«Die Entwicklung geht in die falsche Richtung» – Basel-Trainer Magnin vor Duell mit FCZ
«Sie sind ein sehr netter Mensch», sagt Ludovic Magnin, als er kurz vor Mitternacht an der Pressekonferenz in Salzburg von einem österreichischen Reporter gefragt wird, ob es ihn immerhin positiv stimme, dass der FC Basel nach dem 1:3 noch nicht ausgeschieden ist. «Danke, dass Sie nach so einem Abend eine positive Frage stellen. Aber heute sind meine Gedanken nur bei der Leistung meines Teams und nicht bei Eventualitäten. Wenn du so spielst, wie gegen Salzburg, hast du es sicher nicht verdient, in die Playoffs zu kommen.»
Magnins Blick ging am Donnerstagabend schon nach zwanzig Minuten zur Matchuhr auf den Videoscreens. «Wir haben viele Angriffe von Salzburg mit Fehlpässen eingeleitet. Dabei wussten wir, was uns erwartet und wussten, dass Ballverluste im Mittelfeld gefährlich sind. Ich hoffte, dass bald Pause ist, um etwas ändern zu können.»
Shaqiri zur Schonung ausgewechselt
Während der desolaten ersten Halbzeit mit nur 32 Prozent Ballbesitz, 33 Fehlpässen und einem einzigen harmlosen Abschluss wollte der Trainer nicht taktisch oder personell eingreifen. «Ich wollte nicht noch mehr Unsicherheit reinbringen und es in der Pause sauber klären», so Magnin. Für Captain Xherdan Shaqiri hatte er in den zweiten 45 Minuten keinen Platz mehr. «Ich habe ihn auch in Hinblick auf das wichtige Spiel von Sonntag gegen Zürich rausgenommen», sagt Magnin.
Auch nach der herben Enttäuschung von Salzburg trägt der FCB-Trainer das Herz auf der Zunge: «Wir müssen über unsere Leistung, unseren Hunger und unsere Einstellung diskutieren.» Schon am Sonntag (16.30 Uhr) im Letzigrund gegen den FCZ steht der Klassiker der Wahrheit an. Beide Teams befinden sich in der Krise und nur der Sieger des Duells der Erzrivalen kann einen Schritt aus selbiger machen.
«Werde mich nicht verstecken»
Auf die Frage, ob das FCZ-Spiel für Magnin ein Endspiel um seinen Job sei, antwortet der Trainer: «Ich bin die falsche Person, um diese Frage zu beantworten. Aber ich werde mich nicht verstecken und stelle mich meiner Verantwortung: Momentan macht unser gemeinsames Abenteuer weniger Spass. Aber wir geben alles, damit wir am Sonntag ein anderes Gesicht zeigen», so Magnin, der auch in Salzburg den Schalk nicht verloren hat: «Das sollte nicht so schwierig sein.»
Doch die Krise, in der sich der FCB aktuell befindet, wird von Spiel zu Spiel vielschichtiger. Während im Spätherbst vor allem die Effizienz ein Problem war, funktionierte gegen Sion und auch gegen Salzburg die komplette Offensivmaschinerie nicht mehr.
Da ist es auch nicht förderlich, dass Philip Otele aufgrund eines anstehenden Transfers nicht mehr spielt und möglicherweise auch in Bénie Traorés Kopf andere Gedanken als rotblaue herumschwirren. Denn der Ivorer kommt aktuell nicht im Ansatz an die Form früherer Tage heran. Wenn dann auch von den Ergänzungsspielern Marin Soticek, Junior Zé oder Jeremy Agbonifo keiner in die Bresche springt, erlahmt das Basler Offensivspiel, dem nach wie vor auch ein Knipser fehlt, total.
Verletzte Leistungsträger sind nicht zu ersetzen
Am Donnerstagabend war auch zu erkennen, dass der FCB nicht in der Lage ist, Leistungsträger wie Metinho oder Keigo Tsunemoto zu ersetzen. Sowohl im Mittelfeldzentrum als auch hinten rechts klafften gegen Salzburg grosse Lücken. Dazu kamen individuelle Fehler von Flavius Daniliuc und Dominik Schmid, die das Team eigentlich führen sollten.
Daniliuc sagt: «Die erste Halbzeit war ein Totalausfall, das ist unerklärlich. Es fängt an mit dem Fehlpass von mir und dann finden wir taktisch, mental und physisch keine Antworten auf das Salzburger Pressing mehr.» Auch Magnin hat erkannt: «Uns fehlt es momentan an Selbstvertrauen und Selbstverständnis. Aber vor allem hat mir die Liebe zum Fussball gefehlt.»
Der angezählte Trainer gibt zu bedenken: «In schwierigen Phasen sind viele Dinge nicht mehr selbstverständlich.» In solchen Momenten will Magnin aber keine Alibis vorbringen. Er sagt: «Seit November geht die Entwicklung nicht in die richtige Richtung. Da müssen wir nichts schönreden. Es gilt, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Nach so einer Halbzeit muss ich mich auch als Trainer hinterfragen und andere Hebel finden, damit die Mannschaft einen Erweckungsmoment erhält.»
Titelverteidigung auf der Kippe
Magnin sagt selbst: «Wir befinden uns momentan auf der Rasierklinge. Es kann in beide Richtungen kippen. Doch wir zusammen da rauskommen, kann wieder etwas zusammenwachsen. So ist das Leben.» Diese Worte klingen mit etwas Abstand fast schon nach einer Bewerbung, um noch etwas länger im Amt bleiben zu dürfen.
Im Gegensatz zu Magnin findet Vize-Captain Dominik Schmid trotz «unendlich vieler Mängel» auch noch etwas Positives: «Der einzige Trost ist die gewonnene zweite Halbzeit und unsere grossartigen Fans. Denen schulden wir nun einen Sieg im Klassiker gegen Zürich.»
Bei zehn Punkten Rückstand auf Thun bleibt dem FCB auch gar nichts anderes möglich, wenn er nicht sein Saisonziel Titelverteidigung schon früh aus den Augen verlieren will.
