Italien zittert schon wieder um die WM – und die Geschichte verheisst nichts Gutes
Zwölf Jahre ist es her, seit die Fussballnation Italien letztmals an einer Weltmeisterschaft dabei war. Die Italiener scheiterten zuletzt zweimal in den Playoffs. Und jetzt – wie soll es auch anders sein – muss die «Squadra Azzurra» auch für die Weltmeisterschaft im kommenden Sommer den unangenehmen Umweg über die Playoffs nehmen.
Nordirland und bei einem Sieg Wales oder Bosnien und Herzegowina sind die diesjährigen Gegner der Italiener. Man könnte schon fast sagen: «Diese Teams muss der vierfache Weltmeister doch locker schlagen.» Doch die Vergangenheit zeigt etwas anderes.
Schlechte Erinnerungen an Nordirland
Die WM 2018 fand zum ersten Mal seit 60 Jahren ohne die italienische Nationalmannschaft statt. Dies, nachdem die Südeuropäer in den Playoffs an Schweden gescheitert waren. Vier Jahre später platzte der Traum von der WM an Nordmazedonien. 1958, als sich Italien zuvor zum letzten Mal nicht für eine WM qualifizieren konnte, scheiterten sie in der Quali an Nordirland. Derselbe Gegner, der auch am Donnerstag wartet.
In der FIFA-Weltrangliste belegen die Nordiren bloss den 69. Platz, ärgerten die Italiener aber auch vor etwas mehr als vier Jahren. In der Qualifikation kämpften die Schweiz und Italien am letzten Spieltag im Fernduell um das direkte WM-Ticket. Weil die Schweiz deutlich gegen Bulgarien gewann und Italien in Belfast nicht über ein 0:0 hinaus kam, qualifizierte sich die Schweizer Nati direkt für das Turnier in Katar. Seit der WM-Qualifikation 1958 konnte Nordirland aber nie mehr gegen Italien gewinnen.
Der Druck liegt vor der Partie in Bergamo klar beim Team von Nationaltrainer Gennaro Gattuso. Zudem gibt es Verletzungssorgen beim Weltmeister von 2006. Während Federico Chiesa sicher ausfallen wird, ist noch unklar, ob Sandro Tonali, Gianluca Scamacca und Alessandro Bastoni rechtzeitig fit werden.
Während Italien in der bisherigen Qualifikation zweimal deutlich gegen Norwegen verloren hat und sich deshalb mit dem zweiten Platz zufriedengeben musste, qualifizierte sich Nordirland über die Nations League für die Playoffs. In der Quali klassierte sich die «Green and White Army» hinter Deutschland und der Slowakei auf dem dritten Platz. Gegen den nördlichen Nachbarn der Schweiz verloren die Nordiren jeweils nur knapp. Zuletzt war Nordirland vor vierzig Jahren an einer WM dabei.
Ein schwieriges Auswärtsspiel würde warten
Ebenfalls am Donnerstag werden Wales und Bosnien und Herzegowina im Einsatz stehen. Die Waliser sind der grosse Favorit und auch das Team, welches in der Weltrangliste den Italienern am nächsten kommt. Bosnien hat wie Italien im Jahr 2014 zuletzt an einer WM teilgenommen. Es wäre wohl der letzte grosse Tanz von Superstar Edin Dzeko, welcher mittlerweile in der 2. Bundesliga bei Schalke 04 spielt und auch mit 40 Jahren noch einen grossen Torhunger aufweist. Ein Nachteil für die Italiener ist, dass das entscheidende Spiel nicht im eigenen Land, sondern in Wales oder Bosnien ausgetragen wird. In beiden Fällen würde wohl ein Hexenkessel auf die Südeuropäer warten.
Apropos Hexenkessel: Einen solchen hätte es wohl auch im San Siro gegeben, aber Trainer Gattuso wollte nicht in Mailand spielen. «Mailand ist geteilt. Es gibt Inter- und Milan-Fans, das ist ein Risiko für die Nationalmannschaft. Bei Fehlern könnte es sofort Pfiffe gegen einige Spieler geben», erklärte der langjährige AC-Milan-Akteur. In Bergamo fand auch das erste Länderspiel von Gattuso als Nationaltrainer statt. «Ich habe mich dort wohl gefühlt. Ich hoffe, ich habe mich nicht getäuscht.»
Der Druck wird ohnehin immens sein. Sogar der italienische Sportminister Andrea Abodi schlug kürzlich in der Zeitung «La Stampa» Alarm:
Dabei geht es für Abodi auch darum, dass italienische Kinder ihre Nationalmannschaft noch nie live bei einer WM spielen sahen. «Für Generationen von Italienern war die Weltmeisterschaft die Zeit, in der das Land zusammenkam und unsere Flagge schwenkte. Unser Nationalgefühl geht heute über den Fussball hinaus, aber es wäre trotzdem schön, diese Emotionen mit jüngeren Fans zu teilen.» Während das letzte Spiel an einer WM bald zwölf Jahre her ist, liegt das letzte K.o.-Spiel der «Squadra Azzurra» schon fast zwanzig Jahre zurück, als Italien in Deutschland Weltmeister wurde.
Ausreden sind nicht erlaubt
Während die italienische Flagge an Weltmeisterschaften in den letzten Jahren nicht zu sehen war, konnten sich die Fans vor fünf Jahren wenigstens über den Europameistertitel freuen. Dieser war aber bereits nach der verpassten WM-Qualifikation wenige Monate später schon fast wieder vergessen.
Gattuso selbst zeigt sich vor den entscheidenden Partien selbstbewusst. «Ich glaube fest an diese Mannschaft. Wir haben eine grosse Chance, und wir wollen keine Ausreden», sagt Gattuso, welcher wahrscheinlich selbst weiss, dass Ausreden nicht akzeptiert werden würden.
