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Mario Gavranovic (Mitte) und seine Teamkollegen lassen sich nach der 5:2-Gala gegen Dinamo Zagreb feiern.
Mario Gavranovic (Mitte) und seine Teamkollegen lassen sich nach der 5:2-Gala gegen Dinamo Zagreb feiern.bild: markus brütsch

Happy in Rijeka – wie Mario Gavranovic in Kroatien seine Karriere neu lanciert hat

Mario Gavranovic spielt in Kroatien gross auf und hat die Hoffnung auf ein Comeback in der Nati nicht aufgegeben.
26.09.2016, 14:3426.09.2016, 15:51
Markus brütsch, rijeka / schweiz am Sonntag
Ein Artikel von Schweiz am Sonntag
Schweiz am Sonntag

Wenn Mario Gavranovic am Morgen auf seinem Balkon steht, wird ihm bewusst, wie gut er es getroffen hat. Hinter den Dächern von Rijeka glitzert das Meer tiefblau, und nur wenige Kilometer entfernt sind die Bauten des berühmten Seebades Opatija zu erkennen.

«Hier lässt sich wunderbar relaxen», lächelt Gavranovic. Der 26-Jährige sitzt nun in der Lounge des nigelnagelneuen Rujevica-Stadions und ist prächtiger Laune. Es ist Montagmittag, das kurze Regenerationstraining vorbei und Gavranovic hat Zeit, um aus seinem neuen Leben beim HNK Rijeka zu erzählen.

Blick auf die kroatische Hafenstadt Rijeka.
Blick auf die kroatische Hafenstadt Rijeka.bild: Adriaticroadtrip.com

Allerdings hätte es genügt, am Vorabend beim 5:2-Triumph über Dinamo Zagreb dabei gewesen zu sein, um zu wissen, wie es ihm geht. Als er und seine Teamkollegen am Ende einer aufwühlenden Partie von den euphorisierten Fans so frenetisch gefeiert wurden, dass es ihnen heute noch in den Ohren schallt.

«Ich bin physisch stark wie nie, kann laufen und sprinten, ohne müde zu werden.»
Mario Gavranovic

«So ist der Rekordmeister noch nie unter die Räder gekommen», sagt Gavranovic. Seit Kroatien unabhängig geworden ist, hat Dinamo 18 der 25 Meistertitel gewonnen, zuletzt 11 in Folge. Die Demütigung in Rijeka war so gross, dass Trainer Zlatko Kranjcar noch in der Kabine zurücktrat.

Die Gala eröffnet hatte Gavranovic mit einem Tor nach 17 Sekunden, dem Viertschnellsten in der kroatischen Ligageschichte. Nach einem langen Ball war der Stürmer losgesprintet, hatte die Zagreber düpiert und die Kugel ins Tor geschossen. Im neunten Saisonspiel schon zum fünften Mal.

Gavranovic trifft nach 17 Sekunden.Video: streamable

«Ich bin happy. Ich bin physisch stark wie nie. Ich kann laufen und sprinten, ohne müde zu werden.», sagt Gavranovic. «Na gut, bei Schalke unter Felix Magath war ich auch ziemlich fit.»

Von Rijeka wieder in eine grosse Liga?

Mehr als zwei Jahre sind es her, seit er sich im Training der Nationalmannschaft bei der WM 2014 in Brasilien einen Kreuzbandriss zugezogen hatte und danach aus dem Spitalbett in Zürich zusehen musste, wie die Schweiz im Achtelfinal gegen Argentinien ausschied.

«Während der Reha dachte ich immer wieder, bei der Operation müsse etwas schiefgelaufen sein und war verzweifelt», schildert Gavranovic die schwierigste Zeit seiner Laufbahn. Doch beim Comeback im März 2015 gelang ihm beim 2:2 des FC Zürich gegen Vaduz gleich ein wichtiges Tor. In der folgenden Saison, in der Sami Hyypia früh Trainer Urs Meier ablöste, gelangen ihm bis zur Winterpause noch drei Treffer.

Dann kam die Offerte des kroatischen Vizemeisters HNK Rijeka. «Die Verantwortlichen kamen nach Zürich und überzeugten mich von einem Wechsel», erzählt Gavranovic. «Ich wusste, dass aus der kroatischen Liga schon viele Fussballer den Sprung in eine europäische Spitzenliga geschafft hatten und entschied mich, ebenfalls diesen Weg zu gehen.»

Bei der schnellen Integration in Rijeka kam ihm entgegen, dass er als in Lugano geborener Sohn bosnischer Kroaten mit seinen Eltern immer kroatisch sprach. Was ihm dagegen anfänglich zu schaffen machte, waren die extrem harten Trainings unter dem Slowenen Matjaz Kek, der sein Land 2010 an die WM nach Südafrika geführt hatte. «Wir pflegen einen speziellen Stil, attackieren den Gegner schon ganz weit vorne und wollen immer den Ball haben», sagt Gavranovic. «Ich liebe das.»

Rijeka ist ein «Volltreffer»!

Obwohl Rijeka in der ganzen letzten Saison nur ein einziges Mal verlor und Gavranovic für seinen neuen Klub in der Rückrunde in 13 Einsätzen sieben Tore schoss, ging der Meistertitel einmal mehr nach Zagreb. Und aus der Ferne musste der Schweizer überdies mit ansehen, wie «sein» FC Zürich abstieg. «Das hätte ich mir nie im Leben vorstellen können», sagt Gavranovic. Er betont, dass er den Klub in einem guten Einvernehmen verlassen habe, aber einfach die Chance einer neuen Herausforderung packen wollte.

Für seine Zwischenbilanz nach neun Monaten in Rijeka gebe es nur ein Wort, sagt Gavranovic: «Volltreffer!» Auch seine Freundin Anita, eine Zürcherin mit ebenfalls kroatischen Wurzeln, fühlt sich an der Adria wohl. «Wir werden im nächsten Sommer heiraten», verrät Gavranovic. «Die Vorbereitungen für das Fest in Lugano laufen bereits auf Hochtouren.»

Gavranovic mit Freundin Anita.bild: instagram

Wer sich heute mit Gavranovic unterhält und ihn schon in früheren Jahren kennen gelernt hat, spürt, wie sehr er sich verändert hat. «Ich bin lockerer und gelassener geworden», sagt der Tessiner. Auch erwachsener? «Ja, auch erwachsener». Er habe in seiner Laufbahn Fehler gemacht, sagt Gavranovic. «Nein, nicht bloss Fehler, sogar schlimme Fehler. Aus Emotionen heraus habe ich falsch reagiert.» Zum Beispiel, als er sich in Mainz mit Trainer Thomas Tuchel zerstritt oder beim FCZ einen Assistenztrainer wüst beschimpfte.

Gavra will zurück in die Nati

Tempi passati. Gavranovic hat den Rank gefunden. Zum perfekten Glück fehlt ihm nur noch die Rückkehr in die Nationalmannschaft. Elf Mal (vier Tore) ist er bisher für diese aufgelaufen, zum letzten Mal kurz vor der WM 2014 unter Ottmar Hitzfeld gegen Peru. Die EM in Frankreich hat er in diesem Sommer mit wehem Herzen am Fernsehen verfolgt. «Wir haben ein gutes Turnier gemacht, aber im entscheidenden Moment ist wieder alles gegen uns gelaufen», sagt Gavranovic.

Haris Seferovic würde sich über eine Nati-Rückkehr von Gavranovic bestimmt freuen.
Haris Seferovic würde sich über eine Nati-Rückkehr von Gavranovic bestimmt freuen.Bild: KEYSTONE

Hat er soeben «wir» gesagt? «Ja klar. Ich habe die Hoffnung auf ein Comeback noch lange nicht aufgegeben», sagt Gavranovic. Nationalcoach Vladimir Petkovic lässt sich indes kein Statement zu Gavranovic entlocken. Sein Credo: Wer ins Team kommen will, muss reinpassen und besser sein als bisherige Spieler. Dafür genügen ein, zwei Topspiele in der österreichischen oder kroatischen Liga nicht. Erfolgt aber die Bestätigung, ist die Tür ganz weit offen.

Gavranovic wird sich weiter ins Zeug legen. Er sagt: «Ich will mit Rijeka Geschichte schreiben und Meister werden.»

Die Rekordspieler der Schweizer Nati

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quelle: epa/keystone / walter bieri
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