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WM 2022: Affären, Krach und schwache Form – bei Serbien herrscht Chaos

ARCHIVBILD ZUR VORSCHAU AUF DIE GRUPPE G --- epa10204257 Serbia's Dusan Vlahovic reacts during the UEFA Nations League soccer match between Serbia and Sweden in Belgrade, Serbia, 24 September 2022. EP ...
An ihm scheiden sich die Geister: Dusan Vlahovic.Bild: keystone

Affären, Krach und schwache Form – bei der serbischen Nati herrscht Chaos

Im Lager der Serben kursieren vor dem Spiel gegen die Schweiz heftige Vorwürfe – sie beschäftigen die Medien mehr als Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri.
01.12.2022, 11:46
Christian Brägger, Doha / ch media

Brennt nun der Baum bei den Serben? Weil die Betroffenen proaktiv oder – je nach Sichtweise – reaktiv vorgehen, haben sie immerhin selbst den Feuerlöscher dabei. Anders ist nicht zu erklären, dass zwei Tage vor der kapitalen Partie gegen die Schweiz auch Dusan Vlahovic wie Filip Kostic und damit zwei weitere Topakteure am offiziellen Pressetermin erscheinen. Beide Spieler stehen wegen ihrer Form in der Kritik, Vlahovic wird darüber hinaus öffentlich verunglimpft. Das hat seine Gründe.

Einerseits geht es um eine angebliche Affäre mit der Frau eines Mitspielers (Ersatzgoalie Predrag Rajkovic), wobei Vergleichbares auch Nemanja Gudelj nachgesagt wird – Nationalspieler Luka Jovic soll hier Leidtragender sein. Andererseits war Vlahovic wohl im Trainingsbetrieb Auslöser für eine Auseinandersetzung unter den Spielern. Zudem, so schreiben serbische Medien, herrsche in der Kabine auch wegen ihm das Chaos.

Was stimmt, was nicht, ist für die Schweiz nicht von Belang. Es zeigt aber: Im serbischen Lager herrscht grosse Unruhe, die Gerüchte halten sich hartnäckig. An Vlahovic, 22-jähriger Stürmer von Juventus Turin, scheiden sich jedenfalls die Geister, offenbar auch jener Geist von Dragan Stojkovic, dem Trainer. Also gilt es, die atmosphärischen Störungen an diesem Mittwochabend abzuarbeiten.

Starstürmer Vlahovic im Verteidigungsmodus

Vlahovics erste Antwort dauert lange, sie ist ein vierminütiger Monolog. Er sagte: «Es tut mir sehr leid, die Konferenz so zu beginnen. Ich muss reagieren, weil es um mich geht. Was geschrieben wird über mich, ist Unsinn. Ich möchte nur die Integrität meines Namens schützen und werde mich rechtlich und juristisch verteidigen, wenn es sein muss.» Es gebe auch kein Problem zwischen ihm und dem Trainer.

Dass dies genau anders ausgelegt wurde, hat Vlahovic sich selbst zuzuschreiben, nachdem er zuletzt gegen Kamerun nicht eingesetzt und als Grund eine nicht vollständig ausgeheilte Verletzung angegeben worden war. Trotzdem schrieb er nach dem Spiel in den sozialen Medien: «Ich bin bereit.»

Cameroon's Christian Bassogog, left, fights for the ball with Serbia's Filip Kostic during the World Cup group G soccer match between Cameroon and Serbia, at the Al Janoub Stadium in Al Wakrah, Qatar, ...
Filip Kostic soll wieder fit sein. Sagt er zumindest.Bild: keystone

Nun, wie er auf die anwesenden Journalisten herunterblickte, sagte der Angreifer, es sei alles abgesprochen gewesen. «Am Freitag wird der Trainer entscheiden, ob ich spiele, ich bin fit. Und ich bin immer stolz, unser Leibchen zu tragen – so hatte man meine Nachricht zu verstehen.» Kostic sagte:

«Wir spielen guten Fussball. Die Stimmung war nie besser bei uns, und wenn das der Fall ist, will uns jemand Böses.»

Das Eigengoal von Kuzmanovic

Für Unruhe sorgte auch Zdravko Kuzmanovic mit seinem Interview auf «20 Minuten». Der frühere Spieler des FC Basel und der serbischen Nationalmannschaft tat dies wie ein Heckenschütze aus dem Nichts heraus und nannte darin die Doppeladler-Gesten eine Schande. Sportliches und Politik müsse man trennen, das hätten Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri nicht gemacht.

Kuzmanovic sagte:

«Wäre ich an dieser WM noch Spieler bei Serbien, würde ich Xhaka oder Shaqiri umhauen. Ich weiss nicht, ob die Knochen halten werden.»
Der Basler Zdravko Kuzmanovic schaut dem Fussball Freundschaftsspiel zwischen dem FC Basel 1893 und FC Wil in Basel, am Mittwoch, 5. Juli 2017, zu. (KEYSTONE/Patrick Straub)
Zdravko Kuzmanovics zweite Anstellung beim FC Basel war nicht von Erfolg gekrönt.Bild: KEYSTONE

Die Sätze waren ein klassisches, bewusst platziertes Eigengoal, mit dem der 35-Jährige nun zu leben hat. Die serbischen Medien – nicht die Spieler – nahmen die Aussagen natürlich auf, allen voran für den Boulevard waren sie ein gefundenes Fressen.

Die Tageszeitung «Alo!» versteht es ausserdem nicht, dass die Fifa «eine Staatsaffäre» aus jener serbischen Fahne gemacht habe, welche über die kosovarischen Landesgrenzen gelegt war. Das Bild war aus der Kabine der Serben aufgetaucht, woraufhin der kosovarische Verband heftig interveniert hatte beim Weltverband. «Der kosovarische Verband soll das Maul halten, keine Unruhe stiften und nicht unsere Spieler stören», schrieb «Alo!».

Im Prinzip herrscht Ruhe im Blätterwald

Doch im Prinzip ist es ruhig im serbischen Blätterwald. In der Heimat verhandelt man nicht über Xhaka und Shaqiri, vielmehr geht man mit den eigenen Akteuren hart ins Gericht. Und hadert mit den Verletzten und Angeschlagenen, insgesamt sieben Spieler. Als ob die serbische Mannschaft «verflucht» sei, war zu lesen. Wobei ihr Medienchef sagte, grundsätzlich sollten alle Profis am Freitagabend gegen die Schweiz einsatzfähig sein. Was auch immer unter «grundsätzlich» zu verstehen ist.

Fraglich bleibt ohnehin der Fitnesszustand, in einer TV-Sendung wurde ebendieser kritisiert. Die Experten bezogen sich nicht nur auf die körperliche Komponente, sondern auch auf die mentale. Man nehme die WM zu wenig wichtig. Dass genau das Gegenteil der Fall ist, davon wollen Kostic und Vlahovic nun ihren Anhang überzeugen. Vlahovic sagte: «Wir leben für diesen Moment. Ich hoffe, dass wir uns glücklich machen.»

Übersetzung: Alexandra Pavlović

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5 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bruno Wüthrich
01.12.2022 13:13registriert August 2014
Wichtig ist, dass sich unsere Nati auf sich selbst konzentriert und das ganze Gerede um die Serben an sich vorbei ziehen lässt. Denn eines ist klar: Auch unsere Kontrahenten werden bereit sein und für den Achtelfinaleinzug Vollgas geben. Sie müssen gewinnen und so werden sie auch spielen. Die Schweiz darf sich nicht überrollen lassen und muss von Beginn weg bereit sein. Nur so kann es gut kommen.

Dass für die Schweiz ein Unentschieden reicht, ist nicht nur ein Vorteil, sondern sogar sehr gefährlich. Wir müssen auf Sieg spielen.
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