Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Barcelona's Jeremy Guillemenot from Switzerland, reacts during the UEFA Youth League semi-final match between FC Barcelona from Spain and FC Salzburg from Austria, at the stadium Colovray Sports Centre, in Nyon, Switzerland, Friday, April 21, 2017. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Jérémy Guillemenot fühlt sich wohl bei Barcelona: Heimweh verspüre er nie. Bild: KEYSTONE

Jérémy Guillemenot: Der Schweizer, der bei Barça durchstarten will

Im Januar 2016 durfte Jérémy Guillemenot eine Woche lang beim FC Barcelona vorspielen. Kurz darauf erhielt er das Angebot, in die berühmte Jugendakademie La Masia einzutreten. Seither träumt der ehemalige Servette-Spieler von der grossen Karriere und sagt: «Ich bin dabei, einen Traum zu leben.»

Markus Brütsch / Nordwestschweiz



Der Maulkorb ist weg. Jérémy Guillemenot darf sprechen. Berichten, wie es war, sein erstes Jahr beim grossen FC Barcelona. Am Montag ist er zum kurzen Vorbereitungscamp in Wetzikon eingerückt, heute Nachmittag spielt er mit der Schweizer U19-Nati in Rapperswil gegen Liechtenstein. «Wir haben zwar eine lange Saison in den Beinen. Aber Fussball spiele ich immer gerne, und es ist etwas Besonderes, für mein Land anzutreten», sagt Guillemenot. «Natürlich muss ich meinen Kumpels hier auch ganz viel über Barcelona, den grössten Klub der Welt, erzählen.»

Vor zwei Monaten, beim Youth Cup in Nyon, da hatte ihm sein Klub noch verboten, mit der Presse zu reden. Nachwuchsspieler dürften keine Interviews geben, hiess es. Natürlich, mit der Familie und den vielen Freunden, die extra gekommen waren, um ihren Jérémy im berühmten Barça-Trikot zu sehen, durfte er hinterher schon plaudern. «Es war unglaublich, wie viele ein Selfie machen wollten», sagt der 19-Jährige lachend.

Genf, 22.05.2015, Fussball Challenge League, Servette FC - FC Schaffhausen, Schaffhausens Raphael Mollet gegen Genfs Jeremy Guillemenot (Pascal Muller/EQ Images)

Als 17-Jähriger spielte Guillemenot noch für Servette in der Challenge League. Bild: EQ Images

Allerdings: Im Einsatz war Guillemenot beim verlorenen Youth-League-Halbfinal gegen Salzburg nur für ein paar Minuten gewesen. Ausgerechnet vor diesem Saisonhöhepunkt − in der Gruppenphase war er mit drei Toren erfolgreich − hatte er sich verletzt und kaum trainiert. «Klar war ich enttäuscht», sagt Guillemenot.

Eine Woche im Probetraining

Wie auch am letzten Samstag, als er in der Copa del Rey beim 5:3 über Villarreal zwar Torschütze war, mit Barças Juvenil A aber nach dem 0:3 im Hinspiel ausschied. Dabei hatte ihm Villarreal bisher ja Glück gebracht. Mit Servette waren ihm in der Youth League gegen diesen Gegner nämlich zwei Tore gelungen, was das Interesse des FC Barcelona geweckt hatte. Im Januar 2016 durfte er dann während einer Woche vorspielen, schoss in einem Testspiel ein paar Tore und erhielt das Angebot, in die berühmte Jugendakademie La Masia einzutreten. Dort, wo einst auch die Weltstars Messi, Iniesta und Xavi ausgebildet worden waren.

abspielen

Das Rückspiel des Copa-del-Rey-Duells mit Villarreal, das Barcelona 5:3 gewann. Video: YouTube/FC Barcelona

Natürlich konnten Jérémy und seine Eltern nicht Nein sagen. Und so zog Guillemenot nach drei Challenge-League-Einsätzen für Servette und 22 Partien in der Promotion League im letzten Sommer von Genf nach Barcelona.

Begleitet von gemischten Gefühlen des Schweizer U19-Nationaltrainers Gérard Castella. Dieser sagt: «Ich finde den Shaqiri- oder Xhaka-Weg besser. Die Jungen sollten sich zuerst in der Super League durchsetzen und erst dann ins Ausland wechseln. Aber ich verstehe, dass man eine Barça-Offerte nicht ablehnen kann.»

«Weshalb soll ich nicht daran glauben?»

Jetzt sitzt Guillemenot nach dem Mittagessen in der Lobby des Teamhotels in Wetzikon und blickt auf seine erste Saison in Katalonien zurück. «Ich bin dabei, einen Traum zu leben», sagt Guillemenot. «Im Fussball ist vieles möglich. Weshalb soll ich nicht daran glauben, einmal für die erste Mannschaft zu spielen?» Bisher hält sich der Kontakt zu den Topstars indes in Grenzen. «Zu den Auswärtsspielen in der Champions League sind wir aber zusammen geflogen. Da konnte ich mit Neymar und Umtiti sprechen», sagt Guillemenot. «Mit Rakitic aber noch nicht.»

Ganze acht Minuten hatte der Sohn eines Franzosen und einer Portugiesin nach seiner Ankunft gebraucht, um sein erstes Tor zu erzielen. Er habe sich dann rasch integriert, komme mittlerweile mit der katalanischen Sprache klar und habe nie Heimweh verspürt. Guillemenot sagt, er sei schon extrem stolz, für diesen Verein aufzulaufen, berichtet aber ganz sachlich von einem Jahr mit Hochs und Tiefs. «Doch unter dem Strich überwiegt das Positive», sagt der 1,82 Meter grosse Mittelstürmer. «Ich habe unter Gabri (Trainer von Barças Juvenil A, Anm.d.Red.) viele Fortschritte gemacht», sagt Guillemenot, der in einer eigenen Wohnung gleich neben La Masia lebt.

Barcelona's Jeremy Guillemenot from Switzerland, reacts during the UEFA Youth League semi-final match between FC Barcelona from Spain and FC Salzburg from Austria, at the stadium Colovray Sports Centre, in Nyon, Switzerland, Friday, April 21, 2017. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Guillemenot trägt das Barça-Trikot mit Stolz. Bild: KEYSTONE

Der Arbeitstag beginne jeweils um 8.30 mit dem gemeinsamen Frühstück und dauere mit Trainings und Theorielektionen bis in den Nachmittag hinein. «Manchmal verbringe ich danach mit ein paar Spielern die Freizeit, oder ich beschäftige mich mit meinem Onlinestudium», sagt Guillemenot.

«Vollgas geben und möglichst viel dazulernen»

Castella sagt, Gabri habe ihm erklärt, Jérémy sei mit seiner Schnelligkeit ein interessanter Spieler, müsse sich aber technisch verbessern. «Ich denke, dass er vor allem geduldiger werden muss. Bei Servette fuhr er bequem auf der Autobahn», sagt Castella. «Jetzt aber hat er Konkurrenz, jedes Training ist ein Kampf. Dem kleinen Schweizer wird nichts geschenkt. Mit diesem Druck muss er klarkommen.»

Noch ist offen, in welcher Mannschaft der Genfer in der nächsten Saison spielt, ob mit der zweiten in der zweiten Liga oder mit der dritten in der dritten. Klar ist aber: «Ich muss Vollgas geben und möglichst viel dazulernen», sagt Guillemenot.

Ihnen gehört die Zukunft: Die 50 besten Fussballer unter 23

Das schlimmste Foul im Schweizer Fussball: Gabet Chapuisat zertrümmert Lucien Favres Knie

Link zum Artikel

Der Goalie mit Pudelmütze sorgt für eine der grössten Sensationen der Fussball-Geschichte

Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link zum Artikel

Die Schweizerin Nicole Petignat pfeift als erste Frau ein Europacup-Spiel der Männer

Link zum Artikel

Martin Palermo schafft's ins Guinness-Buch – weil er 3 Penaltys in einem Spiel verschiesst

Link zum Artikel

«Hoch werd mas nimma gwinnen» – der legendäre Ösi-Galgenhumor beim 0:9 gegen Spanien

Link zum Artikel

Nati-Goalie Zuberbühler schiebt die Schuld für ein Riesen-Ei dem «Blick» zu

Link zum Artikel

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel

Ailton wettert: «For mi das nicht Profi-Mannschaft, das nicht Profi-Fussball. Unglaublig»

Link zum Artikel

Maradona schiesst das Tor des Jahrhunderts – aber in Erinnerung bleibt die «Hand Gottes»

Link zum Artikel

Ronaldo kämpft vor dem WM-Final mit dem Tod – warum er trotzdem spielt, bleibt ein Rätsel

Link zum Artikel

Andrés Escobar wird nach einem Eigentor an der WM mit 12 Schüssen hingerichtet

Link zum Artikel

«Decken, decken, nicht Tischdecken» – als man(n) im TV noch über Frauenfussball lästerte

Link zum Artikel

«Oh Zinédine, pas ça!» Zidanes Kopfstoss im WM-Final gegen Materazzi erschüttert die Welt

Link zum Artikel

Marco van Basten schiesst den «ewigen Zweiten» mit seinem Traumtor zum EM-Titel

Link zum Artikel

Roberto Baggios Penalty in die Erdumlaufbahn lässt ganz Italien weinen

Link zum Artikel

Mit dem letzten Spiel im Hardturm gehen 78 Jahre Schweizer Fussball-Geschichte zu Ende

Link zum Artikel

Jay-Jay Okocha demütigt Oliver Kahn und drei Verteidiger mit einem Wahnsinnstanz

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Zum Tod von Diego Maradona: Wie die «Hand Gottes» zur Legende wurde

Diego Armando Maradona stirbt im Alter von 60 Jahren. Kein anderer Spieler hat je eine WM so dominiert wie Diego Maradona 1986. Die beiden Treffer gegen England haben ihn nicht nur in Argentinien zum Fussballgott gemacht.

Diego Maradonas Augen waren noch glasig, sagen diejenigen, die ihn an diesem 22. Juni 1986 in der Kabine haben sitzen sehen. Sein Lächeln sei steinern gewesen. Er war sich bewusst, dass er mit seinem Tor zum 2:0 gegen England einen Akt sublimer Kunst vollbracht hatte. Sublime Kunst bedeutet, etwas Grosses, Überwältigendes, das nur mit dem Gespür für das Aussergewöhnliche überhaupt verstanden und nicht wiederholt werden kann.

Das war sein sublimes Kunststück: Er startete in der eigenen …

Artikel lesen
Link zum Artikel