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An der Seite von Roger Federer (links) verfolgt Marco Streller den FC Basel in der Conference-League-Qualifikation.
An der Seite von Roger Federer (links) verfolgt Marco Streller den FC Basel in der Conference-League-Qualifikation.
Bild: www.imago-images.de
Interview

Streller über FCB-Rückkehr: «Bin nicht hier, um mich zu rehabilitieren»

Marco Streller erklärt nach seiner FCB-Rückkehr seine Rolle, seine Beziehung zu Burgener und wie der ehemalige Sportchef der Basler es schaffen will, nicht im Sport mitzumischen.
13.08.2021, 17:39
Céline Feller / CH MEdia

Sie sind zurück beim FC Basel. Können Sie uns erklären, was Sie genau machen?
Marco Streller:
Es ist so, dass jedes Unternehmen einen Botschafter braucht. Diese Rolle ist sehr wichtig, gerade auch gegenüber den Fans. Das ist sicher ein Teil der Aufgaben, den Verein zu repräsentieren. Ein anderer Teil ist, neue Geschäftsfelder zu eruieren. Ich habe da ein paar Ideen, die aber noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Das wird aber mein Hauptfokus werden, diese Ideen auszuarbeiten. Und man weiss ja, dass es im Schweizer Sport nicht so einfach ist, solche neuen Felder zu erschliessen.

Sie sind, wie Sie selbst sagen, auch Ambassadeur, also Botschafter, des Klubs. Sind Sie der neue Karli Odermatt?
Nein, sicher nicht. Karli Odermatt ist Karli Odermatt und ich bin Marco Streller. Karli hat aber unglaublich viel gemacht für den Verein. Er hat, gerade auch früher in schwierigen Zeiten, viel Geld hereingeholt. Er wird aber auch nicht jünger – und das wird er mir nicht übelnehmen, dass ich das sage. Er hat hier seine Geschichte, ich habe meine, wir beide haben eine grosse mit dem Verein und es ist mir auch eine Ehre, da mit ihm verbunden zu werden.

Wie ist es zu Ihrer Rückkehr gekommen? War David Degen die treibende Kraft?
Das hat nicht nur mit David zu tun, nein. Ich habe gespürt, dass die ganze neue Führungscrew – und da sage ich explizit, dass es nicht nur von Dave aus gekommen ist – mich unbedingt wollte. Wir haben diverse Gespräche geführt. Es passte aber eigentlich gar nicht in meine Pläne, hier sofort anzufangen. Es war dann bei den Gesprächen ein beidseitiger Wunsch, dass ich nichts mit dem Sport zu tun haben werde. Es kommt meinen Fähigkeiten entgegen, Leute zu einen, den Weg in die Herzen der Leute wieder zu finden. Ich finde, da hat die neue Führung schon einen grossen Schritt gemacht.

Die Stimmung um den FCB ist allgemein sehr angenehm. Aber man muss heutzutage auch innovativ sein, dazu habe ich auch Weiterbildungen gemacht. Mein Netzwerk ist sicherlich auch interessant. Sie haben mich dann in diversen Diskussionen überzeugt, dass das, was ich jetzt bieten kann, gefragt ist. Die Verhandlungen habe ich dann aber beispielsweise mit Dani Büchi geführt, nicht mit Dave. Wichtig war da für mich auch, dass ich meine Anstellung bei Blue behalten kann.

Aber Ihre Verbindung mit Degen war auch während des Machtkampfs eng.
Es ist so, dass ich mit David immer in Kontakt war. Auch bevor er übernommen hat. Ich habe bei der Übernahme keine aktive Rolle gespielt, das hätte mich zu sehr mitgenommen. Ich habe ihn aber bestärkt und auf eine saubere Lösung im Sinne des FCB gehofft. Darauf spekuliert, dass ich zurückkehren könnte zum Verein, sollte er übernehmen, habe ich aber nicht.

Sie kennen ihn gut, ebenso die anderen Personen im Sportgremium. Dennoch wollen Sie sich aus dem Sport heraushalten. Geht das?
Das Gremium ist sehr kompetent, das hat man ja auch schon gesehen anhand der Transfers. Ich habe mit allen eine Geschichte, mit Christian Gross, Ruedi Zbinden, Philipp Kaufmann, Dave. Das ist so. Wenn wir uns begegnen, reden wir über Fussball, klar. Aber ich werde mich raushalten können und bin froh darüber, dass ich das tun kann. Man muss seine guten Fähigkeiten nutzen und ich denke, meine passen auf das Jobprofil, welches ich jetzt ausübe.

Sie haben die neuen Ideen angesprochen, welche Sie haben. Gehört es da dazu, Roger Federer mit ins Boot zu holen? Mit ihm haben Sie sich das Ujpest-Spiel angeschaut.
Nein, das hat nichts mit ihm zu tun. Wir hatten Kontakt, er sagte mir, dass er gerne wieder mal ein Spiel im Stadion schauen wolle, und dann haben wir abgemacht. Über andere Dinge haben wir nicht geredet. Es hat ihm aber riesige Freude gemacht, er war auch ewig nicht mehr da.

Sie ja auch nicht. War das Ihr erstes Spiel, welches Sie seit Ihrem Abgang wieder im Stadion verfolgt haben?
Ich glaube fast ja. Vorher bin ich bewusst noch nicht gekommen, weil es für mich nicht gepasst hat. Man muss alles verarbeiten und reflektieren können. Dann war auch noch die Pandemie dazwischen. Ohne diese wäre ich sicher früher mal gekommen. Denn ich bin Fan vom FC Basel und der FCB ist grösser als jeder Name. Ein Name, der dennoch angesprochen werden muss, ist Bernhard Burgener. Ich habe Bernhard am Spiel am Donnerstag gesehen. Wir haben uns die Hand gegeben, es ist alles okay. Aber ich möchte all diese alten Dinge auch nicht wieder aufwärmen.

Mit Streller und Federer waren auch Odermatt und Burgener (von rechts) in der Loge.
Mit Streller und Federer waren auch Odermatt und Burgener (von rechts) in der Loge.
Bild: www.imago-images.de

Aber Sie haben eine Meinung dazu.
Natürlich habe ich mir meine Gedanken gemacht. Ich habe versucht, so wenig wie möglich mitzumischen, weil es mich nichts anging. Ich war in einer ähnlichen Position wie die Fans, nur dass ich durch meine Kontakte vielleicht etwas mehr mitbekommen habe. Die neue Führung hat bis jetzt aber einen super Job gemacht. Man darf aber nicht vergessen, wo der FCB vor sechs Monaten war und wo er jetzt ist. Da ist Demut und Bescheidenheit angebracht. Demut ist zwar ein Modewort geworden, aber sie machen es gut. Und wäre die neue Crew nicht gekommen, wäre ich heute kaum wieder hier.

Wie emotional ist es für Sie, zurück beim FCB zu sein?
Mit der Geschichte, die ich mit dem Verein habe, schlägt mein Herz natürlich höher, wenn ich ins Stadion komme. Es war ein besonderer Moment, erstmals wieder hier zu sein, und die Reaktionen waren grösstenteils sehr positiv.

Sie sagten, es habe eigentlich nicht in Ihre Pläne gepasst, jetzt zum FCB zu kommen.
Weil ich noch meine Ausbildung beenden möchte. Das waren intensive eineinhalb Jahre, ich musste oft aus meiner Komfortzone raus. Ich habe aber auch spannende Leute kennen gelernt und habe über den Tellerrand hinausgeschaut. Das war alles unglaublich bereichernd und für mich war klar, dass ich das abschliessen möchte. Ich habe im August noch ein letztes Modul in meiner KMU-Ausbildung. Und ob ich meine CAS-Diplomarbeit bestanden habe, weiss ich ebenfalls erst im Oktober. Danach wollte ich mich neu ausrichten. Es ging dann mit dem FCB aber alles plötzlich sehr schnell, sodass ich auch nicht sagen konnte, ich komme erst in einem Jahr.

Sie haben sich weitergebildet, aber sich auch bewusst eine Pause genommen. Wie wichtig war das?
Es hat sicher gutgetan, und ich schätze es auch sehr, dass ich es mir aufgrund meiner Karriere erlauben konnte, mich mal für eine Zeit zurückzuziehen. Die Dinge, die davor nicht einfach waren, diese Erfahrungen, die haben mich aber auch weitergebracht. Ich habe Sachen hinterfragt und sehe nun in der neuen Konstellation beim FCB, dass sie einen klaren Plan haben. Auch mit mir. Sonst hätte es keinen Sinn gemacht, zurückzukehren. Ich will nur noch machen, was mir Freude macht. Und ich bin nicht hier, um mich zu rehabilitieren. Ich hätte auch andere Optionen gehabt, ausserhalb des Fussballs.

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