Mutiges Experiment beim FCB: So performten andere Schweizer Trainernewcomer
Am Samstag stand Stephan Lichtsteiner noch an der Seitenlinie des FC Wettswil-Bonstetten. Am Donnerstag wird er den FC Basel in das Entscheidungsspiel gegen Viktoria Pilsen führen. Von der vierthöchsten Schweizer Liga in die Europa League in nur fünf Tagen: Was für ein Karrieresprung!
Stephan Lichtsteiner ist nicht der erste Schweizer Trainer, der einen solchen Aufstieg wagt. Wir zeigen Ihnen eine Auswahl von fünf Trainern, die einen ähnlichen Weg gegangen sind – und ob das Experiment für Verein und Trainer aufgegangen ist.
Georges Bregy
An der WM 1994 erzielte Georges Bregy im Auftaktspiel gegen Gastgeber USA das berühmteste Tor der Schweizer Fussballgeschichte. Für den damals 36-jährigen Walliser sollte es sein letztes bleiben. Nach dem Turnier beendete er seine Karriere als Spieler und wurde Trainer seines Stammvereins FC Raron, der in der dritthöchsten Liga spielte. Bereits eine Saison später übernahm er Lausanne-Sports. Er stabilisierte den Verein im Mittelfeld der Nationalliga A und gewann 1998 den Schweizer Cup.
Aus der grossen Trainerkarriere wurde nichts. Nach einem Zwischenstopp beim FC Thun wurde er beim FC Zürich «Opfer einer von Erich Vogel orchestrierten Intrige», wie er kürzlich im Interview mit CH Media sagte. Weil er sich während seiner Zeit beim FCZ «wie eine lebende Leiche» fühlte, verzichtete er fortan auf das Profi-Trainerbusiness.
Martin Schmidt
Auch Martin Schmidt lancierte seine Trainerkarriere beim FC Raron. Allerdings spielte der Walliser Verein damals, in den 2000er-Jahren, nur noch in der fünfthöchsten Liga. Als Schmidt 2015 zum Cheftrainer von Mainz ernannt wurde, war es seine erste Profistation – zuvor hatte er neben Raron die U21 von Thun und die U23 von Mainz trainiert. Der Schachzug des Bundesligisten zahlte sich aus: In der ersten Saison unter Schmidt wurde Mainz Sechster und qualifizierte sich erstmals in der Vereinsgeschichte für die Europa League.
Für Schmidt folgten Stationen bei Wolfsburg, Augsburg und – als Sportdirektor – wieder bei Mainz. Zur Pflege seines kranken Vaters hat sich Schmidt eine Auszeit genommen, könnte aber schon bald an die Seitenlinie zurückkehren.
Ciriaco Sforza
Genau wie Bregy stieg auch Ciriaco Sforza direkt nach dem Karriereende ins Trainerbusiness ein. Mit dem Unterschied, dass Sforza mit dem FC Luzern gleich einen Super-Ligisten übernahm. Seine Auftaktsaison 2006/2007, als er mit dem Aufsteiger den Klassenerhalt meisterte und bis in den Final des Schweizer Cups vorstiess, war eine seiner erfolgreichsten Spielzeiten als Trainer.
So nahe an einen Titel kam er in seiner Trainerkarriere nie mehr – weder mit GC, Basel noch zuletzt mit dem FC Schaffhausen. Ob es der mittlerweile vereinslose Sforza nochmals versucht, wird sich zeigen.
Raphaël Wicky
Raphaël Wicky tastete sich beim FC Basel langsam an den Cheftrainerposten heran. Nachdem er einige Jahre lang im Nachwuchs tätig war, übernahm er 2017 die Profi-Equipe. Diese Entscheidung kam dennoch überraschend: Der junge, noch unerfahrene Wicky ersetzte Double-Gewinner Urs Fischer und sollte den FC Basel in die neue Ära unter Präsident Bernhard Burgener leiten. Die Rechnung ging nicht auf. Erstmals seit acht Jahren hiess der Meister nicht mehr FC Basel. In der Folgesaison war für den Walliser nach nur zwei Pflichtspielen bereits Schluss.
Wicky konnte sich nach der schwierigen Debütsaison erholen. Er heuerte als Trainer von Chicago Fire in der MLS an, kehrte dann in die Schweiz zurück und gewann mit YB das Double, und hat seit Anfang Januar einen neuen MLS-Job in Kansas.
Fabian Hürzeler
In der Schweiz dürfte der Name nur wenigen ein Begriff sein. Und dennoch ist Fabian Hürzeler, Sohn eines Schweizers und einer Deutschen, einer der Top-Trainer Europas. Sein rasanter Aufstieg ist ziemlich bemerkenswert: Vom Spielertrainer des deutschen Fünftligisten Pipinsried zum Co.- und dann Cheftrainer des FC St. Pauli. Innert zwei Jahren formte er den zuvor abstiegsbedrohten Klub um und führte ihn in die Bundesliga.
Bevor Hürzeler Bundesliga-Luft schnuppern durfte, wechselte er im Alter von 31 Jahren zu Brighton und wurde so zum jüngsten Cheftrainer in der Geschichte der Premier League. (riz/aargauerzeitung.ch)
