Bereits letzte Saison war Schalke lange im Abstiegskampf der 2. Bundesliga vertreten. Schlussendlich retteten sich die Königsblauen doch noch vor dem Abstieg und dem womöglichen Konkurs.
Im Sommer wurde voll umgerüstet und die Saison begann überragend. Gleich mit einem 5:1 wurde Eintracht Braunschweig aus dem Stadion geschossen und es hallte zum ersten Mal seit langer Zeit ein «Spitzenreiter, Spitzenreiter, Spitzenreiter» durch die Veltins-Arena. Das Social-Media-Team nahm den Anlass für ein neues Video, welches im Nachhinein nicht wirklich gut gealtert ist.
Seit dem besagten Spiel gegen Braunschweig am 03. August 2024 konnte Schalke nur noch ein Spiel in der Liga gewinnen. Auch dieses liegt schon über einen Monat zurück. Im Auswärtsspiel gegen Aufsteiger Preussen Münster kam der S04 zu einem glücklichen 2:1-Sieg.
Doch was läuft wirklich falsch beim deutschen Traditionsverein und was haben das alte Rom und Harry Potter mit dem Ganzen zu tun? Wir fassen zusammen.
Die Schalke-Misere ist nicht neu. Seit dem Jahr 2020 steckt der Verein aus dem Ruhrpott in einer grossen Krise, mit wenigen Ausreissern nach oben. In der Saison 202/2021 stiegen die Königsblauen sang- und klanglos aus der Bundesliga ab. In 34 Spielen wurden nur mickrige 16 Punkte gesammelt. In der darauffolgenden Spielzeit gelang zwar der direkte Wiederaufstieg, doch ein Jahr später ging es direkt wieder runter in die Zweitklassigkeit.
Nach dem letzten Abstieg war das Ziel klar: direkter Wiederaufstieg. Am Ende der Saison konnte man sich in Gelsenkirchen glücklich schätzen, folgte nicht noch ein weiterer Abstieg. Dank eines starken Schlussspurts wurde die Saison auf dem zehnten Rang abgeschlossen.
Bei der offiziellen Saisoneröffnung im Sommer sprach Matthias Tillmann, Vorstandsvorsitzender, wie folgt zu den Fans: «Habt Geduld mit dem Weg, den wir gehen. Wir gehen ihn bewusst und brauchen eure Unterstützung. Rückschläge werden kommen.»
Zumindest beim Trainer hielt die geforderte Geduld nicht lange. Bereits am 6. Spieltag wurde Karel Gerarts entlassen. Der Belgier, welcher die Schalker letzte Saison noch vor dem Abstieg rettete, wurde zum Unmut von vielen Knappen-Anhängern gefeuert.
Danke Coach, du bist und warst nicht das Problem. Wünsche dir, dass du bei deiner neuen Station alles auseinandernimmst.
— MrPaze (@RodriZAL10) September 21, 2024
Nach der Entlassung von Gerarts übernahm Jakob Fimpel interimistisch für zwei Spiele und konnte mit je einem Sieg und Unentschieden überzeugen. Doch dem U23-Trainer von Schalke fehlen die nötigen Trainerlizenzen, um die erste Mannschaft zu trainieren.
Der neue Trainer, der seit der Nationalmannschaftspause im Oktober neu an der Seitenlinie steht, ist Kees van Wonderen und auch der 55-jährige Niederländer ist bereits angezählt. In vier Pflichtspielen unter van Wonderen gab es für Schalke gerade einmal einen Punkt und gegen Augsburg schied man ohne Chance aus dem DFB-Pokal aus.
Der neue Trainer sorgte schon für einige Schlagzeilen. Zum einen möchte der Trainer, dass nur Deutsch in der Kabine gesprochen wird. Das Problem ist, mehrere Spieler beherrschen die Sprache nicht und auch die Aussprache von van Wonderen ist zu wenig gut, dadurch werden die Anweisungen des Trainers oft falsch oder gar nicht verstanden.
Bei Interviews und Pressekonferenzen wird van Wonderen nicht müde davon zu betonen, dass er nicht Harry Potter wird. So verglich er auch nach dem Testspiel gegen Aarau, welches 2:2 endete, die Lage bei Schalke mit dem Bau vom alten Rom:
Ich bin kein Harry Potter🪄🧙🏻 pic.twitter.com/puHaWH8BWb
— Marc (@Marc1908_) November 4, 2024
Die Reaktionen im Ruhrpott fallen sehr höhnisch aus. Eines kann man den S04-Fans lassen, den Humor haben sie bisher nicht verloren, doch lest selbst:
Wenn Kees van Wonderen ein Harry Potter-Charakter wäre: pic.twitter.com/79NUqUZ4Ug
— Arian (@esnullvierari) October 26, 2024
Für Harry Potter reichts noch nicht ganz, aber als Dementor macht van Wonderen sich schon ganz gut #S04
— Jens (@SocialistKitten) November 1, 2024
Matthias Tilmann gab laut den «Ruhr Nachrichten» bekannt, dass van Wonderen nicht zur Debatte steht. Auch Kaderplaner Ben Manga lobte erst kürzlich den Trainer für seine Arbeit.
Im letzten Transferfenster wurde Ron-Thorben Hofmann als geplanter Stammtorhüter verpflichtet. Wenige Tage vor dem Saisonstart entschied sich Karel Gerarts allerdings dazu, den jungen Justin Heekeeren zum Torwart Nummer-eins zu ernennen.
Als van Wonderen übernahm, war er zunächst unschlüssig, wer nun im Tor stehen sollte und entschied sich für eine spezielle Massnahme. Gegen Hannover und Greuther Fürth erhielt Hoffmann zwei Spiele und gegen Augsburg und Ulm durfte Heekeren im Tor stehen, so wollte der neue Chef an der Seitenlinie bestimmen, wer zukünftig der Stammtorhüter wird.
Nun sind diese vier Spiele vorbei und Heekeren hat das Casting gewonnen und steht somit weiterhin zwischen den Pfosten bei Schalke. Für einige Anhänger von Schalke eine unverständliche Aktion. Durch diese Aktion seien nun beide Torhüter in der sonst schon schwierigen Situation noch mehr verunsichert.
Im Sommer wurde Ben Manga als Kaderplaner verpflichtet. Manga war von 2016 bis 20222 bei der Eintracht Frankfurt als Chefscout angestellt und war beim Sieg des DFB-Pokals 2018 und dem Europa-League-Erfolg 2022 dabei und galt als der Macher im Hintergrund.
Bei Schalke amtet Manga als Direktor für Kaderplanung, Scouting und die Knappenschmiede (Junioren-Abteilung von Schalke 04). Der gebürtige Äquatorialguineer ist bekannt dafür, einen guten Fühler für junge Talente zu haben.
So wurden auch im Sommer viele junge und unbekannte Spieler verpflichtet. Unter anderem der 20-jährige Argentinier Felipe Sanchez. Als der damalige Trainer Karel Geraerts nicht genug schnell auf Sanchez setzte, kritisierte Manga den belgischen Coach.
Seit van Wonderen im Amt ist, durfte Sanchez zweimal von Beginn an in der Liga starten. Doch prompt im zweiten dieser Spiele kassierte der Argentinier in der 48. Minute eine Rote Karte. Bisher konnte Sanchez sein Talent nicht aufzeigen.
Bei beinahe jedem Transfer im Sommer bestimmte der Spruch «Manga kocht» die Kommentarspalte der Social-Media-Accounts der Königsblauen und man war begeistert vom Kaderplaner.
Mittlerweile hat sich der Wind gedreht und es herrscht grosse Frustration über das aktuelle Kader und viele Neuverpflichtungen stehen in Kritik. Manga übernimmt auch immer mehr das Sagen bei Schalke und einige Fans befürchten, dass er dadurch zu viel Macht erhält.
Das halbe Kader wurde im Sommer ausgetauscht. Mit Adrian Gantenbein wurde auch ein Schweizer verpflichtet. Der Rechtsverteidiger wechselte vom FC Winterthur nach Gelsenkirchen. Aufgrund einer Oberschenkelverletzung und Wadenproblemen hat Gantenbein seit dem 13. September kein Pflichtspiel mehr absolviert.
Zudem wurden noch viele weitere unbekannte Talente und teils auch bereits bekannte und routinierte Spieler wie Amin Younes verpflichtet. Viele davon kamen bisher nicht wirklich zur Geltung, was zur einen an den schwachen Leistungen lag, aber auch Verletzungen werfen die Neuverpflichtungen immer wieder zurück.
Von den neu verpflichteten Spielern konnte bisher nur Moussa Sylla überzeugen. Der 24-jährige Franzose wurde für 2,5 Millionen Euro verpflichtet und erzielte bisher sechs Tore in der laufenden Meisterschaft. Doch auch Sylla fiel in den letzten Spielen verletzt aus.
Nach der turbulenten letzten Saison sollte in dieser Spielzeit ein Team in Ruhe aufgebaut werden, um im nächsten Jahr wieder voll in Richtung Aufstieg anzugreifen. Doch in der aktuellen Lage bangt man in Gelsenkirchen wieder einmal um die Existenz des Vereins.
Schon in der letzten Saison drohte bei einem Abstieg in die 3. Liga ein Lizenzentzug aufgrund der finanziellen Probleme des Vereins. Da in der dritthöchsten Liga das Lizenzverfahren anders abläuft als in der ersten und Zweiten Bundesliga, würde dem stark verschuldeten Verein ein Abstieg in die Regionalliga drohen.
Aktuell stehen die Schalker auf dem zweitletzten Tabellenplatz. Nun folgt am Sonntag um 13.30 Uhr womöglich der absolute Absturz: Im Kellerduell gegen Schlusslicht Jahn Regensburg könnten die Schalker ans Tabellende abrutschen. Es wäre ein neuer Tiefpunkt für den Traditionsverein.
Trotz der seit Jahren miserablen Lage strömen die Zuschauer weiterhin in die Arena der Schalker. Im Schnitt sind über 61'000 Zuschauer in der Veltins-Arena anwesend. Nur Bayern München und Borussia Dortmund haben im ganzen Land mehr Zuschauer pro Heimspiel. Auch auswärts reisen jeweils mehrere tausend Fans den Knappen hinterher. An ein Auswärtsspiel kommen durchschnittlich über 7000 Unterstützer der Knappen an die Spiele. Bestwert in ganz Deutschland.
🔵 #S04 ⚪️ pic.twitter.com/HHjCCapQXc
— FC Schalke 04 (@s04) November 1, 2024
Doch langsam aber sicher reisst die Geduld der Fans. Bereits letzte Saison wurde mehrfach der Support der organisierten Fangruppierungen eingestellt, und auch in dieser Saison beim Heimspiel gegen Fürth machten die Fans nach einer fürchterlichen ersten Halbzeit keine Stimmung mehr. Seit der letzten Spielzeit hallen immer wieder Parolen wie «Wir sind Schalke, was seid ihr?» oder «Wir wollen euch kämpfen sehen!» aus der Schalker-Nordkurve.
Seit Jahren sind die hohen Schulden ein weiteres grosses Problem der Schalker. Stand 30. Juni 2024 fehlen dem S04 rund 163 Millionen Euro. Die Lizenz für die aktuelle Saison erhielt der Verein nur unter Auflagen. Eine dieser Bedingungen ist, die Schulden um 5,5 Millionen zu senken. Sollte diese Auflage nicht eingehalten werden, würde ein Punkteabzug drohen.
Dank des Verkaufs von Assan Ouedraogo für 9 Millionen Euro an RB Leipzig und weil Schachtar Donezk ihre Heimspiele der Champions League in Gelsenkirchen austragen, kann der Verein mit einigen Zustüpfen rechnen. Es bleibt zu hoffen für die Knappen, dass es reicht, um das nötige Loch zu stopfen. Denn ein Punkteabzug wäre in der aktuellen Lage verheerend.