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Switzerland's Roger Federer reacts during the press conference following his defeat by Serbia's Novak Djokovic in the men's singles final match of the Wimbledon Tennis Championships in London, Sunday, July 14, 2019. (Joe Toth, AELTC Pool Photo via AP)

Federer wirkt an der Pressekonferenz nach dem verlorenen Wimbledon-Final sehr gefasst. Bild: AP

Interview

Mehr Wut als Enttäuschung bei Federer: «Habe eine unglaubliche Chance verpasst»

Nach der Fünfsatzniederlage gegen Novak Djokovic im Wimbledon-Final zeigte sich Federer enttäuschter, als es dies auf dem Platz an der Siegerehrung den Anschein gemacht hatte. Der 37-jährige Baselbieter sprach von einer gewissen Wut und einer verpassten Chance.



Roger Federer, was hat heute zum Sieg gefehlt?
Wohl einfach ein einziger Schlag.

Was ging Ihnen nach den beiden vergebenen Matchbällen durch den Kopf? Dachten Sie danach, die Partie sei verloren?
Nein, ich versuchte das Positive zu sehen. Wenn mir vor der Partie jemand gesagt hätte, dass es 9:9 im fünften Satz stehen würde, hätte ich das nicht als schrecklich empfunden. Aber klar war es hart, diese Chancen vergeben zu haben.

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Die Pressekonferenz mit Roger Federer. Video: YouTube/Wimbledon

Ist es schwieriger, wenn man so knapp verliert als klar in drei Sätzen?
Schwierig zu sagen, am Ende spielt es keine Rolle. Vielleicht ist man enttäuschter, trauriger, wütender. Ich habe das Gefühl, dass ich eine unglaubliche Möglichkeit verpasst habe.

Die Fans waren heute klar auf Ihrer Seite, Novak Djokovic ist seit jeher die «Nummer 3» hinter Ihnen und Rafael Nadal. Denken Sie, dass dieser Sieg die öffentliche Wahrnehmung ändern wird?
Dazu müssten sie auf die Strasse gehen und die Leute und die Fans fragen. Schauen Sie, wir wissen, wie gut Novak in den letzten Jahren war und immer noch ist. Aber natürlich trägt jeder Erfolg dazu bei.

Erster verlorener Final nach Matchball seit 2004

Im 5. Satz des Wimbledon-Finals gegen Novak Djokovic hatte Roger Federer beim Stand von 8:7 zwei Matchbälle und verlor anschliessend das Spiel noch. In Grand-Slam-Finals kommt das sehr selten vor, insgesamt erst zum zehnten Mal. Letztmals passierte dies Guillermo Coria, der beim French Open 2004 den rein argentinischen Final gegen Gaston Gaudio 6:0, 6:3, 4:6, 1:6, 6:8 verlor. (sda)

So nah am Sieg:

Kann man diesen Final mit demjenigen von 2008 und der Niederlage gegen Rafael Nadal vergleichen?
Diesmal ging es schneller, weil wir keine Regenunterbrechungen hatten, auch die Dunkelheit spielte keine Rolle. Aber klar, es war ein episches Ende und die Partie in vielen Momenten sehr eng. Aber ausser, dass ich beide Matches verloren habe, sehe ich keine Ähnlichkeiten.

Tennisspieler mit mindestens zwei Grand-Slam-Titeln (seit 1968)

Nach der damaligen Niederlage waren Sie am Boden zerstört. Heute wirken Sie gelassener. Täuscht dieser Eindruck?
Ich bin sicherlich älter geworden. Diesmal bin ich eher wütend als enttäuscht oder traurig.

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Die Highlights der Partie. Video: YouTube/Wimbledon

Wie verarbeiten Sie solche Niederlagen? Welche Mechanismen haben Sie über die Jahre dafür entwickelt?
Es ist ähnlich, wie wenn man zum Matchgewinn serviert und dann gebreakt wird. Irgendwann vergisst man die Niederlage, dann ist sie weg. Meistens geht das ziemlich schnell. Je weniger ich darüber reden muss, desto besser. Es bringt ja nichts, ich kann die Zeit nicht zurückdrehen und nochmals spielen. Ablenkung habe ich genug. Es hilft, auch nicht an einem Turnier zu sein und vor Journalisten darüber reden zu müssen.

Wie schaffen Sie es, nach so einer Niederlage zurückzukommen?
Es ist ähnlich, wie wenn man zum Matchgewinn serviert und dann gebreakt wird. Man versucht zu vergessen und nimmt die guten Sachen heraus, denn davon gibt es sehr viele. Das habe ich auch 2008 getan. Im Moment tut es sehr weh, wie jede Niederlage in Wimbledon. Es ist eine frage der Einstellung, ich bin sehr stark dabei, wieder vorwärts zuschauen.

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Federers Rede bei der Siegerehrung. Video: YouTube/Wimbledon

Sie werden in der Liste der meisten Grand-Slam-Sieger von Nadal und Djokovic bedrängt. Stresst sie das oder ist dies für Sie irrelevant?
Es war für mich eine grosse Sache, als ich nahe dran war, mir noch zwei Titel fehlten, ich den Rekord egalisieren oder brechen konnte. Danach hat sich das Ganze etwas verändert. Es gibt mehrere Dinge, woraus ich meine Motivation ziehe, aber nicht unbedingt daraus, in dieser Wertung vorne zu bleiben, weil ich den Rekord gebrochen habe. Wenn jemand anderem dies gelingt, dann ist das grossartig für ihn. Ich bin nicht deswegen dem Rekord Tennisspieler geworden, sondern weil ich in Wimbledon gewinnen wollte. Und noch heute spiele ich, um auf diesem Centre Court, vor einer solchen Kulisse gegen Spieler wie Novak zu anzutreten.

Sie haben vor Wimbledon im Vergleich zu den letzten beiden Jahren sehr viel gespielt. Wie sieht Ihre Planung für den Rest der Saison aus?
Es hat mir geholfen, auf Sand zu spielen, so hatte ich viel Matchpraxis und die nötige Matchhärte. Ich bin froh, wie ich in Halle und in Wimbledon gespielt habe, ich kann von den letzten zwei Monaten sehr viel Positives mitnehmen. Als Team haben wir entschieden, dass wir das Turnier in Montreal auslassen werden, um mir ein wenig Erholung zu gönnen. Ich wünschte, ich hätte noch ein wenig mehr. (pre/sda)

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Die Pressekonferenz mit Djokovic. Video: YouTube/Wimbledon

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Federers Niederlagen, bei denen er Matchbälle vergab

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