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Murat Yakins Experimente in Portugal gingen gründlich daneben.
Murat Yakins Experimente in Portugal gingen gründlich daneben.Bild: keystone

Die Nati geht in Portugal unter: «Es war ein Scheiss-Spiel bis zum Schluss»

Die Schweizer Nationalmannschaft kassiert im zweiten Spiel der Nations League in Lissabon gegen Portugal eine Lektion und verliert 0:4. Cristiano Ronaldo trifft zweimal.
05.06.2022, 19:5706.06.2022, 12:23

Als der israelische Schiedsrichter Orel Grinfeld nach 92 Minuten die Partie abpfiff, kam dies für die Schweizer einer Erlösung gleich. Die SFV-Auswahl blieb an diesem lauen Frühlingsabend im fast ausverkauften Estadio Alvalade ohne Chance und erhielt vom Europameister von 2016 eine Lektion erteilt.

«Es war ein Scheiss-Spiel bis zum Schluss. Wir liefen immer wieder in Konter und kassierten doofe Tore. Das Vierte muss ich auf meine Kappe nehmen. Am Schluss war es einfach zu wenig. Es ist schwierig, das zu analysieren.»
Gregor Kobel, Nationalgoalie

Am Ende musste das Team von Murat Yakin froh sein, nur 0:4 verloren zu haben. Letztmals hatte eine SFV-Auswahl im März 2008 in einem Testspiel gegen Deutschland 0:4 verloren. Der Auftritt der Schweizer erinnerte stark an das EM-Vorrundenspiel im letzten Sommer gegen Italien, als die Schweiz mit 0:3 unter die Räder kam. Oder an die WM 2014, als sie gegen Frankreich nach 73 Minuten 0:5 hinten lag.

Eine halbe Stunde lang hatten es die Schweiz geschafft, den Schaden einigermassen in Grenzen zu halten. Sie verzeichnete sogar den besseren Start in die Partie und schoss das erste Tor. Da aber der Ball nach einem Corner von Xherdan Shaqiri die Hand von Fabian Schär berührt hatte, zählte der Treffer von Haris Seferovic nicht (5.). Ricardo Rodriguez und Xherdan Shaqiri hatten später noch zwei, drei Schusschancen, nachdem Portugal nach einer Viertelstunde durch William Carvalho bereits ein erstes Mal getroffen hatte.

«Wir verlieren das Spiel innerhalb von fünf Minuten. Dass wir uns als Auswärtsmannschaft auskontern lassen, darf nicht passieren. Da sind wir zu weit weg von den Gegnern, arbeiten als Mannschaft zu wenig gut in der Defensive. Das reicht nicht. Portugal hat uns richtig bestraft. Es ist nicht das erste Mal, dass wir so Tore erhalten. Daraus müssen wir lernen.

Die Diskussionen um meine Person und meine Position gehen mir auf die Eier. Ich habe nie über die Taktik geredet. Ich habe nur gesagt, wo ich am liebsten spiele, aber der Trainer ist der Chef und ich muss überall meinen Job machen. Dass das alles wieder so gross gemacht wird, kotzt mich richtig an. Wenn das so weitergeht, muss ich aufhören, gewissen Medien Interviews zu geben.»
Granit Xhaka, Captain

Als die Portugiesen nach einer halben Stunde das Tempo in der Offensive aber merklich erhöhten, brach die Schweizer Defensive komplett auseinander. Angriff um Angriff rollte in der Viertelstunde vor der Pause auf die restlos überforderte Abwehr zu, wobei Cristiano Ronaldo in seinem 188. Länderspiel seine Tore 116 und 117 erzielte. Die Schweiz scheint es dem 37-Jährigen besonders angetan zu haben. Beim Aufeinandertreffen im Halbfinal der Nations League 2019 in Porto hatte der Superstar alle drei Tore zum 3:1 erzielt.

Neben seinen zwei Toren vergab Ronaldo zwei weitere erstklassige Chancen. Pepe traf in der 38. Minute nach einem Corner mit dem Kopf nur den Pfosten. Ein 5:0 oder 6:0 zur Pause wäre durchaus möglich gewesen. Und hätte das Heimteam nach dem Seitenwechsel das Tempo nicht merklich gedrosselt, wäre die Niederlage auch höher ausgefallen.

Abwehr als Schwachpunkt

Wie bereits gegen Tschechien erwies sich die Abwehr als Schweizer Achillesferse. Noch im Herbst, zu Beginn von Yakins Amtszeit, war diese die Basis für die erfolgreiche Qualifikation für die WM in Katar gewesen, in diesem Frühjahr dagegen passt bislang noch wenig zusammen. Hatten am Donnerstag noch zwei Slapstick-Einlagen zu den Gegentreffern geführt, war die Schweizer Viererkette diesmal gegen die brillante portugiesische Offensive komplett überfordert.

Fabian Schär zog erneut einen schwarzen Tag ein, bekundete allerdings Pech, dass sein Einsteigen vor dem Freistoss, der zum 0:1 führte, als Foul gewertet wurde und auch gleich noch eine Verwarnung nach sich zog. Fabian Frei, der für Nico Elvedi ins Team kam, konnte wie im März gegen England erneut nicht kaschieren, dass er dem Tempo auf internationalem Top-Niveau nicht gewachsen ist. Kevin Mbabu und Ricardo Rodriguez waren auf den Seiten der Geschwindigkeit der Portugiesen ebenfalls nicht gewachsen.

«Nachdem vermeintlichen 1:0 haben wir uns etwas gehen lassen, die Distanzen zum Gegner stimmten nicht mehr. Das Glück fehlt auch etwas, es ist ein bitterer Abend. Wir haben gegenüber dem letzten Spiel einige neue Kräfte reingebracht, die nicht alle im Rhythmus waren. Wir haben defensiv unsere Arbeit heute nicht gemacht. Heute müssen wir keine Ausreden suchen, der Gegner war besser in allen Phasen.»
Murat Yakin, Nationaltrainer

Sieben Wechsel

Murat Yakin hatte im Vergleich zur Partie gegen Tschechien sieben neue Spieler gebracht. Kurz vor Spielbeginn rutschte auch Jordan Lotomba ins Team, weil sich Ruben Vargas beim Aufwärmen eine Muskelverletzung am Oberschenkel zugezogen hatte. Einen Gefallen tat der Nationaltrainer allen nicht.

Besonders bitter war der Abend für Gregor Kobel, der im Tor Yann Sommer vertrat und zu seinem dritten Länderspiel kam. Der Torhüter von Borussia Dortmund sah sowohl beim 0:1, als er einen Freistoss von Ronaldo nach vorne abprallen liess, als auch beim 0:4, als er gegen Torschütze João Cancelo einen Schritt zu spät kam, schlecht aus.

Portugal - Schweiz 4:0 (3:0)
Estadio Alvalade, Lissabon. - 42'325 Zuschauer. - SR Grinfeld (ISR).
Tore: 15. William Carvalho (Freistoss Ronaldo) 1:0. 35. Ronaldo (Diogo Jota) 2:0. 40. Ronaldo (Diogo Jota) 3:0. 68. Cancelo (Bernardo Silva) 4:0.
Portugal: Rui Patricio; João Cancelo, Pepe, Danilo, Nuno Mendes; Ruben Neves (77. Palhinha); Otavio (77. Leão), Bruno Fernandes (67. Bernardo Silva), William Carvalho (84. Nunes), Diogo Jota (67. Horta); Ronaldo.
Schweiz: Kobel; Mbabu, Frei, Schär, Rodriguez (62. Okafor); Sow (81. Gavranovic), Xhaka; Steffen (70. Bottani), Shaqiri (70. Freuler), Lotomba; Seferovic (62. Embolo).
Bemerkungen: Portugal ohne Ruben Dias, João Felix und Renato Sanches, Schweiz ohne Akanji, Elvedi, Vargas, Zakaria und Zuber (alle verletzt). 5. Tor von Seferovic wegen Hands aberkannt. 51. Tor von Ronaldo wegen Offside aberkannt. 38. Kopfball von Pepe an den Pfosten.
Verwarnungen: 14. Schär (Foul). 32. Bruno Fernandes (Foul), 49. Steffen (Foul), 80. Embolo (Foul). (abu/sda)

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139 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ganjaflash
05.06.2022 21:26registriert Dezember 2015
Was hat Yakin sich mit dieser Verteidigung nur gedacht?
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Raembe
05.06.2022 21:13registriert April 2014
Schär bisher eine riesen Schwächung fürs Team. Ihm den Vorzug vor Elvedi zu geben, ist in meinen Augen ein Fehler.
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Sitzplätzler
05.06.2022 21:10registriert April 2017
Ruefer schon legendär schwach. Wie kommt der auf die Idee, das sei kein Foul vor dem Freistoss der zum Tor heführt hat??🤣

"Ball war weg" ist seine Begründung...🙈
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