Die Vorbereitung für die EM-Endrunde im Pre-Camp kann noch so gut sein. Das Basis-Camp ist entscheidend. In diesem weilen die Schweizer seit Montag in Stuttgart, wo sie sich für die Aufgaben gegen Ungarn, Schottland und Deutschland den finalen Schliff holen. Der wird nun aber von einem Störfeuer begleitet, für das die Nati für einmal – im Gegensatz zu früheren mit blondierten Haaren oder Doppeladler – nichts kann.
Der Rasen im Stadion an der Waldau ist schlecht. Das Problem ist Uefa-Zone, weil sie die Hoheit über die Plätze hat, samt eigenen Experten. Doch wie konnte das passieren? In Anwesenheit eines Spezialisten des Schweizer Fussballverbands (SFV) ist vor wenigen Wochen alles umgepflügt worden, es sah aus wie auf einer Baustelle. Ehe erst am vergangenen Dienstag der mit einer dickeren Erdschicht gezüchtete Rollrasen (um ein Rutschen zu verhindern) eingesetzt wurde. Zu spät, wie sich nun zeigt.
Herzlichen Dank an die 3800 Fans für den grossartigen Empfang in Stuttgart 😍🇨🇭#natimiteuch #lanatiavecvous #lanaticonvoi #lanaticunvus #EURO2024 pic.twitter.com/65R5sO35wn
— 🇨🇭 Nati (@nati_sfv_asf) June 11, 2024
Die Rasenbahnen des holländischen Herstellers sind von ungenügender Qualität, auch von anderen Nationen gibt es Reklamationen. Dazu kam das schlechte Wetter. In der Summe wuchs alles unsauber zusammen und jetzt sind Unebenheiten da. Deshalb hat der SFV einen offiziellen Protestbrief an die Adresse der Uefa geschrieben. Immerhin soll die Verletzungsgefahr nicht erhöht sein. Und doch ist es eine Affäre, die die Schweizer Nati ganz schön auf Trab hält.
Am Montagabend gab es Krisensitzungen mit Vertretern des europäischen Verbands, der die Schuld auf sich nimmt. Rund um die Uhr, auch nachts, wird nun mit Walzen und Stechgeräten ausgebessert. Die Arbeiten sollen erste Früchte tragen, heisst es. Dennoch sucht der SFV seit Samstag und Bekanntwerden des Problems Alternativen in Stuttgart.
Der nahe gelegene ADM-Sportpark, der Trainingsplatz der Kickers, kann keine sein, da er nicht in einem Topzustand ist. Die MHP-Arena, die Heimstätte des VfB, ist gesperrt für die EM-Partien. Bleibt nur der Trainingsplatz des VfB, doch es gibt Zweifel. Erstens wurde der an sich gute Rasen in der Saisonpause mit Sand behandelt und ist deshalb viel zu hart – auch daran wird intensiv gearbeitet.
Zweitens würde die Nati mit Hin- und Rückfahrt mindestens eine Stunde benötigen. Wenn nicht mehr. Vor allem ist das Stadion an der Waldau für die Schweiz hergerichtet worden. Der Presseraum zum Beispiel ist jetzt zum Gym umfunktioniert, ebenfalls sind die Regenerations- und Warm-up-Möglichkeiten längst installiert. Ganz zu schweigen von der Distanz zum Waldhotel: Der Fussmarsch von der Teambasis dauert fünf Minuten.
Adrian Arnold, der SFV-Mediensprecher, sagt: «Wir wollen hier eigentlich weiter trainieren. Letztlich werden wir von Tag zu Tag, ob wir hierbleiben – oder dislozieren.» Zumal die Profis sich gewohnt sind, dass Trainingsuntergründe perfekt sind. Doch es gilt nun, den Fokus zu bewahren. Das war auch das Resultat des Mannschaftsrat-Meetings (Xhaka, Sommer, Akanji, Freuler, Zakaria, Shaqiri), der zwar nicht zufrieden mit der Situation ist, sich jedoch auf die tägliche Arbeit konzentrieren wolle.
Remo Freuler sagt: «Es wäre sonst alles gut, aber das ist nicht optimal. Auch ist das Feld nicht ganz gerade. Das sind kleine Dinge, die wir hoffentlich in den nächsten Tagen lösen können. Schade, dass man an einem solchen Turnier nicht einen besseren Rasen hinstellen kann. Machen wir das Beste daraus.» Sowieso – als Ausrede darf das Grün niemals herhalten, dann schon eher folgendes Motto: Lieber im Wortsinn schlecht trainiert, dafür aber gut gespielt.
(aargauerzeitung)