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GC Spielerin äussert sich zu sexistischen Beleidigungen von Zuschauern

GC-Spielerin Leandra Flury
Leandra Flury (Mitte) äusserte sich über Instagram über einen Vorfall, der sich im Cup-Spiel gegen Basel ereignet hat.Bild: Instagram Leandra Flury

GC-Spielerin wird sexistisch beleidigt: «Ah ja geil, gibs dem Riegel»

Die GC-Spielerin Leandra Flury wurde im Cup-Viertelfinal gegen den FC Basel von Zuschauern auf den Rängen sexistisch beleidigt – im Frauenfussball keine Seltenheit. Via Instagram äusserte sich die Fussballerin nun zum Vorfall.
20.02.2024, 15:4620.02.2024, 18:09
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Das Spiel gegen den FC Basel im Viertelfinal des Schweizer Cups dürfte Leandra Flury nicht nur in sportlicher Hinsicht in schlechter Erinnerung bleiben. Bis zur 90. Minute durften die Zürcherinnen beim Stand von 1:1 noch auf ein Weiterkommen hoffen, ehe Milena Nikolic in der Verlängerung den Siegtreffer für Basel erzielte. Noch mehr als die Niederlage beschäftigte die GC-Verteidigerin Flury nach der Partie das Verhalten zweier Personen aus den Zuschauerrängen. Via Instagram-Story berichtete die 24-Jährige über den Vorfall:

«Verlieren ist scheisse. Vor allem nach einem Fight über 120 Minuten. Aber dass ich mir während dem Einwärmen von zwei sexistischen Vollidioten Kommentare über meinen ‹geilen Arsch› und Stöhngeräusche im Takt zu meinen Übungen anhören muss, pisst mich noch viel mehr an. Wenn ich in einen Riegel beisse und hören muss: ‹Ah ja geil, gibs dem Riegel, dann wirst du noch ein bisschen fetter›. Sexismus par excellence.»
Leandra Flury, GC
Screenshot Leandra Flury
Bild: Instagram Leandra Flury

Im Frauenfussball keine Seltenheit

Was Leandra Flury im Cup-Spiel gegen den FC Basel erleben musste, ist im Frauenfussball keine Seltenheit. Viele aktive oder ehemalige Fussballerinnen können ähnliche Geschichten erzählen wie die GC-Verteidigerin. Dabei geht es nicht nur um das, was Ulrike Häfner, ehemalige Fussballerin und aktuelle Vize-Präsidentin beim Klub Turbine Potsdam, «strukturellen Sexismus» nennt – also die Benachteiligung aufgrund der schlechteren Rahmenbedingungen im Frauenfussball. Es geht auch um verbale Entgleisungen von Zuschauern, Funktionären und Social-Media-Nutzern.

Das sagt der FCB zum Vorfall im Cup:
«Der FC Basel 1893 hat erst im Nachgang des Spiels vom beschriebenen Vorfall erfahren und steht seither in Kontakt mit dem Grasshopper Club Zürich sowie mit der betroffenen Spielerin. Der FCB verurteilt jegliche Art von Diskriminierung aufs Schärfste, darauf hat der Club zuletzt mehrfach in aller Deutlichkeit hingewiesen und insbesondere seine Stadionbesuchenden in dieser Thematik explizit sensibilisiert. Bei allen FCB-Spielen müssen fehlbare Personen mit unmittelbaren Konsequenzen rechnen (z.B. Stadionverbot), wenn das Sicherheitspersonal des Clubs ein entsprechendes Vergehen direkt registriert und konkret verfolgen kann.»

Gegenüber dem Sender ARD berichteten die deutschen Fussballerinnen Tabea Kemme, Saskia Matheis und Franziska Bielfeld während der Fussball-EM 2022 in England über ihre Erfahrungen mit herablassenden Bemerkungen. Die Bandbreite der Kommentare reicht dabei von objektifizierend («Die ist auch richtig heiss, ne? Die würde ich auch mal wegbügeln wollen.»), über belächelnd (Frauenfussball ist wie Pferderennen. Nur auf Eseln.») bis hin zu sexistisch («Die mit den kurzen Haaren sollte bei uns spielen. Ist das überhaupt eine Frau oder nicht?»).

Granit Xhaka, winner of the male national player 2023 award, right, and Lia Waelti, winner of the female national player 2023 award, pose at the Swiss Football Night 2023 awards, in Bern, Switzerland, ...
Lia Wälti wurde 2023 zur Schweizer Fussballerin des Jahres gewählt.Bild: keystone

Auch Schweizer Fussballerinnen werden von Kommentaren unter der Gürtellinie nicht verschont. So bezeichnen englische Medien die Schweizer Stürmerin Alisha Lehmann, die beim Premier-League-Verein Aston Villa unter Vertrag steht, in ihrer Berichterstattung gerne als «die heisseste Fussballerin der Welt». Lia Wälti, Captain der Schweizer Nationalmannschaft und Mittelfeldspielerin bei Arsenal, meinte gegenüber «20 Minuten»: «Einem Granit Xhaka folgen wohl die meisten Menschen, weil sie ihn als Fussballer gut finden. Frauen wird wohl auch gefolgt, weil man sie hübsch findet.»

Es tut sich etwas – oder doch nicht?

Ein Ereignis, dass diesbezüglich auch in Erinnerung bleibt, war der Vorfall rund um die Pokalübergabe an der Fussball-WM der Frauen in Australien und Neuseeland. Der spanische Verbandspräsident Luis Rubiales küsste die Spielerin Jennifer Hermoso gegen ihren Willen auf den Mund. Die Aufarbeitung des Vorfalls, der die spanische Gesellschaft und Justiz über Monate beschäftigte und in der Entlassung des Verbandspräsidenten gipfelte, scheint aber auch zu zeigen, dass sich die Fussballerinnen ein solches Verhalten nicht mehr einfach gefallen lassen. Oder etwa nicht?

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Die spanische Fussballerin Jennifer Hermoso hat vor Gericht im Fall Rubiales ausgesagt.Bild: keystone

Weniger optimistisch zeigt sich die oben erwähnte Tabea Kemme. Als sie sich mit ihren Mitspielerinnen an einer Mitgliederversammlung über anstössige Kommentare beschwerte, wurde dies von vielen Anwesenden lediglich mit einem Lachen quittiert: «Leider war den Verursachern wohl nicht bewusst, was sie mit ihren Äusserungen bewirkt haben», meinte Kemme, und fügt an, dass sich in dieser Hinsicht noch viel verändern muss: «Ich glaube, dass es ein Trugschluss ist, dass man weiter ist». Dass Kemme damit nicht Unrecht zu haben scheint, zeigt auch ein Kommentar von Karl-Heinz Rummenigge, Aufsichtsratsmitglied beim FC Bayern, der zum Verhalten von Rubiales meinte: «Was er da gemacht hat, ist – sorry, mit Verlaub – absolut okay».

«Solche Leute wollen wir weder im Frauenfussball noch sonst wo in der Gesellschaft» resümierte Leandra Flury im Zusammenhang mit den sexistischen Kommentaren, die sie über sich ergehen lassen musste. (kat)

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131 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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RichiZueri
20.02.2024 16:44registriert September 2019
Ich war bisher bloss an einem Frauenfussball-Spiel und bin regelmässig an jenen der Männer und ab und zu in Hockey-Stadien. Was ich generell sagen kann ist, dass "im Schutz der Menge" in jedem Spiel unglaublich unterirdische Aussagen fallen, welche nichts mit Emotionen zu tun haben.
Dabei vergessen/ignorieren wohl viele, was dies bei den Spieler/innen auslösen kann. Wie man konkret dagegen vorgehen kann/will, dürfte schwierig sein. Einzelfälle rauspicken geht zwar, doch wie kann die Aussage bewiesen werden?
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Alnothur
20.02.2024 16:57registriert April 2014
"So bezeichnen englische Medien die Schweizer Stürmerin Alisha Lehmann, die beim Premier-League-Verein Aston Villa unter Vertrag steht, in ihrer Berichterstattung gerne als «die heisseste Fussballerin der Welt»"

Komischerweise waren und sind solche Kommentare gegenüber männlichen Fussballern voll akzeptiert. Doppelmoral much?
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Atavar
20.02.2024 16:50registriert März 2020
Ja, es ist mies, beleidigt zu werden - vor allem bei Dingen, die man kaum ändern kann. Am Ende sind das einfach Würstchen, die sich Zeit nehmen, an ein Fussballspiel fahren und dann noch Tickets Kaufen um ihre Geringschätzung kund zu tun.

Vollkommen sinnlos. Ich kaufe ja auch nicht bei Starbucks ein, wenn mir deren Produkte nicht schmecken. Und da wird noch nicht mal jemand dabei beleidigt.
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