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Nations League: Darum war Mbappés 2:1 gegen Spanien kein Abseits

Kylian Mbappé Nations League Frankreich - Spanien
Kylian Mbappé steht beim Pass von Theo Hernandez im Abseits, doch das ist nicht entscheidend.bild: screenshot m6direct

Korrekte Regelauslegung – darum stand Mbappé beim Siegtor gegen Spanien nicht im Abseits

Dank eines späten Treffers von Kylian Mbappé hat Frankreich die zweite Austragung der Nations League gewonnen. Das 2:1-Siegtor in der 80. Minute sorgte allerdings für hitzige Diskussionen – zu Unrecht, wie ein Blick ins Regelbuch zeigt.
11.10.2021, 08:3621.10.2021, 14:22

Der Nations-League-Final zwischen Spanien und Frankreich war lange eine ziemlich zähe Angelegenheit, doch nach der Pause nahm das Duell im Mailänder San Siro plötzlich Fahrt auf – und zum Schluss wurde es gar noch ziemlich dramatisch.

In der 80. Minute schickte Theo Hernandez seinen Teamkollegen Kylian Mbappé beim Stand von 1:1 mit einem von Eric Garcia abgefälschten Pass in die Tiefe. Der pfeilschnelle PSG-Stürmer konnte alleine auf Spanien-Keeper Unai Simon ziehen und nach einem gekonnten Übersteiger schliesslich eiskalt zum 2:1-Siegtreffer einschieben.

Aber war der Treffer wirklich korrekt? In der Wiederholung war klar zu sehen, dass Mbappé beim Pass von Hernandez im Abseits stand. Doch Schiedsrichter Anthony Taylor gab den Treffer und auch der VAR schritt nicht ein. Damit lagen die Unparteiischen goldrichtig.

Mbappé startete zwar aus einer Abseitsposition, doch das spielte in diesem Fall keine Rolle, weil er den Ball nicht direkt von Hernandez bekam. Spaniens Innenverteidiger Eric Garcia grätschte ja noch zum Ball und spielte diesen absichtlich. Durch dieses sogenannte «Deliberate Play» wird das Abseits gemäss der Regel 11 des regelbestimmenden IFAB (International Board of Football) von Mbappé aufgehoben.

Der entsprechende Passus in Regel 11:

Ein Spieler verschafft sich keinen Vorteil aus seiner Abseitsstellung, wenn er den Ball von einem gegnerischen Spieler erhält, der den Ball absichtlich spielt (auch per absichtlichem Handspiel), es sei denn, es handelt sich dabei um eine absichtliche Torverhinderungsaktion eines gegnerischen Spielers.
quelle: ifab

Abseits wäre es gewesen, wenn Mbappé Garcia bei der Grätsche beeinflusst oder er eine Aktion zum Ball unternommen hätte. Doch beim Zeitpunkt des Abspiels war Mbappé weder nah bei Garcia noch nah beim Ball. Für Spanien bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Hätte Garcia nicht zur Grätsche angesetzt und wäre einfach stehen geblieben, wäre Mbappé im Abseits gestanden und der 2:1-Siegtreffer hätte nicht gezählt.

Die kompletten Highlights des Nations-League-Finals.Video: YouTube/DAZN Länderspiele

«Der Schiedsrichter hat uns gesagt, dass Eric den Ball spielen wollte und damit das Abseits aufhebt. Aber er wollte den Ball spielen, den Mbappé erreicht hätte, der im Abseits stand. Das ergibt keinen Sinn», fasste Spaniens Mittelfeldmotor Sergio Busquets nach der Partie passend zusammen.

Sein Teamkollege Mikel Oyarzabal klagte gar das IFAB an: «Jeder von uns, der Fussball spielt, weiss, dass es Abseits ist. Wer auch immer diese Regel aufgestellt hat, hat keinen Fussball gespielt und weiss nicht, was vor sich geht.»

Einen ähnlichen Fall wie jetzt im Nations-League-Final gab es im März auch in der Super League. Bei der 1:2-Niederlage des FC Basel bei Servette berührte FCB-Verteidiger Gonçalo Cardoso den Ball bei einer Flanke in den Strafraum nur leicht mit dem Kopf, was zum Leidwesen des damaligen Basel-Trainers Ciriaco Sforza bereits als «Deliberate Play» galt. «Mit den neuen Regeln im Fussball ist das nun nicht mehr Abseits, wenn einer zuvor den Ball mit den Haarspitzen berührt hat», polterte Sforza damals und sprach wohl so manchem Fussball-Fan aus dem Herzen.

Die besagte Szene beginnt bei 4:52 Minuten.Video: YouTube/SRF Sport

Die Regel ist übrigens nicht neu, sie existiert bereits seit 2013. Durch die überarbeitete Offside-Auslegung wollte das IFAB damals die Offensive bewusst begünstigen. Es sollten schlicht mehr Tore fallen.

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