
Daniel Stucki ist seit Mai diesen Jahres Sportdirektor beim FC Basel.Bild: keystone
In einer Medienrunde spricht FCB-Sportdirektor Daniel Stucki über den Transfersommer, die Vertragsauflösungen mit Fabian Frei und Michael Lang und weitere mögliche Rückholaktionen.
Jakob Weber / ch media
Über den Transfersommer:
«Wir wollten das Kader verkleinern und punktuell verstärken. Ich glaube, das ist uns gelungen. Deswegen sind wir mit den Transfers sehr zufrieden. Ob wir das berechtigterweise sind, werden die sportlichen Leistungen zeigen. Natürlich hätten wir den einen oder anderen Transfer gerne früher gemacht. Aber aufgrund des Mercatos ist das oft nicht möglich, weil die Spieler viele Optionen und wir den Saisonstart auch für einen Formstand abgewartet haben.»
Über die Kadergrösse von 30 Spielern:
«Das sieht nach viel aus. Aber man darf nicht vergessen, dass immer auch ein paar Spieler verletzt sind. Auf der rechten Aussenbahn hatten wir zum Saisonstart praktisch niemanden. Auch die grosse Dichte in der Offensive wird uns helfen, wenn der ein oder andere ausfällt. Und die jungen Spieler, die schon mit dem Eins trainieren, können auch in der Promotion League zu Spielzeit kommen.»
Über das Saisonziel:
«Das ändert sich nicht. Wir wollen die Meisterrunde erreichen und dann auf einen internationalen Platz. Ich erwarte eine ausgeglichene Meisterschaft. YB wird sich erholen. Mit St.Gallen, Servette, Lugano und Zürich ist auch zu rechnen.»
Über den schwierigsten Transfer:
«Kevin Carlos. Es dauerte Wochen und wir hatten viel Konkurrenz. Finanziell haben wir sicherlich nicht das beste Angebot abgegeben. Dennoch hat er sich für uns entschieden. Die drei Millionen an Ablöse, die kolportiert werden, sind sehr realistisch. Eine Weiterverkaufsbeteiligung hat Yverdon nicht.»
Über die Personalkosten:
«Die Spielerlöhne bewegen sich auf dem Vorjahresniveau. Zwar haben wir ein paar Spieler weniger auf der Lohnliste, aber der ein oder andere Leihspieler wird in Teilen auch noch vom FCB entlöhnt.»
Über die Finanzen:
«Wir haben in diesem Sommer weniger als die Hälfte der Transfereinnahmen reinvestiert. Der FCB steht finanziell auf guten finanziellen Beinen, auch wenn Cashflow und Bilanz nicht gleichzusetzen sind.»
Über abgelehnte Angebote:
«Wir hatten diverse Angebote für Spieler und hätten deutlich mehr verkaufen können. Aber in fünf bis sechs Fällen haben wir den Transfer im Vorfeld blockiert.»
Über den Transferkönig FCB:
«Der Klub ist in Europa extrem bekannt und viele Ex-Spieler haben international für Furore gesorgt. Wer vom FCB aus in eine Top-5-Liga wechselt, performt in der Regel auch. Vom Druck her ist der FCB sicher der grösste Schweizer Klub und wer sich hier durchsetzt, schafft das auch in einer Top-Liga.»
Über den Abgang von Michael Lang
«Einen guten Abgang zu ermöglichen, ist extrem schwierig. Bei Michael Lang war es so, dass der Trainer wünschte, dass er die Vorbereitung mitmacht. Im Anschluss war ein Gespräch vereinbart, in dem wir dann entschieden haben, den Vertrag aufzulösen, weil die Einsatzzeiten gemäss Trainer gegen Null tendiert hätten. Den vergleichsweise kleinen Abschied hat sich Michi so gewünscht. In meinen Augen ist zwischen Klub und Spieler alles richtig gelaufen.»
Über den Abgang von Fabian Frei:
«Hier war die Situation ganz anders als bei Lang. Wir haben nach dem Saisonstart ein kritisches Gespräch geführt. Fabi war auch ein Leidtragender des neuen Systems mit nur noch zwei Zentrumsspielern, die sehr viel laufen müssen. Auch darum war er nach dem Lausanne-Spiel nur noch Einwechselspieler, weil seine Stärken mit den Ball sind. Das erste Telefonat von Berater-Seite, dass es einen Wechselwunsch gibt, habe ich erst am Montagmorgen um 9.30 Uhr erhalten. Vorher ging ich davon aus, dass er in Basel bleibt. Aber nach einem Gespräch mit Fabio Celestini hat Fabi in der Länderspielpause entschieden, dass er den Wechsel machen will. Für mich ist wichtig, dass zwischen dem Spieler und mir Transparenz herrscht. Die gab es auch in diesem Fall. Und den Abschied, den sich Fabi als Rekordspieler natürlich verdient hat, wird er bekommen. Natürlich wäre es besser, wenn du Spieler nach dem letzten Saisonspiel als Meister gebührend verabschieden kannst. Aber der Fussball ist so schnelllebig, da ändern sich auch Wünsche von Spielern oder Vereinen schnell.»
Über die Rolle von Taulant Xhaka:
«Wir haben einen regen Austausch und ein gutes Verhältnis. Mir ist nicht wichtig, dass die erfahrenen Spieler spielen. Sie sollen Impakt auf das Team haben. Tauli ist wie Shaqiri erst 32 Jahre alt und hat durchaus noch Chancen auf Spielzeit. Wir wollen nicht alle Alten loswerden. Dagegen wehre ich mich. Jeder Fall hat seine eigene Geschichte. Und Tauli hat auch grossen Einfluss auf das Team, wenn er nicht auf dem Platz steht.»
Über Xherdan Shaqiri:
«Er ist sehr ambitioniert und sehr motiviert. Das spüren wir. Die Dynamik im Team ist sehr gut. Aber er hat immer wieder Probleme mit der Wade und muss mit der Trainingssteuerung schauen, dass das nicht schlimm wird.»

Taulant Xhaka und Granit Xhaka trafen sich vor einer Woche auf dem FCB-Campus, als die Nati dort trainierte.Bild: keystone
Über weitere Rückholaktionen:
«Unsere Strategie ist nicht, dass wir alle Alten, die hier mal gut waren, zurückholen. Aber natürlich gibt es einige Kandidaten, wo eine Rückholaktion Sinn machen würde. So ein Transfer muss aber sportlich einen Mehrwert haben. Und um auch einen Namen zu nennen: Natürlich würde ich Granit Xhaka gerne eines Tages zurückholen.»
Über die Goalie-Position:
«Wenn etwas funktioniert, sollte man nicht viel ändern. Darum kann ich mir vorstellen, dass Marwin Hitz seinen auslaufenden Vertrag in Basel verlängert, wenn wir sportlich wieder erfolgreicher sind. Andere Goalies haben aktuell keine Priorität, zumal wir mit Tim Spycher einen weiteren talentierten Keeper nach Nyon ausgeliehen haben.»
Über die Möglichkeiten für den Nachwuchs:
«Marvin Akahomen trainiert fix mit der ersten Mannschaft, doch er ist erst 17 und spielt in der Promotion League. Roméo Beney hat in Lausanne eine Chance bekommen und wie andere auch nicht genutzt. Er wird wie Arlet Junior Ze weitere Chancen bekommen. Grundsätzlich ist es aber nicht so, dass jedes Jahr zwei, drei Spieler den Sprung aus dem Nachwuchs in die erste Mannschaft schaffen. Das gelingt nur besonderen Talenten. Und oft geht das auch nicht von heute auf morgen.»
Über die vielen Leihspieler:
«Meiner Meinung nach ist das schon die ein oder andere Leihe zu viel. Aber wir mussten das Kader verkleinern. Bei Leihspielern mit Kaufoption ist davon auszugehen, dass wir einverstanden wären, wenn sie den Klub definitiv wechseln. Was nicht heisst, dass sich das nach einer starken Saison nicht wieder ändern kann und sie auch bei uns wieder einen Platz finden.»
Über die Zusammenarbeit mit David Degen:
«Die ist sehr gut. Wir tauschen uns regelmässig aus. David hat sehr viele Ideen und der Verwaltungsrat hat die finanzielle Hoheit. Aber operativ mache ich sämtliche Transfers. Wenn du Argumente hast, kannst du David auch von deinen Ideen überzeugen. Wenn wir all seine Ideen umgesetzt hätten, sähe das Kader ganz anders aus.»
Über die Captain-Frage:
«Das ist nicht das Thema Nummer 1. Aktuell ist noch nicht entschieden, wer auf Fabian Frei folgt.»
Über sein Leben neben dem Job:
«Ich kann mich zum Glück immer noch mehr oder weniger inkognito bewegen, mit den Kindern in die Badi oder auch in Ruhe in die Stadt. Meine Batterien lade ich beim Sport oder bei der Familie auf, wobei die Bewegung in den letzten Wochen etwas zu kurz kam.»
Über den nächtlichen Ausflug der Spieler und die Kommunikation:
«Wie die richtige Kommunikation ist, diskutieren wir in jedem Fall und sind uns da auch nicht immer sicher. Sanktionen bleiben, finde ich, intern. Dennoch wollen wir auch eine gewisse Transparenz gewähren. Den Mittelweg zu finden, ist nicht einfach.»
(aargauerzeitung.ch)
Alle FCB-Trainer seit Christian Gross
1 / 18
Alle FCB-Trainer seit Christian Gross
Christian Gross (SUI): Juli 1999 bis Juni 2009.
quelle: keystone / peter klaunzer
Die besten Shaqiri-Tore – 50 Sekunden Genuss pur
Video: youtube
Das könnte dich auch noch interessieren:
Zwischen Profifussball und Familienplanung mussten Spielerinnen bisher oft einen unbequemen Spagat leisten. In Norwegen soll das künftig anders sein.
Die oberste Spielklasse der norwegischen Frauenliga, Toppserien, hat eine weltweit bislang einzigartige Regelung eingeführt: Spielerinnen erhalten ab sofort das Recht auf eine automatische Vertragsverlängerung um ein Jahr, wenn sie während ihrer aktiven Zeit schwanger werden. Die Regel greift, sofern sich die betroffene Fussballerin vor Ablauf ihres Vertrags in der zwölften Schwangerschaftswoche befindet.