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Interview

Fabio Celestini: Der FCB ist «das Beste, was die Schweiz zu bieten hat»

FC Basels Trainer Fabio Celestini gibt Anweisungen im Fussball Cup Achtelfinal zwischen dem SC Kriens und dem FC Basel am Mittwoch, 1. November 2023 im Stadion Kleinfeld in Kriens. (KEYSTONE/Philipp S ...
Fabio Celestini schätzt das professionelle Umfeld beim FC Basel. Bild: keystone
Interview

Fabio Celestini: Der FCB ist «das Beste, was die Schweiz zu bieten hat»

Der dritte FCB-Trainer der noch jungen Saison spricht im Interview in der Länderspielpause über seine Ex-Klubs, seine Werte und die aktuelle Situation beim Tabellenletzten in Basel.
21.11.2023, 07:3921.11.2023, 12:25
jakob weber
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Spricht man Ihren Namen italienisch oder französisch aus?
Fabio Celestini:
Meine Familie ist 1973 aus Umbrien in die Schweiz gekommen. Daher spricht man meinen Namen korrekterweise Tschelestini aus. Auch wenn die Romands das oft nicht machen und Séléstini sagen.

Fühlen Sie sich mehr als Schweizer oder Italiener?
Schweizer wurde ich eigentlich erst mit 19 Jahren, als die Nationalmannschaft rief. Aber so richtig fühle ich mich keiner Nation zugehörig. Ich fühle mich in Italien, in der Schweiz, in Spanien, Panama oder auch in Miami, wo ich dieses Jahr eine Wohnung gemietet und Ferien gemacht habe, wohl. Ich liebe es, neue Kulturen zu entdecken. Und das liebe ich auch an meinem Job, dass ich unterschiedliche Menschen und Länder kennenlernen kann.

Kommt der Bezug zu Panama über Ihre zweite Frau?
Ja, wir haben auch eine gemeinsame zehnjährige Tochter, die in Panama lebt. Wir sind nicht mehr zusammen, aber ich sehe meine Tochter regelmässig, wie auch meine beiden Söhne aus erster Ehe. Aber wenn wir über mein Privatleben reden wollen, könnte es lange dauern (lacht). Ich muss den Preis für gewisse Entscheidungen zahlen und sehe meine Kinder nicht so oft wie andere Väter. Aber die Beziehung ist dennoch fantastisch. Immer wenn wir uns sehen, geniessen wir die Zeit in vollen Zügen. Meine Söhne reisen auch oft an meine Fussballspiele.

Sie sprechen fünf Sprachen.
Korrekt. Italienisch, Spanisch, Französisch, Deutsch und Englisch. Aber bei letzteren beiden Sprachen fällt es mir schwer, zu wechseln. Wenn ich zwei Minuten mit Jonas Adjetey auf Englisch geredet habe, fällt mir auf Deutsch selbst «Guten Tag» nicht mehr ein (lacht).

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Celestini absolvierte 35 Spiele für das Schweizer Nationalteam. Bild: KEYSTONE

Haben Sie bei der Nationalmannschaft Deutsch gelernt?
Nein, Köbi Kuhn hat Zürideutsch gesprochen. Da habe ich kein Wort verstanden (lacht). In der Schule in Lausanne hatte ich Deutschunterricht. Aber das hat nicht viel gebracht. Doch als ich 2020 zum FC Luzern kam, sagte ich, dass ich von Beginn an die Pressekonferenzen und Interviews auf Deutsch machen will. Die Fussballvokabeln habe ich mir angeeignet, und dann profitiere ich von meiner Gabe, dass ich neue Wörter nur einmal hören muss, um sie mir zu merken. Aber auch heute muss ich noch ab und an ein Wort googeln, wenn ich eine Ansprache vorbereite. Denn beim FC Basel spreche ich mehrheitlich deutsch.

Haben Sie schon eine Wohnung in Basel gefunden?
Ja. Morgen verlasse ich das Hotel und ziehe in eine möblierte Wohnung. Es wird Zeit, denn zuletzt habe ich mehr FCB-Trainingskleider getragen als eigene. Auch wenn mir meine Freundin weitere Kleider aus Valencia mitgebracht hat.

Wo ist Ihre Homebase?
Eigentlich Sion. Aber auch Valencia und neuerdings Basel.

Warum hat es beim FC Sion nicht funktioniert? Dort wurden Sie im vergangenen März nach nur sechs Spielen entlassen.
Weil die Mannschaft andere Werte hatte als ich. Das hat auch Präsident Christian Constantin öffentlich so gesagt. Mir sind Arbeit, Disziplin und Entwicklung wichtig. Ohne diese Prinzipien hätte ich mit meiner fussballerischen Qualität nie fünf Jahre in der Primera Division auf höchstem Niveau spielen können.

Hat die aktuelle FCB-Mannschaft ähnliche Werte wie Sie?
Der erste Tag war schwierig. Das Gefühl war: Huhhh (pustet tief durch). Doch wir hatten gleich ein Spiel in Kriens, und schon am zweiten Tag war es besser und nach dem ersten Sieg noch besser. Unterdessen bin ich sicher, dass ich nicht noch einmal die gleichen Probleme wie in Sion haben werde.

Haben Sie die Probleme in Sion schnell festgestellt?
Ich wusste nach einer Woche, dass das nicht funktionieren wird. Mit keinem Trainer. Ich sagte mir, du musst gehen. Doch ich bin ein Kämpfer. Ich musste jedoch realisieren, dass ich nicht Superman bin. Mit Constantin hatte ich jeden Freitag gute Gespräche. Bis zum Schluss. Er war immer ehrlich. Das ist mir wichtig. Und ich will betonen, dass CC nie ein schlechtes Wort über mich verloren hat. Das ist als Sion-Trainer auch eine Leistung (lacht).

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Celestinis Sion-Abenteuer war nach nur sechs Spielen wieder vorbei.Bild: KEYSTONE

Jetzt haben Sie mit David Degen ebenfalls einen leidenschaftlichen Präsidenten, der ehrlich sagt, was er denkt.
DD nach CC. Ich habe einen Sprung gemacht (lacht).

Wie darf man sich Ihre Beziehung mit Degen vorstellen?
Ich habe David direkt angerufen und gesagt, er kann jederzeit zu mir kommen und mir sagen, was ihm auf dem Herzen liegt. Das passiert auch, manchmal geht es dann auch gar nicht um Fussball. David hat keinen Filter (lacht). So ist er, und so war er schon immer. Aber ich habe auch viel Leidenschaft und ich hatte nie Probleme mit ehrlichen Personen. Auch nicht mit Angelo Renzetti bei Lugano. Nicht mit Christian Constantin und bislang auch nicht mit David Degen. Als Trainer ist es gut, wenn du weisst, was der Chef denkt.

Luzern haben Sie nicht erwähnt.
Dort war es diplomatischer, formeller. Das war auch okay, ich habe bis zur letzten Sitzung nie etwas Negatives gehört. Die ganze Stadt hat mich unglaublich gut behandelt. Ich bin auch nach der Entlassung noch länger dort wohnhaft geblieben. Enttäuscht bin ich nur, wie es geendet hat. Sehr enttäuscht.

Was ist in der letzten Sitzung passiert?
Das bleibt intern. Die Verantwortlichen wissen, was ich meine.

Wie gut ist die aktuelle FCB-Mannschaft im Vergleich zu Sion, Luzern, Lugano oder auch Lausanne, die Sie alle auch schon im Abstiegskampf trainiert haben?
Schwer zu sagen. Die Mannschaft hat Potenzial. Aber es ist noch in der Luft. Lugano hatte vielleicht kein Potenzial mehr, aber funktionierte dafür. Ich weiss noch nicht, wie weit die Entwicklung des Teams führt. Zwei Schritte oder zwanzig? Wir werden sehen.

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Findet Basel unter Celestini zurück auf die Erfolgsspur?Bild: keystone

Ist der FCB Stand heute aber als Tabellenletzter auf dem Niveau von Sion vor acht Monaten?
Nein. Auch Sion hatte zwar Potenzial, aber dort wollte man nicht an sich arbeiten. Hier spüre ich, dass sich die jungen Spieler weiterentwickeln wollen. Ich spüre die Lust. In Luzern habe ich jede Woche gesagt: Wenn es nicht läuft, kannst du weinen oder kämpfen. Ich habe mich klar fürs Kämpfen entschieden. Und kämpfen müssen wir auch in Basel, um das Momentum zu drehen. Fussball ist am Ende kein Glück, sondern Mathematik. Wenn du jeden Tag gut arbeitest, der Verein und das Umfeld in die gleiche Richtung ziehen und an ein Ziel glauben, kannst du dich entwickeln und das Ziel erreichen. Die aktuelle FCB-Mannschaft ist nicht schlechter als die, mit der ich in Luzern 2021 den Cup gewonnen habe.

Wie arbeiten Sie mit den jungen FCB-Spielern, um sie wieder in die Spur zu bringen?
Es ist nicht einfach. Zunächst musste ich die Spieler kennenlernen, viele Gespräche führen, um herauszufinden, wie ich sie pushen und entwickeln kann. Jeder Mensch funktioniert mit eigenem Benzin. Und ich will wissen, mit welchem.

Sind Sie momentan mehr Psychologe als Fussballtrainer?
Beides. Für viele junge Spieler ist es momentan in Basel nicht einfach, mit den negativen Erlebnissen umzugehen und dem Druck standzuhalten, am Wochenende vor 20'000 Menschen zu performen. Alle sind mit anderen Erwartungen zum FCB gekommen. Da probiere ich, ihnen durch Gespräche und die tägliche Arbeit auf dem Platz mehr Luft zum Atmen zu geben. Mir ist am Ende wichtiger, dass sich meine Spieler entwickeln, als Titel zu gewinnen. Es freut mich mehr, wenn ich sehe, dass Filip Ugrinic Nationalspieler wurde und mir schreibt, als einen Cupsieg mit dem FC Luzern im CV stehen zu haben. Dafür bin ich Fussballtrainer geworden.

In Ihrem CV steht jetzt auch der FCB. Warum erst 2023 und nicht schon 2020, wo es auch schon Kontakt gab?
Ich weiss nicht, warum ich damals nicht FCB-Trainer wurde. Ich hatte ein gutes Gespräch mit Sportdirektor Ruedi Zbinden, mit dem ich mich schon länger gut verstehe. Doch dann hat er mir ein langes SMS geschrieben, dessen Zusammenfassung «Sorry, du wirst es nicht» war. Als Ruedi sich jetzt wieder gemeldet hat, war ich sehr überrascht.

Warum waren Sie direkt Feuer und Flamme?
Weil der FCB vom ganzen Drumherum her immer noch das Beste ist, was die Schweiz zu bieten hat. Meinem neuen Assistenztrainer Martin Rueda sagte ich gerade erst: Basel ist nicht wie die Schweiz. Alles ist viel professioneller. In Lausanne musste ich den Spielern noch selber Shirts und sogar Unterhosen kaufen. In Lugano und Sion ist die Infrastruktur nicht die beste. In Luzern war es okay, aber es war nicht einfach, mit der Stadt in Sachen Trainingsfelder einen Konsens zu finden. Da schliesst dann plötzlich einer ab, obwohl du noch etwas brauchst. Hier in Basel machen erstmals alle alles für den Verein. Erstmals in meiner Trainerkarriere habe ich wieder alles, was ich brauche und was ich aus meiner Zeit als Spieler gewohnt war. Alles ist gut, nur der Tabellenplatz nicht. Noch nicht.

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27 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Truth Hurts
21.11.2023 09:08registriert Mai 2016
Der FCB ist «das Beste, was die Schweiz zu bieten hat»

🤣
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TCMek
21.11.2023 08:30registriert Dezember 2021
Ja, als Kanonenfutter kann dem FCB niemand das Wasser reichen.
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Mi Gräne
21.11.2023 08:18registriert Juni 2021
wenn man die Tabelle dreht!
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