doha stattfinden wird. Einen Tag, bevor die Gruppen der Fussball-WM in Katar ausgelost werden.

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