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Super League: YB kassiert Pleite in Thun – Fassnacht und Seoane rätseln

Christian Fassnacht (YB), links, und Gregory Wuethrich (YB) trauern einer Chnce nach im Fussball Meisterschaftsspiel der Swiss Super League zwischen FC Thun, FCT, und BSC Young Boys, YB, vom Sonntag,  ...
Christian Fassnacht und YB erleben eine neuerliche Enttäuschung.Bild: KEYSTONE

«Gemütslage? Beschissen!» – neues Jahr, alte YB-Probleme

Die Young Boys kassieren in Thun die nächste Klatsche und verlieren erstmals vier Super-League-Spiele in Folge. Christian Fassnacht und Gerardo Seoane suchen nach Erklärungen.
26.01.2026, 10:3226.01.2026, 10:32

Christian Fassnacht wird nach der 1:4-Pleite der Berner Young Boys gegen Kantonsrivale und Leader Thun deutlich. «Die Gemütslage? Beschissen, wenn ich das so sagen darf», sagt der YB-Stürmer kurz nach dem Schlusspfiff ins SRF-Mikrofon.

Der Grund für Fassnachts Frust: YB spielt gegen Thun eine ordentliche erste Halbzeit. Doch direkt nach dem Seitenwechsel schiesst Kastriot Imeri das Führungstor für Thun. Wenig später doppelt Mattias Käit nach und in der 62. Minute macht Elmin Rastoder mit dem 3:0 für die Berner Oberländer den YB-Horrorstart in die zweite Halbzeit perfekt.

Zwar reagieren die Stadtberner sofort. Alan Virginius bringt mit seinem Jokertor zum 1:3 noch etwas Hoffnung zurück. Doch der grosse YB-Aufschwung bleibt aus. Das alte Bild bei den Young Boys bleibt auch im neuen Jahr das Gleiche: Mit Rückschlägen in einem Spiel können sie kaum umgehen. Oft fällt die Mannschaft nach einem Gegentor auseinander.

«Wenn du in einer Negativspirale steckst, sind solche Rückschläge schwer zu verarbeiten», sucht Fassnacht nach einer Erklärung. Es bestehe schon die ganze Saison ein mentales Problem, sagt der 32-Jährige. Fassnacht führt aus: «Wenn eine Unsicherheit da ist, ist es schwierig, dagegen anzukämpfen. Von aussen wirkt das vielleicht lethargisch, aber wir wollen, versuchen und geben nicht auf.» Aber es sei nicht einfach, positiv zu bleiben und es immer wieder zu versuchen.

Die grosse Schwachstelle im Berner Spiel bleibt die Verteidigung. Mit den vier Gegentreffern in Thun hat YB diese Saison in 21 Spielen bereits 45 Gegentore kassiert – letzte Saison waren es nach 38 Spielen 49 kassierte Tore. Nur Schlusslicht Winterthur ist in dieser Saison defensiv noch schwächer. «Wir haben viele Eigenfehler begangen und es fehlte die Konsequenz beim Verteidigen», analysierte Trainer Gerardo Seoane die Probleme nach der Pause in Thun.

Tatsächlich waren die Unterschiede zwischen dem Verteidigungseinsatz von Thun und YB in diesem Spiel offensichtlich. Die Berner Oberländer warfen sich mit einer Konsequenz und Demut in die Schüsse und Duelle, die man bei den Young Boys insbesondere nach der Pause vermisste. Beim ersten Thuner Tor wurde Imeri sträflich allein gelassen. Beim 2:0 traf Käit gleich durch drei YB-Beine hindurch, weil die Stadtberner nach einer tollen Parade von Goalie Marvin Keller erneut zu passiv agierten und den Abschluss des Thuners nicht blockieren konnten.

Fassnacht betont: «Verteidigung betrifft nicht nur die Abwehr, das geht die ganze Mannschaft an. Vor dem 3:0 habe ich auch noch einen Ballverlust, der zum Gegentor führt.» Aber es sei natürlich klar, dass man nur gewinnen könne, wenn man defensiv stabil stehe und das fehle YB momentan komplett.

So legen die Young Boys derzeit eine fast schon historische Niederlagenserie hin. Mit den beiden Pleiten gegen GC und Lugano vor der Winterpause und den Niederlagen gegen Lausanne und nun Thun nach dem Jahreswechsel hat YB erstmals seit Gründung der Super League (2003) vier Ligaspiele in Folge verloren.

«Jeder bei uns ist enttäuscht, angefressen, frustriert, welche negativen Worte man auch brauchen möchte», sagt Seoane. Doch wie will man aus der Negativspirale finden? «Wir können uns nur über harte Arbeit verbessern. Wir müssen die Bereitschaft haben, zu lernen und Dinge zu verändern – übers Training und über den Kopf», erklärt der Trainer.

Helfen würde sicher auch ein positives Erlebnis. Am Donnerstag reist YB für das letzte Ligaspiel in der Europa League zum VfB Stuttgart, wo es ohne Druck aufspielen kann. Am nächsten Sonntag steht dann ein Heimspiel gegen den FC Zürich auf dem Programm – spätestens dann muss wieder ein Berner Sieg her.

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