Mit drei Niederlagen ist die Schweiz in die aktuelle Nations-League-Kampagne gestartet, weshalb ihr erneut der Abstieg droht. Schon bei der letzten Austragung des Wettbewerbs im Jahr 2022 war die Nati mit null Punkten aus den ersten drei Partien gestartet, konnte den Abstieg durch drei Siege in den Rückspielen aber locker abwenden. Damals war es jedoch einfacher als jetzt – und die Auswirkungen eines Abstiegs in die Liga B geringer.
Ja. Die Schweiz hat zwei Möglichkeiten, um den definitiven Abstieg als Gruppenletzter abzuwenden. Einerseits könnte die Nati mit drei Siegen noch auf Platz zwei vorstossen und sich so gar für die Nations-League-Viertelfinals im nächsten Frühling qualifizieren. Dazu dürften Dänemark und Serbien aber maximal drei bzw. vier Punkte holen und müsste die Schweiz im Falle, dass die Dänen drei Zähler holen, die Direktbegegnung am Dienstagabend mit mindestens drei Toren Unterschied gewinnen.
Dass dies der Nati in der aktuellen Form tatsächlich gelingt, ist eher unwahrscheinlich. Deshalb muss das Team von Trainer Murat Yakin seine Hoffnungen wohl vor allem auf die Relegation setzen. In dieser spielen die vier Gruppendritten der Liga A in Hin- und Rückspielen gegen jeweils einen der vier Gruppenzweiten der Liga B. Die Schweiz müsste also noch Serbien oder Dänemark überholen, um sich für die Relegation zu «qualifizieren». Aktuell wären die infrage kommenden Gegner aus der zweithöchsten Liga der Nations League England, Österreich, Tschechien und Wales.
Unterliegt die Schweiz am Dienstagabend Dänemark und siegt Serbien zeitgleich gegen Spanien, wäre der direkte Abstieg hingegen besiegelt.
Einerseits – und als offensichtlicher Aspekt des Abstiegs – müsste die Schweiz in der Saison 2026/27 in der Liga B der Nations League antreten und hätte damit deutlich unattraktivere Gegner. Anstatt gegen Topnationen wie Spanien, Deutschland oder Frankreich ginge es dann gegen Länder wie Albanien, Irland oder Slowenien. Da dürften das Zuschauerinteresse und möglicherweise auch die Besucherzahlen in den Stadien deutlich geringer ausfallen. Zudem zahlt die UEFA in der Nations League B geringere Siegprämien aus.
Andererseits, und nun wird es etwas komplizierter, könnte ein Abstieg auch für die Qualifikation zur WM 2026 Konsequenzen nach sich ziehen. Die Schweiz könnte nämlich in einer schwierigeren Gruppe landen, sollte sie nicht doch noch auf Platz zwei kommen. Die Viertelfinalisten der Liga A werden für die WM-Quali in jeweils eine der sechs Vierergruppen gelost, weil sie während der ersten zwei bis vier Spieltermine noch in der Nations League antreten müssen. Die restlichen UEFA-Mitglieder könnten auch in einer der sechs Fünfergruppen landen. Ausserdem hängt die Einteilung in die Lostöpfe ebenfalls vom zur Saison 2018/19 eingeführten Wettbewerb ab.
Setzt die Nati ihre Negativserie in der Nations League fort, droht ein Fall in den Lostopf zwei, womit in der WM-Qualifikation mindestens ein Topgegner auf die Schweiz warten würde. Da nur die zwölf Gruppensieger direkt für die Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA qualifiziert sind, wäre das keine einfache Ausgangslage für das Team um Captain Granit Xhaka. Die zwölf besten Gruppenzweiten kämpfen gemeinsam mit den vier besten, noch nicht für die WM qualifizierten Teams der Nations League um die verbleibenden vier WM-Tickets.
Die 54 (oder im Falle einer Zulassung Russlands 55) UEFA-Mitgliederländer werden in fünf Lostöpfe eingeteilt. Die ersten vier Töpfe enthalten zwölf Teams, im fünften sind es sechs (mit Russland sieben) Nationen. Dabei wandern die acht Viertelfinalisten der Nations League definitiv in den ersten Topf. Die weitere Einteilung erfolgt nach der FIFA-Weltrangliste. Auf diese Weise werden auch die vier verbleibenden Plätze in Topf eins vergeben.
Derzeit hätte die Schweiz als Zehnte unter den UEFA-Mitgliedern einen davon auf sicher. Das könnte sich aber noch ändern. Zwar dürfte es bis zur Quali-Auslosung am 13. Dezember nicht mehr zu grossen Verschiebungen in der Weltrangliste kommen, doch sollten vier vor der Schweiz klassierte Nationen die Nations-League-Viertelfinals verpassen, wäre die Nati trotzdem in Lostopf zwei.
England, das sich derzeit nur in Liga B befindet, beansprucht definitiv einen der vier Weltranglistenplätze im ersten Topf. Ebenso Italien, Frankreich oder Belgien, die alle in derselben Nations-League-Gruppe – ein Land wird die Viertelfinals also definitiv verpassen – und vor der Schweiz in der Weltrangliste platziert sind. Damit die Schweiz tatsächlich im zweiten Topf landet, müssten aber noch zwei weitere Szenarien eintreffen:
Sollte nur eines der beiden Szenarien Realität werden, bestünde immer noch die Möglichkeit, dass Dänemark die Schweiz in der FIFA-Weltrangliste überholt, aber in der Nations-League-Gruppe hinter Serbien Dritter wird. Die Schweiz auf Platz zehn der europäischen Teams und Dänemark auf Platz elf trennen derzeit nur wenige Punkte.
Es müsste also vieles gegen die Schweiz laufen, damit sie wirklich in Lostopf zwei landet. Unmöglich ist es jedoch nicht – zumal es nur bedingt in der Macht von Murat Yakin und seinen Mannen liegt. Denn nur wenn die Nati sich tatsächlich noch Platz zwei in der Nations League sichert, wäre ein Verbleib im ersten Lostopf definitiv, ansonsten braucht sie Schützenhilfe.