Grosse Ratlosigkeit bei YB über die vielen Fehler: «Das ist wettbewerbsunfähig»
Nein, so haben sich die Young Boys den Wiederauftakt nach der Winterpause nicht vorgestellt. Anstatt nach einer ruhigen Vorbereitung unter Trainer Gerardo Seoane mit neuem Schwung die Aufholjagd zu lancieren, geriet die Mannschaft unvermittelt wieder in alte Fahrwasser. Mit der 1:3-Heimniederlage gegen Lausanne-Sport, der dritten Niederlage in Folge und der siebten im 20. Spiel, startete das neue Jahr so, wie das alte aufgehört hat.
Vor allem die Art und Weise muss zu denken geben. Es wirkte, als wäre bei den taumelnden Bernern alles beim Alten geblieben, als hätte der Reset-Knopf nicht funktioniert. Was man besser machen wollte, machte man wieder falsch. Wie beim 2:6 gegen die Grasshoppers und dem 0:3 in Lugano offenbarte die Defensive eklatante Mängel, wie so oft in dieser Saison leistete sich ein Berner eine Disziplinlosigkeit mit Folgen.
Seoanes Erklärungsnot
Grégory Wüthrich patzte beim 0:1, Loris Benito schenkte dem Gegner mit einem leichtfertigen Handspiel den Penalty zum 1:2. Die drei Gegentore waren die Gegentore 10, 11 und 12 in den letzten drei Spielen, womit es nun in 20 Spielen 41-mal hinten einschlug. Die Rote Karte gegen den 17-jährigen Olivier Mambwa wegen eines Fouls auf Höhe der Mittellinie dezimierte die Young Boys beim Stand von 1:1 noch in der ersten Halbzeit; es war dies der dritte Platzverweis im dritten Spiel in Folge und der neunte der Saison (!).
Die Ratlosigkeit war bei den Bernern gross. «Wir haben extrem gut gearbeitet in der Vorbereitung und heute kommt wieder alles zusammen, was wir letztes Jahr falsch gemacht haben», sagte ein konsternierter Christian Fassnacht beim SRF. Es sei schwierig, noch die richtigen Worte zu finden, und vor allem frustrierend, «wenn man hier steht und denkt: ‹Gopfertelli, wieder derselbe Seich wie letztes Jahr.›»
Der Auftritt gegen Lausanne mit der Summe an Unzulänglichkeiten liess auch Gerardo Seoane fragend zurück. «Wieder ein Platzverweis, wieder mehr als eine Halbzeit lang zu zehnt. Das ist frustrierend. Ich habe keine Erklärung dafür», sagte der YB-Meistertrainer von 2019, 2020 und 2021 gegenüber dem Schweizer Fernsehen. Beim Blick fügte er an: «Ich bin nachdenklich, was zu tun ist in den nächsten Tagen. Irgendwo gibts auch ein paar Fragezeichen in meinem Kopf, wie man in der ersten halben Stunde so auf den Platz kommen kann. Das ist wettbewerbsunabhängig.»
Man sei nicht gut ins Spiel gekommen, so Seoane weiter. «Wir waren weder defensiv griffig noch ballsicher, kamen nicht in die Zweikämpfe. Das war nicht das, was wir uns erhofft haben.» Als man defensiv kompakter stand und man angefangen habe zu spielen, sei man zu Möglichkeiten und zum Ausgleich gekommen. «Und dann kam die Rote Karte. Die hat das Spiel komplett verändert.»
Am Donnerstag gegen Lyon
Zu lange lamentieren wollte Seoane nach dem Fehlstart ins neue Jahr nicht. «Wir müssen zusammenrücken und zusammenstehen. Es ist eine schwierige Phase, am nächsten Donnerstag steht ein wichtiges Spiel bevor», sagte er. Dann trifft YB in der Europa League zuhause auf Olympique Lyon. Christian Fassnacht stellte eine Forderung ans Team: «Wir müssen aufhören, nach oben zu schielen. Es gilt, die Basics richtig zu machen.» (nih/sda)
