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Nach Rücktritt von Yann Sommer: Darum ist die Schweiz ein Goalieland

epa11462635 Goalkeeper Yann Sommer of Switzerland in action during the UEFA EURO 2024 quarter-finals soccer match between England and Switzerland, in Dusseldorf, Germany, 06 July 2024. EPA/RONALD WITT ...
Yann Sommer tritt nach zehn erfolgreichen Jahren als Nummer 1 der Schweiz zurück.Bild: keystone

Darum ist die Schweiz ein Goalieland

Yann Sommer ist ein besonderer Torhüter, aber doch einer von vielen. Denn früher wie heute gilt: Wenn die Schweiz auf einer Position kein Problem hat, dann auf jener des Goalies. Unsere Erklärung lautet: Der Goalie si mir.
20.08.2024, 14:16
François Schmid-Bechtel / ch media
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An den Torhütern lag es nicht. Nicht mal in den tristen 1970ern und 1980ern, als sich die Schweiz nie für eine Endrunde qualifizieren konnte. Wir haderten, dass wir keine treffsicheren Stürmer, keine brillanten Mittelfeldspieler und keine furchteinflössenden Verteidiger haben. Aber an den Goalies Erich Burgener und Karl Engel mäkelten wir kaum einmal rum.

Die Schweiz und ihre Torhüter: Das war, ist und bleibt eine Erfolgsgeschichte. Marco Pascolo? Führte die Schweiz nach 28 Jahren Absenz wieder an eine WM? Jörg Stiel? Wurde in Gladbach zu einer Kultfigur. Pascal Zuberbühler? Blieb an der WM 2006 ohne Gegentor. Diego Benaglio? War eine grosse Nummer in der Bundesliga. Yann Sommer? Ist Nati-Rekordgoalie und qualifizierte sich mit der Schweiz fünfmal in Folge für die K.-o.-Phase einer Endrunde.

Yann Sommer, Gregor Kobel, Pacsal Zuberbühler und Diego Benaglio.
Yann Sommer, Gregor Kobel, Pacsal Zuberbühler und Diego Benaglio.Bild: Imago, Keystone, Claudio Thoma; Montage: chm

Selbst jetzt, nach Sommers Nati-Rücktritt, muss man sich um die Position zwischen den Pfosten keine grossen Sorgen machen. Es gibt auf der Welt nur zwei Torhüter – Diogo Costa (in der Schweiz zur Welt gekommen) und Giorgi Mamardaschwili –, die einen höheren Marktwert haben als Gregor Kobel, die künftige Nummer 1 der Schweiz. Und wenn sich Kobel mit Dortmund verletzen sollte? Bricht das Kartenhaus nicht zusammen. Jonas Omlin (Gladbach), Yvon Mvogo (Lorient) und Philipp Köhn (Monaco) haben nicht nur die Qualität, Kobel im Training einzuheizen, sondern ihn im Bedarfsfall auch zu ersetzen.

Auch im Eishockey hat die Schweiz überdurchschnittliche Goalies

Die Schweiz ist zweifellos ein Goalieland. Man kann es mit Zufall erklären, weil der Sport nie vollkommen berechenbar ist. Aber Zufall allein? Nein, auf keinen Fall. Weiten wir den Blickwinkel, so sehen wir: Im Eishockey waren die Goalies David Aebischer und Martin Gerber die ersten Schweizer Stars in der NHL, der weltbesten Liga.

Der Torhueter der Ottawa Senators Martin "Tinu" Gerber praesentiert der Langnauer Bevoelkerung am Montag, 31. Juli 2006, in Langnau den NHL Stanleycup. Gerber gewann den Pokal mit den Caroli ...
Goalie Martin Gerber war einer der ersten Schweizer, der sich in der NHL durchsetzen konnte.Bild: KEYSTONE

Aber wie lässt sich das Goalie-Phänomen erklären? Da wäre mal der Punkt mit der Mentalität. Ein Torhüter muss in erster Linie verhindern. Darin gelten wir Schweizer als ziemlich gut. Ein Torhüter muss verlässlich sein. Auch da gibt es eine Übereinstimmung. Ein Torhüter soll das Risiko minimieren. Passt. Ein Torhüter muss Verantwortung übernehmen. Passt auch. Ein Torhüter muss diszipliniert sein und einen Sinn für Ordnung und Organisation haben. Sind das nicht unsere Paradedisziplinen?

Natürlich kann man einwenden: Gibt es in einem Migrationsland wie der Schweiz eine Volksmentalität? Sehr wohl. Unsere Torhüter heissen Kobel, Sommer, Zuberbühler, Stiel - Mvogo ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt. In der Offensive, wo Mut, Intuition, und Unberechenbarkeit gefragt sind, heissen unsere Spieler eher Embolo, Vargas, Okafor, Shaqiri, Ndoye, Duah. Zufall?

Torhüter sind Einzelsportler und Sonderlinge

Ein anderer Erklärungsversuch: Torhüter sind Einzelsportler im Mannschaftssport. Spielt ein Stürmer einen Fehlpass, resultiert im schlimmsten Fall keine Torchance. Solche Fehler werden selten als matchentscheidend gewertet. Ganz anders, wenn ein Torhüter daneben greift. Allein diese exponierte Position macht sie zu Einzelkämpfern. Ein Genre, in dem die Schweiz überproportional erfolgreich ist, wenn wir an Roger Federer, Marco Odermatt, Lara Gut-Behrami und viele andere denken.

Ein weiterer Punkt: Torhüter sind Sonderlinge. Früher hiess es, dass der Goalie und der linke Flügel einen an der Schüssel hätten. Das ist etwas böse. Aber eigen sind die Torhüter schon. Die Trinkflasche muss immer einen Fuss lang hinter dem linken Pfosten liegen. Das Frotteetuch hängt immer in der siebten Masche des Netzes.

Die Liste der Macken liesse sich beliebig erweitern. An Sonderlingen haben wir unsere Freude: Ueli Maurer, Emil, Nemo, Didier Cuche, Nicolas Hayek, Moritz Leuenberger. Auch sie auf ihre Art Goalies. (aargauerzeitung.ch)

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Abschiedsbotschaft von Yann Sommer
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23 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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traegi
20.08.2024 15:08registriert September 2020
Ich finde es schade einen Beitrag zu schreiben wieso wir so viele gute Schweizer Goalies haben, ohne Patrick Foletti und sein Team zu erwähnen.
Er ist der grosse Strippenzieher bei den Schweizer Fussballgoalies. Und hierbei meine ich nicht nur bei den Profis. Er und sein Team haben eine Goaliephilosophie erarbeitet, wie Goalies trainiert werden sollten. Und das für alle Altersstufen und vom Amateur- bis zum Spitzensport.
Ich denke er verdient wesentlich mehr Anerkennung als ihm hierbei gebracht wird.
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Ryponagar
20.08.2024 14:59registriert April 2019
Dass in einem solchen Artikel nicht einmal der Name Patrick Foletti fällt, ist eigentlich ein Armutszeugnis. Seine Innovationen im Torhütertraining sind ein wichtiger Pfeiler des Erfolgs.
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Ratchet
20.08.2024 15:29registriert Mai 2015
Ist das euer Ernst? Eine oberflächliche Pseudoanalyse auf Stammtisch-Niveau gespickt mit lächerlichen Vergleiche, Klischees und eine Prise Rassismus. Hat das wirklich ein Sportredaktor, nein... sogar der Chef der Sportredaktion von CH-Media geschrieben? Kein Wort über Foletti, der die ganze Torhüterausbildung revolutioniert hat?
Solange unsere Medien so abartig schlecht sind, müssen wir uns nicht wundern, wenn wir keine Fortschritte machen. Deutschland hat unser Torhüter-Phänomen schon lange erkannt und dazu eine seriöse Analyse gemacht. Dieser Artikel ist wohl ein schlechter Witz.
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    Also doch: Kein Frauenhockey – kein Geld mehr von der Postbank
    Im letzten Herbst hat die Postbank (PostFinance) angekündigt, künftig nur noch NL-Klubs mit Direktsponsoring zu alimentieren, die ein Frauenteam in der höchsten Liga betreiben. Nun folgt die offizielle Bestätigung, dass diese «Drohung» tatsächlich wahr gemacht wird.

    Die Kommunikations-Abteilung der PostFinance bestätigt auf Anfrage: «Ja, das Konzept wird wie angekündigt umgesetzt.» Und im Detail wird ausgeführt: «Unsere Ligapartnerschaften mit der National League und der PostFinance Women’s League stehen im Mittelpunkt unseres Engagements. Alle Klubs beider Ligen profitieren weiterhin von der Topscorer-Prämie, die direkt an die Klubs ausgezahlt wird. Zusätzlich engagieren wir uns gezielt im Sponsoring von einzelnen Klubs. Ab der nächsten Saison ist eine der Voraussetzungen für ein solches Sponsoring, dass der Klub sowohl in der National League als auch in der PostFinance Women’s League ein Team stellt. Mit den betroffenen NL-Klubs haben wir bereits vor über einem Jahr das Gespräch gesucht und unsere Strategieanpassung frühzeitig kommuniziert. Die Partnerschaften mit dem HC Ambri-Piotta und dem SC Bern sind verlängert worden.»

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