Das muss geschehen, damit der FC Thun den Meistertitel noch verspielt
Es ist und bleibt verrückt, was sich in dieser Saison in der Super League abspielt. Der FC Thun ist drauf und dran, erstmals Meister zu werden – und das als Aufsteiger. Geschichte wird Thun damit ohnehin schreiben. Doch es ist so überlegen, dass es längst auch um Rekorde geht.
Nimmt man den Punkteschnitt als Grundlage, wird klar, wie gut die Berner Oberländer sind. Das von Mauro Lustrinelli trainierte Thun holte in dieser Saison 2,37 Punkte pro Spiel. Nur zwei Meisterteams waren seit der Liga-Reform 2003 besser: YB triumphierte 2018/19 mit 2,53 Punkten/Spiel, der FC Basel 2016/17mit 2,39 Punkten/Spiel.
Noch acht Runden sind zu absolvieren, 24 Punkte zu holen. Thuns Vorsprung auf die abgehängte Konkurrenz beträgt mittlerweile komfortable 16 Zähler. Es bräuchte nach dem Höhenflug einen monumentalen Absturz, um den Meistertitel noch zu verspielen. Schwierig vorzustellen, dass es dazu kommt, wenn ein Team seit 13 Runden ungeschlagen ist und in dieser Phase zwölf Mal gewann. Schon drei weitere Siege in den letzten acht Runden reichen in jedem Fall.
Der Blog «Football Meets Data» hat die Aussichten der Thuner berechnet. Die restliche Super-League-Saison wurde 10'000 Mal simuliert – mit dem Ergebnis, dass Thun sogar dann zu 50 Prozent Meister wird, wenn es alle acht übrigen Partien verliert. Holen die Thuner bloss noch zwei Punkte, reicht es trotzdem in 93 Prozent aller Fälle für den Titel.
Bereits erledigt ist der Fall für die Buchmacher von «Sporttip». Der einzige legale Schweizer Wettanbieter nimmt keine Wetten mehr über den Ausgang der Meisterschaft an. Beim Saisonstart hatte Thun noch eine Meisterquote von 100:1. Wer mutig war, darf sich bald freuen.
Was häufig vergessen wird, ist die Tatsache, dass auch der erste Verfolger eine gute Saison absolviert. Der FC St.Gallen hat nach 30 Runden drei Punkte mehr auf dem Konto als vor einem Jahr zu diesem Zeitpunkt der spätere Meister FC Basel.
Die Aussichten des Cup-Halbfinalisten, den ersten Meistertitel seit der legendären Meisterschaft im Jahr 2000 in die Ostschweiz zu holen, sind dennoch verschwindend klein. Weil der FC Thun zwei Klassen besser als alle anderen ist, eine Saison für die Geschichtsbücher absolviert und, wenn alles für ihn läuft, bereits am Oster-Wochenende den sensationellen Meistertitel feiern kann.
