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Darum haben Fussball-Stadien in der Champions League andere Namen

Silver Ganvoula und Young Boys werden am Dienstag, den 27. August, gegen Galatasaray antreten.
YB trifft heute in Istanbul auf Galatasaray – in einem unbenannten Stadion.Bild: keystone/shutterstock/x

Dieses Detail in den Stadien der Champions League ist dir bislang vermutlich entgangen

Die Königin der europäischen Wettbewerbe hat seit einigen Jahren eine Besonderheit. Die Young Boys werden es wieder merken, wenn sie heute in Istanbul spielen.
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27.08.2024, 21:21
Yoann Graber
Yoann Graber

Die Feinschmecker des Schweizer Fussballs dürften sich am 23. Juli die Augen gerieben haben. An diesem Abend empfing Lugano die Türken von Fenerbahce Istanbul in der Champions-League-Qualifikation in Thun, wohin das Spiel verlegt wurde (das Cornaredo entsprach nicht den Anforderungen der UEFA). Und etwas hatte sich im Berner Stadion vorübergehend geändert: der Name.

Die Stockhorn Arena war weg. Stattdessen wurde der Name Thun Arena verwendet, den die UEFA – die Organisatorin des Wettbewerbs – in ihrer gesamten Kommunikation erwähnte. Die Änderung hat allerdings nichts mit einer Abneigung des europäischen Fußballverbandes gegen die Berge des Berner Oberlandes zu tun.

Nein, der Grund für die Umbenennung des Stadions an diesem Abend ist das UEFA-Reglement, das das «Naming» von Stadien bei allen von der UEFA organisierten Wettbewerben verbietet.

Dies gilt nicht für die nationalen Meisterschaften (die von den nationalen Verbänden organisiert werden).

Lugano's goalkeeper Amir Saipi looks at the ball after Fenerbahce's Edin Dzeko scored his side's second goal during a UEFA Champions League qualifying second round first leg soccer matc ...
Die UEFA hatte es trotzdem nicht geschafft, die Inschrift auf dem Dach des Stadions entfernen zu lassen.Bild: keystone

Naming, was ist das? Naming ist ein mittlerweile weit verbreitetes Verfahren, bei dem eine Marke (ein Sponsor) das Stadion nach sich selbst benennt und der Klub dafür Geld erhält. Dies verschafft dem Besitzer des Stadions – häufig den Vereinen – eine willkommene und einfache Einnahmequelle. So macht es zum Beispiel der FC Thun mit Stockhorn, das in diesem Fall nicht der Name des Gipfels ist, sondern der Name der Privatfirma, die den Tourismus am gleichnamigen Berg betreibt. Im Schweizer Fussball sind auch noch die Stadien in Luzern (Swissporarena) und St. Gallen (Kybunpark) nach Sponsoren benannt.

Unnachgiebigkeit und geflickte Plane

Auch im Ausland ist diese Praxis üblich. So zum Beispiel in der Türkei mit Galatasaray und seinem Rams Park (ein türkisches Unternehmen, das unter anderem im Immobilien- und Tourismusbereich tätig ist). Diese Partnerschaft, deren Dauer nicht angegeben wurde, brachte dem Istanbuler Verein laut der Website «The Stadium Business» 7,5 Millionen Euro ein.

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YB trainiert im Rams Park, der in der Champions League nicht so heissen darf.Bild: keystone

Wenn am Dienstag das Rückspiel des Champions-League-Playoffs Galatasaray – Young Boys stattfindet, muss auch die Arena ihren Namen ändern. Die 54'000 Zuschauer fassende Arena wird in Ali Sami Yen Spor Kompleksi (der Name des Gründers von Galatasaray) umbenannt. Dieser Name wird zum Beispiel auf den Einblendungen während des Spiels zu sehen sein.

Ein weiteres Beispiel: Beim letztjährigen Halbfinale zwischen Dortmund und PSG wurde die Spielstätte des deutschen Vereins von Signal Iduna Park in BVB Stadion Dortmund umbenannt.

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Die berühmte gelbe Wand des Signal Iduna Parks, auch bekannt als BVB Stadion Dortmund.Bild: keystone

Eine Frage bleibt: Warum verbietet die UEFA das Naming? Der Grund ist einfach: Die UEFA möchte alle Spuren von Marken, die keine offiziellen Sponsoren sind, aus ihren Wettbewerben entfernen, um den Sponsoren keine Konkurrenz zu machen. Wie die UEFA-Regeln zeigen (wer neugierig ist, kann hier klicken), ist sie in diesem Punkt unnachgiebig.

Und sie setzt ihre Richtlinien auch tatsächlich um. Was ist der Beweis? Während eines Champions-League-Spiels von YB im Wankdorf letztes Jahr löste sich ein Teil der Plane, die die normale Werbung im Stadion abdeckte, und ein Teil des Logos einer Marke, die nicht Partner des Wettbewerbs war, kam zum Vorschein. Einige Minuten später hatten Stadionordner die Plane bereits wieder zusammengeflickt, um die Werbung darunter zu verstecken.

Ja, auf sehr hohem Niveau geht es um Details …

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10 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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insider
27.08.2024 18:02registriert Juni 2016
Das mit den Sponsorennamen kann ich irgendwie noch nachvollziehen, aber BVB Stadion Dortmund - wirklich?
Wie wäre es mit Westfalenstadion? ;-)
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Looca23
27.08.2024 19:41registriert März 2022
Ich dachte zuerst, dies sein ein für mich überraschender sympatischer Zug der UEFA. Bis es mir gedämmert hat, dass die ihre eigenen Sponsoren schützen möchten und auch noch Phantasie-Namen wie BVB Stadion anstatt Westfalenstadion erfinden.
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Fanfj
27.08.2024 19:29registriert Dezember 2020
Naja kann man machen. Allerdings hat z.B. CSL Behring sicher mehr Symphatie bei den YB-Fans bekommen als sie das Stadion wieder als "Wankdorfstadion" benannten. Und die Sympathie der Fans kann mehr Wert sein als der eigene Name auf dem Stadion. Ich als YB-Fan kann das auch komplett objektiv sagen...
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