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epa07086266 Switzerland's Xherdan Shaqiri reacts during a training session at King Baudouin Stadium, Brussels, Belgium, 11 October 2018. Switzerland will face Belgium in their UEFA Nations League soccer match on 12 October 2018.  EPA/ENNIO LEANZA

Xherdan Shaqiri ist vor dem Nations-League-Duell mit Belgien auffallend gut drauf. Bild: EPA/KEYSTONE

Xherdan Shaqiri: «Mich muss man nicht bei Laune halten»

Xherdan Shaqiri hat bereits 76 Länderspiele auf dem Buckel. Und ist trotzdem erst 27-jährig. Ein Gespräch über seine Rolle in der Schweizer Nationalmannschaft, sein Standing bei seinem Klub Liverpool und wie er auf Kritik reagiert.

Christian Brägger / CH Media



Sie sind soeben 27 Jahre alt geworden. Und doch scheint es, als wären Sie eine halbe Ewigkeit im Nationalteam.
Xherdan Shaqiri: Von der aktuellen Mannschaft bin ich tatsächlich am längsten dabei, habe die meisten Länderspiele.

Was bedeuten Ihnen die 76 Länderspiele für die Schweiz?
Sehr viel. Jedes Aufgebot ist wie eine Auszeichnung und macht mich stolz. Es zeigt, dass man zu den Besten des Landes gehört. Und es gibt dir Selbstvertrauen für den Klub. Vielleicht sogar einen Schub.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes Länderspiel?
Sehr gut. Der Gegner war Uruguay. Ich war sehr jung, 19 Jahre alt. Es war speziell, und ich nervös. Den ersten Eckball von der linken Seite habe ich in St. Gallen irgendwo hinter das Tor gesetzt. Der Platz war aber auch nicht so toll damals ...

Nach langem Warten dürfen Sie für die Schweiz endlich auf der Wunschposition hinter der Spitze spielen.
Ich denke, im Nationalteam ist dies die richtige Rolle für mich. Im Zentrum bekomme ich neben klaren Aufträgen des Trainers auch gewisse Freiheiten. Und ich versuche sie zugunsten des Teams auszunützen: Ich lasse mich fallen, bewege mich zwischen den Linien, gehe in den Abschluss, spiele den letzten Pass. Aber ich bin nicht derjenige, der gerne die Bälle hinten in den eigenen Reihen holt.

Im Sommer haben Sie zum FC Liverpool gewechselt. Wie ist das Leben in der neuen Stadt?
Ich lebe noch im selben Haus in Manchester wie zuvor, als ich für Stoke spielte. Nach Liverpool habe ich mit dem Auto knapp 40 Minuten und damit weniger lang als nach Stoke-on-Trent.

Was wissen Sie von der Stadt?
Noch nicht wirklich viel. Ich wüsste nicht, wann ich dazu Gelegenheit gehabt hätte. Als ich zum Klub stiess, waren wir in den USA in der Vorbereitung. Wir kamen zurück und seither ist der Terminkalender absolut voll. Darum hatte ich noch keine Gelegenheit, die Stadt kennen zu lernen. Aber ich habe ja einen langfristigen Vertrag mit dem FC Liverpool, da wird sich das schon noch ergeben ...

epa06989922 Liverpool's Xherdan Shaqiri reacts after the English Premier League soccer match between Leicester City and Liverpool FC at the King Power Stadium in Leicester, Britain, 01 September 2018.  EPA/TIM KEETON EDITORIAL USE ONLY. No use with unauthorized audio, video, data, fixture lists, club/league logos or 'live' services. Online in-match use limited to 120 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications.

Xherdan Shaqiri: Weniger verletzt als früher, dafür in Liverpool wieder bei einem Klub mit Titelchancen. Bild: EPA/EPA

Wie hält Sie Trainer Jürgen Klopp bei Laune? In der Liga spielten Sie in acht Spielen erst 96 Minuten.
Mich muss man nicht bei Laune halten! Der Entwicklungsprozess ist bis anhin gut aufgegangen für mich. Klar, jeder Profi will spielen. Ich auch. Aber es folgen ja noch viele Partien. Zudem muss man einfach auch sehen und anerkennen, was in Liverpool jüngst geleistet worden ist! Da haben eine Menge Leute einen guten Job gemacht! Darum wird nicht von heute auf morgen alles auf den Kopf gestellt. Das, was jetzt abläuft, ist genau das, was ich erwartet hatte. Ich entschied mich für den Transfer zu Liverpool in vollem Bewusstsein, dass ich es bei einem Verein mit diesem Standing schwerer haben würde als beispielsweise bei anderen Klubs, die sich auch um mich bemüht hatten.

Hat der Coach konkret gesagt, was er mit Ihnen vorhat?
Er hat mir beim ersten Kontakt erklärt, er könne sich sehr gut vorstellen, dass ich in sein System passe und zum Fussball, den er spielen lassen wolle.

Vorgestern hatte «Shaq» Geburtstag:

Klopp hat auch gesagt, Liverpool sei der perfekte Club für Sie. Weil Sie sich selbst herausfordern müssten.
Für mich war der Wechsel perfekt. Ich will mich immer verbessern. Ich will Titel gewinnen. Das ist das A und O im Fussball. Und mit dieser Mannschaft sind die Chancen gross.

Wie anders ist das Leben in der Garderobe im Vergleich mit Stoke?
Sicher einmal die Musik vor den Spielen. In Stoke schliefen wir vor den Heimspielen meistens zu Hause, nicht im Hotel wie mit Liverpool. Aber grosse Unterschiede gibt es nicht. Im Fussball ist es in jedem Klub ziemlich ähnlich. Aber natürlich ist Liverpool ein ungleich grösserer Klub.

Wie bereitet sich Liverpool auf die Matches vor?
Spielen wir am Nachmittag, übernachten wir in einem Hotel. Ich glaube, es ist mitten in der Stadt. Es hat in jedem Fall am Abend drumherum immer viele Leute, die man hört. In England sind die Fenster nicht so schalldicht wie anderswo, da hört man einiges.

Switzerland's Xherdan Shaqiri play the ball during a training session the day before the UEFA Nations League soccer match between Belgium and Switzerland, at the King Baudouin Stadium, Brussels, on Thursday, October 11, 2018. (KEYSTONE/Ennio Leanza).

Steffen staunt, was Shaqiri alles mit dem Ball anstellen kann. Bild: KEYSTONE

Was passiert mit Ihnen, wenn Sie heftig kritisiert werden wie jüngst von den Neville-Brüdern?
Es geht in einem Ohr rein und beim anderen raus. Ich lese die Dinge zwar, aber stelle oft fest, wie wenig kompetent sie sind. Meistens kritisieren jene Leute, die neidisch sind. Oder die, die dich nicht mögen.

Sie sind ja schon auch bekannt dafür, auf Kritiker harsch zu reagieren.
Was heisst «harsch»? Richtig ist: Ich kann schon zum Ausdruck bringen, wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin, das mir wichtig ist.

Man erwartet viel von Ihnen. Das impliziert aber auch, dass man Ihnen viel zutraut. Sie haben einmal gesagt, Sie würden sich grausam nerven, wenn man in Ihnen den einzigen Schweizer sieht, der Spiele entscheiden kann. Wie ist es heute?
Es ist noch immer so. Wir sind alle gleich. Wieso soll einer mehr kritisiert werden? Jeder verdient Kritik, wenn er schlecht spielt. Aber alle müssen gleich behandelt werden. Gewisse Medien begutachten mich manchmal strenger als andere. Das sehe nicht nur ich so. Mit den Fans dagegen hatte ich noch nie Probleme.

Sie scheinen nicht mehr so oft verletzt.
Es scheint nicht nur so. Es ist Fakt, dass ich in jüngster Zeit verletzungsfrei gewesen bin. Ich bin topfit, und das zählt!

Schauen Sie besser zu sich?
Nein, ich schaue nach wie vor gleich professionell zu mir.

Sind Granit Xhaka und Sie durch die WM näher zusammengerückt?
Granit und ich hatten es schon immer gut. Es ist vielmehr so, dass das ganze Team nochmals zusammengerückt ist nach all dem Rummel, den es für viele Spieler gab. Es wurde viel berichtet, aber wir wurden nie nervös, nie destabilisiert, sondern halten jetzt noch mehr zusammen.

Wann steht die Schweiz auf dem Zenit?
Für mich gibt es keinen Zenit. Der wäre vielleicht bei einem WM- oder EM-Titel erreicht. Davon sind wir aber noch ein gutes Stück entfernt. Umso wichtiger sind Spiele wie nun gegen Belgien. Da sieht man, wie weit man ist. Ein positiver Auftritt wäre ein weiterer Beleg für einen nächsten wichtigen Schritt in unserer Entwicklung.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Nick Tamer 12.10.2018 16:07
    Highlight Highlight Wenn man sich vorstellt, wie Shaqiri in seiner Kaiseraugster Mundart diese Formulierungen ausführt, kommen einem leichte Zweifel ob er das wirklich so gesagt hat😂
  • Posersalami 12.10.2018 12:55
    Highlight Highlight "Für mich gibt es keinen Zenit. Der wäre vielleicht bei einem WM- oder EM-Titel erreicht."

    Das ist exakt die Einstellung, die in der Vergangenheit gefehlt hat, und welche die "neue" Generation an Spielern auszeichnet.

    Weiter so, immer weiter!
  • Baby Whale 12.10.2018 12:39
    Highlight Highlight Ausser gegen schweden 🤣😂🤣😂
  • Olmabrotwurst 12.10.2018 11:26
    Highlight Highlight Den ersten Eckball von der linken Seite habe ich in St. Gallen irgendwo hinter das Tor gesetzt. Der Platz war aber auch nicht so toll damals ... Klar wer es der Platz keiner würde zugeben das er mit einem Holzfuss geschossen hat.. ansonsten gefällt er mir sehr der Mann und England tut ihm gut :)
  • Jol Bear 12.10.2018 10:57
    Highlight Highlight Seine Zeit bei Liverpool wird kommen. Bereits jetzt ist das Trio Salah-Firminho-Mane nicht mehr so stark wie in letzter Saison und ist berechenbarer für den Gegner. Shaqiri und Sturridge waren, wenn immer sie bisher spielten, sehr gut. Klopp hat also Varianten und wird sie nutzen (müssen).

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