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Fecht-WM: Ukrainerin disqualifiziert, weil sie Russin die Hand nicht gibt

Olga Kharlan of Ukraine reacts after defeating Cyrielle Rioux of France during the women's FIE fencing sabre grand prix competition in Seoul, South Korea, Saturday, April 29, 2023. (AP Photo/Lee  ...
Für Olympiasiegerin Olga Charlan endete die WM in einer bitteren Enttäuschung.Bild: keystone

Eklat an der Fecht-WM: Ukrainerin verweigert Russin nach Sieg Handschlag – disqualifiziert

Sportliche Wettkämpfe zwischen der Ukraine und Russland gibt es seit Beginn des Krieges nur im Tennis regelmässig. Nun tritt Fecht-Olympiasiegerin Olga Charlan an der WM in Mailand gegen eine Russin an - und es gibt ziemlich Wirbel.
27.07.2023, 17:1327.07.2023, 18:19
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Olga Charlan streckte Anna Smirnowa den Säbel entgegen, die Hand wollte sie der Russin nicht reichen. Dies, nachdem die vierfache Säbel-Weltmeisterin in der Runde der letzten 64 Smirnowa mit 15:7 besiegt hatte; die 23-jährige Russin durfte unter neutraler Flagge antreten.

Das Duell war nur zustande gekommen, weil am Vorabend das ukrainische Sportministerium die Erlaubnis für die Teilnahme an solchen Wettkämpfen erteilt hatte, wenn Russen oder Belarussen als Neutrale antreten.

Gut 20 Mitglieder der ukrainischen Delegation unterstützten Olga Charlan, riefen immer wieder «Slawa Ukrajini» («Ruhm der Ukraine»). Nach Ende des Gefechts weigerte sich Smirnowa, die Planche zu verlassen, da sie von ihrer Gegnerin nicht gebührend verabschiedet wurde. Als sie mit ausgestreckter Hand auf sie zugegangen war, hatte die Ukrainerin nur kurz den Kopf geschüttelt und der Russin den Säbel entgegengehalten. Smirnowa liess sich auf einem Stuhl nieder, ehe der ihr wieder weggenommen und ihr Sitzstreik beendet wurde.

Russia's Anna Smirnova remains seated after her bout with Ukraine's Olga Kharlan in the women's individual sabre best of 64 round match at the World Fencing Championship in Milan, Italy ...
Anna Smirnowa blieb nach ihrer Niederlage und dem verweigerten Handschlag sitzen.Bild: keystone

Später nahm das Ganze nochmals eine Wende. Olga Charlan wurde disqualifiziert, weil sie sich geweigert hatte, ihrer russischen Gegnerin die Hand zu schütteln, nachdem sie diese besiegt hatte. Der ukrainische Verband legte daraufhin Protest gegen den Entscheid ein.

Am Vortag hatte der ukrainische Degenfechter Igor Reizlin den Kampf gegen den Russen Wadim Anochin boykottiert, der als neutraler Athlet antrat. Der Olympia-Dritte von Tokio ging in der Runde der letzten 64 nicht auf die Planche, auf der Anochin wartete. Der Kampf wurde deshalb als «nicht angetreten» zugunsten des Russen gewertet.

Schweizer Degenfechterinnen weiter

Derweil qualifizierte sich das Schweizer Degenteam der Frauen im Teamwettkampf mit Siegen gegen Mexiko (45:33) und China (45:44) für die Achtelfinals vom Freitag. (dab/sda/dpa/afp)

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248 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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nfliess
27.07.2023 17:53registriert März 2014
Dass die Russen überhaupt antreten dürfen, ist ein Hohn!
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butlerparker
27.07.2023 18:19registriert März 2022
Der Sitzstreik der Russin+die daraufhin erfolgende Disqualifikation zeigen, warum RUS Sportler eben nicht mehr antreten dürfen.Das war eine ganz klare Provokation+auch noch erfolgreich.Das macht einen fassungslos.

Die Ukrainerin hatte schon vorher angekündigt,daß sie den Handschlag verweigern wird.Gerade dann geht die RUS mit ausgerstreckter Hand auf sie zu.

Man hat den Eindruck,daß RUS Athleten jetzt erst recht hier Zeichen setzen wollen+den Krieg auf die sportliche Ebene übertragen wollen.

Wenn hier jemand was von Fairness fabuliert, ist es fair sich tmit der Niederlage nicht abzufinden??
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Project47North
27.07.2023 18:08registriert August 2022
Eines muss man der ukrainischen Athleten lassen... Sie ziehen ihr Ding ohne Wenn und Aber durch.
Selbst Disqualifikationen nehmen sie dafür in in Kauf.
Meine Anerkennung haben sie dafür.
Allerdings bleibt jedoch die Frage offen, ob der Sport der richtige Platz für politische Statements ist.
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