Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Gehen wir davon aus, die Schweizer Nationalmannschaft hat sich für die EM 2028 in Grossbritannien qualifiziert. Nationalspieler von heute werden sich bis dahin verabschiedet, andere sie beerbt haben. Zum Beispiel Ardon Jashari (22) und Noah Okafor (24).
Mehr noch: Gemessen an ihrem fussballerischen Talent müssten der zentrale Mittelfeldspieler und der Stürmer in der Nati der Zukunft gesetzt sein. Doch bis dahin braucht es Geduld. Und den Nachweis, konstant auf internationalem Niveau abliefern zu können. Beides ist bislang noch nicht erfüllt im Leistungsnachweis von Okafor und Jashari, die heute in der Champions League mit ihren Klubs AC Milan und FC Brügge aufeinandertreffen.
Als Okafor in der Saison 2018/19 beim FC Basel die Profibühne betritt, geht ein Raunen durch die Schweizer Fussballszene. Trainer, Verantwortlicher und Beobachter sind sich einig: Dieser blitzschnelle, trickreiche und unbekümmerte Jungspund bringt alles mit für eine internationale Karriere. Anfang 2020 zieht es ihn nach Salzburg in den Red-Bull-Kosmos. Der Weg zu Partnerklub Leipzig in die Bundesliga scheint damals vorgezeichnet, doch nach einem Gala-Auftritt in der Champions League gegen Milan klopfen die Norditaliener an und Okafor folgt dem Lockruf.
Mit dem Transfer zum Weltklub aus der Modestadt beginnen nach furiosem Start seine Aktien in der Nationalmannschaft zu sinken, weil Okafor bis heute in Mailand nicht über den Status des Ergänzungsspielers kommt. Zuletzt hat Nati-Coach Murat Yakin ihn gar nicht mehr aufgeboten, weil er von Okafor zu wenig Geduld und Wille zur Unterordnung spürt.
An der EM 2024, an der Okafor als einer von vier Feldspielern ohne Einsatzminute blieb, soll der Sohn einer Schweizerin und eines Nigerianers wegen seines Verhaltens sogar kurz vor dem Rausschmiss gestanden haben.
Ohne Spielpraxis an der EM blieb auch Ardon Jashari. Sein Stern ging Anfang 2022 auf, als Luzern-Trainer Mario Frick ihn im Abstiegskampf ins kalte Wasser warf – und Jashari das Vertrauen mit starken Auftritten sofort rechtfertigte.
Das Pech des Luzerners ist, dass er vom Spielertyp her Granit Xhaka ähnelt und dieser ihm im zentralen Nati-Mittelfeld vor der Sonne steht. Zudem hat Jashari mit der Verweigerung des Aufgebots für die U21-Auswahl vor einem Jahr verbandsintern an Kredit verloren.
Nach dem Wechsel diesen Sommer vom FC Luzern nach Belgien musste auch Jashari auf Klubebene untendurch, kam zuletzt aber in Fahrt. Beim Champions-League-Debüt vor drei Wochen gegen Sturm Graz holte er sich Bestnoten ab. In die U21-Nati ist er dieses Jahr zurückgekehrt, nach einem klärenden Gespräch mit Murat Yakin. «Ich habe verstanden, was wichtig ist», so Jashari.
Während Jashari mit einem Aufgebot für die nächsten Spiele der A-Nati im November rechnen darf, dürfte es Okafor schwieriger haben. Zwar heisst es von Verbandsseite, die Tür für ihn sei nicht komplett zu. Doch nachdem sich Okafor via Social Media öffentlich gegen die Kritik von Murat Yakin wehrte, müsste der Nati-Trainer für ein Aufgebot über seinen eigenen Schatten springen. Okafor bleibt nichts anderes übrig, als sich mit Leistung im Milan-Trikot auch für die Nationalmannschaft unverzichtbar zu machen. Das wird schwer genug. (aargauerzeitung.ch)