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So sieht die Homepage der Super League aus. bild: thesuperleague.com

3-minütige Wutrede – Gary Neville spricht aus, was viele über die neue Super League denken



Steht dem europäischen Klub-Fussball eine Revolution bevor? Einen Tag vor der Bekanntgabe der Aufstockung der Champions League von 32 auf 36 Teams auf die Saison 2024/25 hin haben zwölf europäische Top-Klubs die Einigung über die Gründung einer Super League bekannt gegeben.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören die sechs englischen Spitzenteams FC Liverpool, Manchester United, Manchester City, Tottenham, Arsenal und Chelsea, die spanischen Topteams Real Madrid, Barcelona und Atlético Madrid sowie Juventus Turin, Inter Mailand und die AC Milan aus Italien. Drei weitere Vereine sollen noch vor der ersten Saison, «die so bald wie möglich beginnen soll», dazustossen.

Es ist klar, wer gemeint ist: Die deutschen Klubs Bayern München und Borussia Dortmund sowie der französische Serienmeister Paris St-Germain. Diese drei Teams konnten sich (noch) nicht zu einer definitiven Zusage durchringen. Für die deutschen Klubs, die sich nicht zu den Super-League-Plänen geäussert haben, ist die heimische Bundesliga wohl noch zu wichtig, als dass sie Fans vergraulen wollen. Bei PSG könnte der Grund sein, dass Klubbesitzer Nasser Al-Khelaifi gleichzeitig Besitzer des katarischen TV-Senders «Bein Sports» ist, der Rechte für die Champions League besitzt und diesen Vertrag nicht gefährden will.

Neben den 15 Gründungsmitgliedern werden sich pro Saison zusätzlich fünf weitere Teams qualifizieren können. Wie ist allerdings noch unklar.

epa08763572 Karl-Heinz Rummenigge, CEO of FC Bayern Munich, looks on prior to the UEFA Champions League Group A stage match between FC Bayern and Atletico Madrid at Allianz Arena in Munich, Germany, 21 October 2020.  EPA/Alexander Hassenstein / POOL

Vorest nicht dabei: Bayern München, Borussia Dortmund und Paris St-Germain. Bild: keystone

Natürlich geht es bei der neuen Super League vor allem ums Geld: Die Gründungsvereine sollen als Startkapital eine einmalige Zahlung von rund 3,5 Milliarden Euro erhalten. Danach soll es pro Saison allein eine Startprämie von rund 100 Millionen Euro pro Klub geben, bei erfolgreichem Abschneiden sogar noch deutlich mehr. Das Prinzip ist einfach: In der Super League gibt es mehr Geld, das auf weniger Klubs aufzuteilen ist.

Während die Super-League-Gründer ihre guten Absichten für den Fussball beteuern, stellen sich die UEFA, die FIFA, die ECA (European Club Association) und die nationalen Verbände mit Vehemenz gegen die Super-League-Pläne. Und auch viele Fussball-Legenden sind dem Zusammenschluss der 12 Topklubs gegenüber mehr als kritisch eingestellt.

Das sagen Exponenten der Super League:

Juve-Boss Andrea Agnelli, neuer stellvertretender Vorsitzender der Super League, sagte:

«Wir haben uns in diesem kritischen Moment zusammengetan, um den europäischen Wettbewerb zu verändern, das Spiel, das wir lieben, auf eine nachhaltige Grundlage für die langfristige Zukunft zu stellen.»

Real-Präsident Florentino Perez legte wie folgt nach:

«Wir werden dem Fussball auf allen Ebenen helfen und ihm seinen rechtmässigen Platz in der Welt verschaffen. Fussball ist die einzige globale Sportart der Welt mit mehr als vier Milliarden Fans und unsere Verantwortung als grosse Klubs ist es, auf ihre Wünsche einzugehen.»

Mg Madrid (Spagna) 13/05/2015 - Champions League / Real Madrid-Juventus Turin /  : Andrea Agnelli-Florentino Perez PUBLICATIONxNOTxINxITA

MG Madrid Spagna 13 05 2015 Champions League Real Madrid Juventus Turin Andrea Agnelli Florentino Perez PUBLICATIONxNOTxINxITA

Real-Präsident Florentino Perez (l.) und Juve-Boss Andrea Agnelli. Bild: imago sportfotodienst

Joe Glazer von Manchester United, ebenfalls neuer stellvertretender Vorsitzender, meinte:

«Durch die Zusammenführung der weltbesten Vereine und Spieler wird die Super League ein neues Kapitel für den europäischen Fussball aufschlagen, ein Weltklasse-Wettbewerb wird damit sichergestellt und finanzielle Unterstützung für die breitere Fussball-Pyramide erhöht.»

UEFA

Die UEFA reagierte am Sonntagnachmittag auf die Pläne der 12 Super-League-Klubs: «Wir haben erfahren, dass einige englische, spanische und italienische Klubs planen, die Gründung einer geschlossenen, sogenannten Super League öffentlich zu machen», heisst es in einem Statement, an dem sich auch die drei betroffenen Landesverbände sowie Premier League, La Liga und Serie A beteiligen. In seiner Mitteilung kündigte die UEFA weiter an:

«Wir werden gemeinsam daran arbeiten, dieses zynische Projekt zu stoppen. Ein Projekt, das auf dem Eigeninteresse einiger weniger Klubs basiert – in einer Zeit, in der die Gesellschaft mehr Solidarität denn je benötigt. Wir werden alle sportlichen und rechtlichen Schritte prüfen, die uns zur Verfügung stehen, um dies zu verhindern»

Dazu gehöre auch die Verbannung der beteiligten Klubs von den eigenen Wettkämpfen. Es wäre ihnen laut UEFA-Mitteilung «untersagt, an anderen Wettbewerben auf nationaler, europäischer oder weltweiter Ebene teilzunehmen und ihren Spielern könnte die Möglichkeit verweigert werden, ihre Nationalmannschaften zu vertreten.»

FIFA

Auch die FIFA meldete sich bereits zu Wort. In einer Stellungnahme schrieb der Fussball-Weltverband:

«Aus unserer Sicht und in Übereinstimmung mit unseren Statuten, sollte jeder Wettbewerb im Fussball, egal ob national, regional oder global die Grundprinzipien Solidarität, Inklusivität, Integrität und gleichberechtigte finanzielle Umverteilung widerspiegeln.»

Schon im Januar hatte sich die FIFA in die Diskussion eingeschaltet. Ein derartiger Wettbewerb werde nicht anerkannt, verkündete der Weltverband damals: «Vereine oder Spieler, die an einem solchen Wettbewerb teilnehmen würden, dürften folglich an keinem von der FIFA oder der jeweiligen Konföderation organisierten Wettbewerb teilnehmen.»

Sprich: Für die Spieler von Super-League-Klubs wären Welt- und Europameisterschaften künftig tabu.

ECA

Die einflussreiche Klubvereinigung ECA, die 246 europäische Vereine vertritt, betonte noch am Sonntagabend, dass sie weiter «gemeinsam mit der UEFA an der Entwicklung der europäischen Vereins-Wettbewerbe für den Zyklus ab 2024» arbeiten wolle, «einschliesslich der vorgeschlagenen Änderungen der UEFA-Klub-Wettbewerbe». Das Modell «einer geschlossenen Super League würde von der ECA stark abgelehnt werden».

Präsident der ECA war bis heute Juve-Boss Andrea Agnelli. Wie «Sky» berichtet, ist er heute allerdings von seinem Posten zurückgetreten. Juventus Turin, Inter, die AC Milan und Manchester United seien zudem aus der ECA ausgetreten.

Sonstige Reaktionen:

Gary Neville:

Der langjährige Spieler von Manchester United und heutige Sky-Experte tat gestern mit Nachdruck seine Abneigung gegen die Super-League-Pläne kund.

«Ich bin seit 40 Jahren Fan von Manchester United, aber jetzt bin ich absolut angewidert. Diese sechs Premier-League-Klubs hauen in eine Liga ohne Wettbewerb ab, aus der sie nicht absteigen können? Es ist eine absolute Schande.

Ich habe nichts gegen Neuerungen im Fussball, aber diese Bemühungen mitten in der Corona-Zeit zu bringen, mitten in dieser Wirtschaftskrise, die es für jeden Klub gibt – das ist ein absoluter Skandal. Es ist reine Gier, sie sind Betrüger. Die Eigentümer von Manchester United, Liverpool, Chelsea und Manchester City haben nichts mit Fussball in diesem Land zu tun.

In welcher Welt leben diese Leute eigentlich, wenn sie denken, sie können dies zu diesem Zeitpunkt durchziehen? Ich bin keineswegs gegen Geld im Fussball, aber die Prinzipien und die Ethik sind die eines fairen Wettbewerbs. Setzt diese Klubs an das Ende der Tabelle, nehmt ihnen alle Punkte weg und auch das Geld. Das ist kriminell. Ein krimineller Akt gegen Fussballfans in diesem Land.

Ganz ehrlich, die Zeit ist jetzt reif für einen unabhängigen Regulator, um diese Klubs an ihrer Machtbasis zu stoppen. Genug ist genug!»

Sir Alex Ferguson:

«Eine mögliche Super League wäre eine Abkehr von 70 Jahren europäischem Klubfussball. Während meiner Zeit bei United haben wir vier Champions-League-Finals gespielt, das waren immer ganz besondere Abende. Fans auf der ganzen Welt lieben den Wettbewerb, wie er ist.»

epa08544190 Former Manchester United's manager Alex Ferguson during the English Premier League match between Manchester United and Southampton FC in Manchester, Britain, 13 July 2020.  EPA/Clive Brunskill/NMC/Pool EDITORIAL USE ONLY. No use with unauthorized audio, video, data, fixture lists, club/league logos or 'live' services. Online in-match use limited to 120 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications.

Sir Alex Ferugson liebt die Champions League, wie sie ist. Bild: keystone

Gary Lineker:

«Ich spüre, dass diese Super-League-Verschwörung auf ihrem absurden und habgierigen Arsch sterben wird.»

Boris Johnson:

«Pläne für eine europäische Super League wären sehr schädlich für den Fussball, und wir unterstützen die Fussballverbände dabei, Massnahmen zu ergreifen. Sie würden das Herz des heimischen Fussballs treffen und die Fans im ganzen Land beunruhigen. Die beteiligten Vereine müssen sich vor ihren Fans und der gesamten Fussballgemeinschaft verantworten, bevor sie weitere Schritte unternehmen.»

Spartak Moskau:

Der russische Topklubs würde die abwandernden Fans der Super-League-Mitstreiter gerne übernehmen.

FC Lugano:

Auch der FC Lugano nimmt die Super-League-Gründung mit Humor.

«Sehr geehrte Gründungsmitglieder der SuperLeague, wir prüfen Ihren Vorschlag zur Teilnahme an diesem neuen Wettbewerb sorgfältig. Trotz einiger Zweifel an dem Projekt werden wir Ihnen in den kommenden Tagen eine endgültige Antwort geben.»

Marc Janko:

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