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Eine Rote Karte gegen Matthijs de Ligt brachte die Wende.
Eine Rote Karte gegen Matthijs de Ligt brachte die Wende.
Bild: keystone

Oranje-Express jäh gestoppt: «Das ist sehr peinlich, echt schwierig, aber leider Realität»

Für Niederlandes Fussballer wird es nichts mit dem zweiten EM-Titel nach jenem von 1988. Ab der 55. Minute zu zehnt spielend, verlieren sie den Achtelfinal in Budapest gegen Tschechien 0:2.
27.06.2021, 20:4727.06.2021, 21:45

Tschechien steht an der EM in den Viertelfinals. Der Europameister von 1976 setzt sich in Budapest gegen die Niederlande überraschend 2:0 durch. Tomas Holes (68.) und Patrik Schick (79.) schiessen die Tore.

Die vorentscheidende Szene zehn Minuten nach der Pause beim Stand von 0:0 war ein anschauliches Beispiel dafür, dass der VAR sportliche Korrektheit und Gerechtigkeit ins Spiel bringen kann. Niederlandes Verteidiger Matthijs De Ligt krallte den Ball vor dem Strafraum im Fallen unter seinen Körper und verhinderte auf diese Weise, dass Patrik Schick allein aufs Tor ziehen konnte.

Erst nach der Intervention des Videoassistenten erkannte der russische Schiedsrichter Sergej Karassew am Monitor das Notbremse-Hands. Weder De Ligt selbst noch seine Mitspieler lehnten sich gegen die Rote Karte auf. Sie wussten, dass der Entscheid richtig war.

Für die Niederländer war es umso ärgerlicher, als sie kurz vorher in Führung hätten gehen müssen. Der tschechische Goalie Tomas Vaclik, mit dem FC Basel ab 2014/15 dreimal in Folge Meister geworden, verhinderte den sicher scheinenden Rückstand, als er dem allein auf ihn ziehenden Stürmer Donyell Malen den Ball von den Füssen abluchste.

Die Stimmen zum Spiel:

Matthijs de Ligt:

«Natürlich fühle ich mich schlecht. Wir verlieren das Spiel wegen meiner Aktion. Das ist natürlich sehr ärgerlich. Wir hatten das Spiel einigermassen im Griff und dann geht bei einem langen Ball alles schief. Ich lasse ihn aufspringen, was nicht gut war. Danach stolpere ich und bekomme einen leichten Stoss, was mich zum Handspiel bringt. Das darf mir nicht passieren. Wenn man so rausfliegt, ist es immer schmerzhaft. Ich fühle mich verantwortlich.»

Georginio Wijnaldum:

«Das fühlt sich verrückt an. Wir hatten eine starke Gruppenphase gezeigt und ich dachte, wir sind im Turnier gewachsen. Auch in der Mannschaft haben wir das gespürt. Vor dem Turnier gab es viel Kritik, an der Spielweise und ähnlichen Dingen. Das haben wir gut gemeistert, aber heute war das einfach schlecht. Das Aus ist sehr peinlich, echt schwierig, aber leider Realität.

Die Tore, die wir verschenkt haben, die Chancen, die wir nicht genutzt haben – das alles geht einem durch den Kopf. Nach der Roten Karte hatten wir Schwierigkeiten, Tschechien unter Druck zu setzen. Es wurde einfach schwieriger für uns.»

Frenkie de Jong:

«Wir sind im Achtelfinal ausgeschieden. Klar, war es ein schlechtes Turnier. In der Gruppenphase lief es gut, wir haben viele Tore geschossen und alle waren positiv. Wir wollten auch heute unbedingt gewinnen. Es war eines der wichtigsten Spiele unserer Karriere, aber es hat einfach nicht geklappt. Nach der Roten Karte war Schluss, danach ging nichts mehr.»

Patrick Schick:

«Niemand hätte geglaubt, dass wir fähig sein würden, gegen eine Mannschaft wie die niederländische zu bestehen. Jetzt sind wir unglaublich glücklich. Wir sind vielleicht nicht so grosse Stars, wie es die Niederländer sind. Aber heute hatten wir einen formidablen Teamgeist. Wir haben um alles gekämpft, das hat den Unterschied ausgemacht. Die Wende im Match war die Rote Karte gegen De Ligt. Nachher war es für uns relativ einfach.»

In Unterzahl konnten die jetzt komplett deroutierten Niederländer den Rückstand nur gut zehn Minuten vermeiden. Die Tschechen trafen nach einem Freistoss und einer Kopfball-Stafette. Die im internationalen Fussball wenig bekannten Protagonisten Tomas Kalas von Bristol und Torschütze Tomas Holes von Slavia Prag standen für die Namenlosigkeit der tschechischen Mannschaft im Vergleich zum Ensemble der niederländischen Stars. Holes bereitete nach 80 Minuten gegen die entblösste Niederländer Defensive auch das 2:0 des Goalgetters Patrick Schick vor.

Die Mannschaft von Trainer Frank De Boer hatte ganz offensichtlich eine frühe Führung angestrebt. Besonders in der ersten halben Stunde betrieben die Niederländer einen riesigen Aufwand. Möglicherweise verpuffte bereits in der ersten Halbzeit die Kraft, die ihnen in der zweiten Halbzeit fehlte.

Vor den Anpfiff der Partie stellte die Niederlande noch die beste Offensive der EM – davon war gegen Tschechien fast nichts zu sehen. Gerade einmal sieben Schüsse gab Oranje in der Partie ab, kein einziger kam direkt aufs Tor. Auf die unzähligen Flanken der Niederländer stellte sich Tschechien schnell ein und nahm den sonst so quirligen Memphis Depay fast komplett aus dem Spiel.

Während Tschechien in den Viertelfinals auf Dänemark trifft, endet für die Niederlande die erste Endrunden-Teilnahme seit 2014 mit einer riesigen Enttäuschung. Die Vorrunde hatte der Europameister von 1988 mit dem Punktmaximum abgeschlossen und galt als Geheimfavorit auf den Titel.

Das Telegramm:

Niederlande - Tschechien 0:2 (0:0)
Budapest. - 52'834 Zuschauer. - SR Karassew (RUS).
Tore: 68. Holes 0:1. 80. Schick 0:2.
Niederlande: Stekelenburg; De Vrij, De Ligt, Blind (81. Timber); Dumfries, De Roon (73. Weghorst), Wijnaldum, Frenkie de Jong, Van Aanholt (81. Berghuis); Depay, Malen (57. Promes).
Tschechien: Vaclik; Coufal, Celustka, Kalas, Kaderabek; Holes (85. Kral), Soucek; Masopust (59. Jankto), Barak (92. Sadilek), Sevcik (85. Hlozek); Schick (92. Krmencik).
Bemerkungen: Niederlande ohne Luuk de Jong (verletzt), Tschechien ohne Boril (gesperrt) und Darida (verletzt). 55. Platzverweis De Ligt (Notbremse). Verwarnungen: 46. Dumfries (Foul). 56. Coufal (Foul). 84. De Jong (Reklamieren). (pre/sda)

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