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epa04359863 New goalie of the Rayo Vallecano Cristian Alvarez (C) poses with the club's president, Raul Martin Presa (L), and Luis Yanez (R), board member, during his presentation in Madrid, Spain, 19 August 2014.  EPA/Fernando Alvarado

Rayo Vallecanos neuer Keeper, Cristian Alvarez posiert mit Klubpräsident Raul Martin Presa (l.) und Verwaltungsratmitglied Luis Yanez (r.). Bild: EPA/EFE

Das Gegenstück zu Real und Barça

Rayo Vallecano – der spezielle Verein, der seit über einem Jahrzehnt unzählige Transfers macht, ohne Geld auszugeben

Wir befinden uns im Jahre 2014 n. Chr. Die ganze spanische Fussballwelt gibt Unsummen Geld aus für Transfers ... Ganz Spanien? Nein! Ein unbeugsamer Vorort in Madrid hört nicht auf, in der Primera Division Widerstand zu leisten. 



Madrid ist zurzeit der Mittelpunkt des europäischen Fussballs. Schliesslich hiess das letzte Finale der Champions League Real Madrid gegen Atlético Madrid. Doch es gibt nicht nur die «Königlichen» und «Los Colchoneros» in Madrid, sondern auch ein dritter Verein aus der Hauptstadt Spaniens, welcher in der Primera Division spielt: Rayo Vallecao aus dem Arbeiterviertel Vallecas. Und dieser ist ein ganz spezieller Klub.

«Los Franjirrojos», was übersetzt soviel heisst wie die Rotgestreiften, haben mit Aufsteiger Eibar zusammen das kleinste Budget der Primera Division. Im letzten Jahr betrug der Etat etwas mehr als zehn Millionen Schweizer Franken. Zum Vergleich: Stadtrivale Real kommt auf über 600 Millionen Franken. Real Madrids Starspieler Cristiano Ronaldo verdient also alleine so viel wie «Los Vallecanos» zusammen.

MADRID, SPAIN - SEPTEMBER 21:  Rayo Vallecano players walk onto the picth during the La Liga match between Rayo Vallecano de Madrid and FC Barcelona at Estadio Teresa Rivero on September 21, 2013 in Madrid, Spain.  (Photo by David Ramos/Getty Images)

Die Truppe von Rayo Vallecano kommt auf den Platz in ihren typischen Trikots. Bild: Getty Images Europe

Transfers ohne Ende in beide Richtungen

Real Vallecano ist also gezwungen, haushälterisch mit den vorhandenen Mitteln umgehen. Und bei den Transfers kann man ihnen definitiv nichts vorwerfen: Seit 2001 haben sie nur zweimal (ein wenig) Geld in die Hand genommen, um Spieler zu verpflichten. 

2011/2012 zahlten sie Arsenal 340'000 Euro Leihgebühr für Pedro Botelho und diese Saison legten sie eine halbe Million Euro für Johan Mojica auf den Tisch. Die restlichen Transfers sind alle ablösefrei oder auf Leihe getätigt worden. So konnten 2011 etwa Michu (ablösefrei) und Diego Costa (Leihe) an Bord geholt werden.

MD30 - 20020926 - MADRID, SPAIN: Brazilian Milene Domingues, wife of Real Madrid's Ronaldo Nazario de Lima, waves to the press on Thursday 26 September 2002 in Madrid during her presentation as new player for Rayo Vallecano women team.  EPA PHOTO  EFE / ANGEL DIAZ

Die Brasilianerin Milene Domingues, Ex-Frau vom zurückgetretenen Altstar Ronaldo und Weltrekordhalterin im «Keepie-uppie», spielte von 2002-2004 in der Frauenmannschaft von Rayo Vallecano. Das Bienen-Logo ist nicht das Vereinsemblem, sondern das Logo einer Tankstellenkette. Bild: EPA EFE

Die Manager von Rayo Vallecano legen sich aber nicht etwa auf die faule Haut, im Gegenteil. In den letzten sechs Spielzeiten tätigte der Verein insgesamt 99 Zugänge, was einen Schnitt von 16,5 pro Saison entspricht. Gleichzeitig verlassen den typischen «Fahrstuhlklub» – der in den letzten zwanzig Jahren zwischen der Segunda und der Primera Division pendelte –  auch jedes Jahr viele Spieler.

Finanzielle Nöte

Trotzdem hängt über dem kleinen Klub immer ein (finanzielles) Damoklesschwert. So muss Rayo Vallecano immer viel Geld in die Hand nehmen, um im Konzert der Grossen mitspielen zu können. Wie so viele andere Vereine auf der iberischen Halbinsel musste auch Rayo Vallecano  vor drei Jahren Konkurs anmelden. 

«Bei uns mussten einige Spieler ihre Autos verkaufen, um über die Runden zu kommen. Andere haben kein Geld fürs Benzin.»

Rayo-Stürmer David Aganzo 2011. sport.ch

BARCELONA, SPAIN - MARCH 17:  Lionel Messi of FC Barcelona duels for the ball with Rayo Vallecano players during the La Liga match between FC Barcelona and Rayo Vallecano at Camp Nou on March 17, 2013 in Barcelona, Spain.  (Photo by David Ramos/Getty Images)

Lionel Messi machte in den letzten drei Jahren Bekanntschaft mit dem «Vallecano-Sandwich». Bild: Getty Images Europe

Nach dem sensationellen 8. Rang in der vorletzten Saison liess die UEFA aufgrund der finanziellen Situation den Klub nicht zur Europa League zu. Schade für den Verein, dem die Einnahmen sicher gut getan hätten.

St. Pauli von Spanien

Die Fans stehen trotzdem immer hinter ihrem Kultklub, vergleichbar etwa mit St.Pauli in Deutschland. Die Fankurve ist bekannt für ihre politische (linke) Haltung. Republikanische Fahnen und Banner von Che Guevara gehören zum Allgemeinbild im berühmt-berüchtigten Campo de Fútbol de Vallecas, wo knapp 15'000 fanatische Zuschauer die Heimmannschaft vorwärts peitschen.

abspielen

Die spanische Punkgruppe Ska-P singt mit dem Lied «Rayo Vallecano» eine der Vereinshymnen.  Video: YouTube/Canal de tiko623

MADRID, SPAIN - JANUARY 26: Rayo Vallecano fans support their team with a giant banner as the Rayo Vallecano team enters the pitch preceded by the referee staff prior to start of the La Liga match between Rayo Vallecano de Madrid and Club Atletico de Madrid at Estadio de Vallecas on January 26, 2014 in Madrid, Spain.  (Photo by Gonzalo Arroyo Moreno/Getty Images)

Die Rayo-Vallecano-Fans gelten als äusserst kreativ.  Bild: Getty Images Europe

Die antifaschistische Fan-Gruppierung «Los Bukaneros» steht unter dem Verdacht, auch vor illegalen Mitteln nicht zurückzuschrecken. So sollen sie vor einem Spiel gegen Real Madrid die Flutlichtanlage lahmgelegt haben, um gegen die schlechten Termine – der Klub spielt überdurchschnittlich häufig am unbeliebten Montag – und die überteuerten Ticketpreise zu demonstrieren.

MADRID, SPAIN - SEPTEMBER 23:  View of the estadio Teresa Rivero stadium  after the flood lights failed before the La Liga match between Rayo Vallecano and Real Madrid CF on September 23, 2012 in Madrid, Spain. The match was later suspended.  (Photo by Denis Doyle/Getty Images)

Im Stadion Campo de Fútbol de Vallecas gehen 2012 die Lichte aus, weil Unbekannte die Stromkabel durchgeschnitten haben. . Bild: Getty Images Europe

Auch die Spieler scheinen etwas anders zu ticken als ihre Berufskollegen. So solidarisierten sich die Spieler mit dem gemeinen Volk und beteiligte sich bei den grossen spanischen Generalstreiks 2010 und 2012.

Fussball total

Auch auf dem Feld geben «Los Franjirrojos» mächtig Gas. Die Spielphilosophie vom Verein und Trainer Paco Jemenez ist offensiv ausgerichtet, sie spielen mit unglaublicher Intensität und Mut zum Risiko. 

MADRID, SPAIN - FEBRUARY 17: Rayo Vallecano head coach Paco Jemez looks on before the La Liga match between Real Madrid CF and Rayo Vallecano at estadio Santiago Bernabeu on February 17, 2013 in Madrid, Spain.  (Photo by Denis Doyle/Getty Images)

Seit 2012 ist Ex-Spieler Paco Jemez auch Trainer von Rayo Vallecanos. Bild: Getty Images Europe

So sagte der Trainer Jemenez 2012 vor einem Spiel gegen Barcelona einmal: «Ich habe keine Lust zuzusehen, wie Barça das Spiel diktiert. Also werden wir sicher verlieren, aber wir entscheiden, wie wir spielen werden.» 

Das Resultat: Rayo setzte das grosse Barcelona von Beginn weg unter Dauerdruck – und verlor 0:5. Aber Rayo Vallecano blieb seinem Stil treu. Letzte Saison mussten die Katalanen erstmals seit 317 Spielen einem Gegner mehr Ballbesitz zugestehen. Bei einem kleinen Vorortklub ist diese Ära zu Ende gegangen. Auch wenn dieser glatt 0:4 verlor. Am 29. Mai 2014 feierte der sympathische Klub sein 90. Jubiläum.

6 Feb 2000:  Rayo Vallecano Fans during the Spanish Primera Lig A game between Rayo Vallecano and Celta Vigo at the de Vallecas stadium in Madrid, Spain. The game finished 1-0 to Rayo Vallecano. \ Photo by Nuno Correia. \ Mandatory Credit: Allsport UK /Allsport

Die Fahnen werden auch bei einer Niederlage hochgehalten. Bild: Getty Images Europe

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Der SCB versucht, die Zeit anzuhalten – der grösste Fehler der SCB-Neuzeit

Die SCB-Titanic rauscht unter Volldampf blind durch den Nebel und verlängert mit Trainer Kari Jalonen. Wird der grosse, ruhmreiche finnische Trainer zum «Captain Smith des Hockeys»?

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