Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Atalanta's Josip Ilicic celebrates with teammates after scoring a penalty kick his side's second goal during the Champions League round of 16 second leg soccer match between Valencia and Atalanta in Valencia, Spain, Tuesday March 10, 2020. The match is being in an empty stadium because of the coronavirus outbreak. (UEFA via AP)

Mit Atalanta Bergamo steht Freuler im Viertelfinal der Champions League. Bild: AP

Remo Freuler lebt in Bergamo in der Sperrzone: «Nur Einkaufen funktioniert noch knapp»

Der Schweizer Remo Freuler vom Champions-League-Viertelfinalisten Atalanta Bergamo sitzt in Norditalien im europäischen Epizentrum des Coronavirus fest. Der Nati-Spieler schildert die dramatische Lage rund um seinen Arbeitgeber.



Acht Treffer in 180 spektakulären Champions-League-Minuten gegen den FC Valencia und ein märchenhafter Vorstoss in die Viertelfinals des besten Klubwettbewerbs: Unter normalen Umständen wären Atalanta Bergamos Helden in der Nacht auf Mittwoch von ihrer Tifoseria auf Händen getragen worden. So wie früher ist in Bergamo seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie aber nichts mehr. Das öffentliche Leben ist von Amtes wegen stillgelegt. Ganz Italien hat den Notstand ausgerufen.

Ein globaler Krankheitserreger relativiert die beste Phase der Klubgeschichte vollumfänglich. Remo Freuler wird mit einer grotesken Situation konfrontiert. Der Schweizer Internationale hat die Europacup-Partien seines Lebens hinter sich und schildert während eines Telefonats mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA seine diffusen Achtelfinal-Eindrücke: «Man geht auf den Platz, hört die Champions-League-Hymne und später jeden einzelnen Schrei der anderen Spieler. Das ist schon sehr frustrierend.»

abspielen

Die Highlights des Atalanta-Rückspiels bei Valencia. Video: YouTube/Teleclub Zoom

Nur Einkaufen funktioniert noch knapp

Aber die Gesundheit gehe vor, stellt Freuler klar. Innerhalb weniger Tage habe sich der Alltag in Norditalien massiv verändert. «Bevor wir nach Spanien geflogen sind, ging es vor allem darum, die Hände gründlich zu waschen. Auf den Strassen sah man vielleicht zwei, drei Passanten mit Masken. Die Cafés waren gut besucht», so der 27-Jährige. «Dann wurden bis Dienstagabend drastische Massnahmen verhängt. Inzwischen ist alles komplett abgeriegelt. Einkaufen funktioniert knapp noch.»

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

☕️☕️☕️🌞

Ein Beitrag geteilt von remofreuler (@remo_freuler) am

Eine temporäre Flucht aus dem «Wuhan Italiens» («Die Welt») ist keine Option. «Ein Camp im Ausland war ein Thema. Aber wir können Italien momentan ohnehin nicht verlassen», so Freuler. Dem Verein bleiben nur schriftliche Anordnungen, die Gesundheit der international begehrten Spieler zu schützen: «Sie haben uns angeboten, in der Unterkunft unserer Trainingsanlage zu schlafen und geben uns Essen mit nach Hause.»

Freuler bleibt gelassen

Freuler hat sich mit dem Leben in der Sperrzone so gut wie möglich arrangiert: «Garage, Trainingsplatz, Garage, Wohnung.» Für jede Fahrt ins Trainingszentrum der Bergamasken benötigt er die nötigen Dokumente. «Ohne spezielle Genehmigung der Polizei fährt niemand mehr in eine andere Stadt.»

epa08108049 Atalanta's Remo Freuler jubilates after scoring the 2-0 lead during the Italian Serie A soccer match Atalanta BC vs Parma Calcio at the Gewiss Stadium in Bergamo, Italy, 06 January 2020.  EPA/PAOLO MAGNI

Wann Freuler wieder Fussball spielen darf, steht derzeit in den Sternen. Bild: EPA

Den rigiden Kurs der Behörden trägt Freuler mit: «Zuvor handelten sie zu wenig konsequent. Irgendwann muss man die Reissleine ziehen.» Nach über vierjährigem Engagement in der Serie A kennt Freuler den italienischen Krisenmechanismus. Mit etwas Verzögerung hätten nun alle die Dimension der Problematik erfasst und verstanden, «dass wir alle solidarisch handeln müssen».

Einen allzu weiten Ausblick will Freuler nicht wagen: «Ich male mir die unmittelbare Zukunft nicht im Detail aus. Aktuell überwiegt die Hoffnung auf eine spürbare Besserung. Erst danach müssen wir an neue Lösungen denken.» Bis zum 3. April ruht der Meisterschaftsbetrieb, bis sich die Pandemie womöglich abschwächt – aber davon geht derzeit kein Experte mehr aus. «Das ist zwar schade, aber der Sport muss in den Hintergrund rücken.» (pre/sda)

Das Coronavirus legt ganz Italien lahm

Hygienevorschriften für Infizierte von Coronavirus

Play Icon

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Interview

«Die Epidemie muss jetzt beendet sein, sonst wird es für China gefährlich»

China präsentiert sich als Sieger im Kampf gegen das Coronavirus, während der Westen eine schlechte Figur macht. Der China-Kenner Sebastian Heilmann ist überzeugt, dass wir vieles nicht wissen. Er warnt vor zu grosser Abhängigkeit von Peking.

Xi Jinping hat am Dienstag Wuhan besucht, das «Epizentrum» der Corona-Seuche. Wollte er damit signalisieren, dass China die Lage im Griff hat?Sebastian Heilmann: Die offizielle Botschaft ist eindeutig, dass dieser «Volkskrieg» gewonnen ist. Die Frage ist, wie die Situation vor Ort überall aussieht. Da gibt es gewisse Zweifel. Im Grunde ist es ein Beschluss des Politbüros, dass diese Epidemie zu Ende ist.

Das Ende wurde quasi von oben herab verordnet?Die Epidemie und ihre Folgen sind …

Artikel lesen
Link zum Artikel