Am Ende dürften alle etwas erleichtert gewesen sein: Mit der Bekanntgabe der Verpflichtung von Kylian Mbappé hat Real Madrid dem wohl längsten Transfer-Drama der Fussballgeschichte ein Ende gesetzt.
Gar Paris Saint-Germain sei nicht nur traurig, dass ihr bester Spieler den Verein verlässt, wie der für französischen Fussball zuständige Journalist Jonathan Johnson gegenüber Sky verriet. So sei auf die anfängliche Enttäuschung die Erkenntnis gefolgt, dass es nicht nur das Beste für den Spieler selbst, sondern auch für den Klub und die Liga sein könnte. «Die Ligue 1 kann nun aus Mbappés Schatten springen und einen eigenen Weg einschlagen», meint Johnson.
Das wäre nicht möglich gewesen, hätte Mbappé erneut in der französischen Hauptstadt verlängert. Denn der mögliche Abgang zu Real Madrid hätte weiterhin während jeder Transfer-Periode über PSG gehangen wie ein Damoklesschwert. Schliesslich war es immer das Ziel des Offensivspielers, einmal für die Königlichen zu spielen.
Dies stellte Mbappé am Montagabend einmal mehr klar: «Es ist ein Traum, der in Erfüllung geht.» Er sei sehr glücklich und stolz, zu seinem Lieblingsklub zu wechseln. «Niemand kann verstehen, wie aufgeregt ich bin», schrieb der 25-Jährige unter vier Bilder, die ihn als Kind im Trainingsanzug der Blancos zeigen.
Dass der Traum in diesem Sommer in Erfüllung geht, ist kein Zufall. Denn für Mbappé war es sowas wie die letzte Chance, bei den Madrilenen zu unterschreiben. Die Königlichen nahmen sich Anfang Jahr nämlich vor, einen letzten Versuch zu starten, um den Franzosen in die spanische Hauptstadt zu locken. Trotz Skepsis, wie The Athletic weiss.
So fanden einige im Klub, dass eine Verpflichtung Mbappés nicht nötig sei, da Real Madrid auch ohne ihn erfolgreich sei, wie der Triumph in der Champions League ein halbes Jahr später bestätigte. Andere fühlten sich immer noch in ihrem Stolz gekränkt, dass Mbappé im Mai 2022 eine Kehrtwende gemacht hatte, obwohl er kurz vor einem Wechsel nach Spanien stand.
Noch einmal sollte dies nicht passieren, zumal sich die Blancos bereits im Jahr 2017 um den damaligen Monaco-Profi bemühten. Wie die Marca berichtet, kam es damals zu einem Treffen zwischen Mbappé und seinem Vater Wilfried und dem damaligen Real-Trainer Zinédine Zidane. Ein Wechsel des zu dem Zeitpunkt 18-Jährigen zum spanischen Rekordmeister wurde diskutiert. Damals kannten sich die Mbappés und Zidane bereits seit vier Jahren, als das 14-jährige Talent im Trainingszentrum von Real Madrid auch Cristiano Ronaldo traf.
Weil Madrid in der Saison 2016/17 aber sowohl Meister als auch Champions-League-Sieger wurde und in Ronaldo, Karim Benzema und Gareth Bale bereits ein hervorragendes Angriffstrio hatte, glaubte Mbappés Vater nicht, dass es der richtige Schritt für seinen Sohn sei.
Obwohl sich Mbappé also bereits zweimal gegen Madrid entschieden hatte, nahm sich Real-Präsident Florentino Perez vor, einen erneuten Versuch zu starten. Dieses Mal wurde Mbappé für seinen Entscheid jedoch eine Deadline gesetzt, ausserdem war das Angebot tiefer als vor zwei Jahren. Darin lag einer der Gründe, weshalb gerade Mbappés Umfeld nicht unbedingt begeistert war von der Offerte. Bei Paris hätte er ein Vielfaches kassieren können. Dem Spieler war dies jedoch egal, Ende Februar hätte er sich dann mit Real Madrid auf einen Fünfjahresvertrag geeinigt, heisst es.
Gleichzeitig soll jedoch auch dafür gesorgt worden sein, dass PSG nicht ganz leer ausgeht. Trotz Berichten über einen Streit zwischen Mbappé und Klub-Präsident Nasser Al-Khelaifi, der eine Entschädigung von Real Madrid gefordert haben soll, soll eine Einigung kurz bevorstehen. Mbappé sprach davon, dass «alle Parteien im Falle eines Wechsels wirtschaftlich geschützt» seien. Wie genau die Entschädigung aussehen wird, muss noch final diskutiert werden, jedoch dürfte Mbappé auf gewisse Bonuszahlungen in zweistelliger Millionenhöhe verzichten.
In Madrid wird er gemäss BBC mit 15 Millionen Euro Jahresgehalt ab der nächsten Saison zwar nicht der Top-Verdiener bei Real Madrid sein – unter anderem Jude Bellingham und Vinicius kassieren mehr –, jedoch erhält er als ablösefreier Spieler zusätzlich ein Handgeld von 150 Millionen Euro für die Unterschrift unter seinen Fünfjahresvertrag.
Die Mitteilung der Verpflichtung des möglicherweise besten Fussballers der Gegenwart durch den amtierenden Sieger der Champions League erfolgte keine 48 Stunden nach dem Triumph über Borussia Dortmund im Final per gewohnt trockener «Comunicado oficial». Damit ist der «kleine Prinz», wie eine Biografie über Kylian Mbappé heisst, endgültig ein Königlicher. Viele Jahre, nachdem der Junge aus dem Pariser Vorort Bondy von diesem Moment träumte.