Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05550917 Mario Balotelli of Nice reacts during the French Ligue 1 soccer match between OGC Nice and AS Monaco in Nice, France, 21 September 2016.  EPA/SEBASTIEN NOGIER

Mario Balotelli: Es sollte soooo viel mehr Fussballer von seinem Schlag geben. Bild: SEBASTIEN NOGIER/EPA/KEYSTONE

Kommentar

Das Beste, was dem Profi-Fussball passieren konnte: Mario Balotelli ist endlich wieder der Alte

In den letzten zwei Jahren gelangen Mario Balotelli für Milan und Liverpool insgesamt zwei Treffer. Jetzt bei Nizza: Zwei Spiele, vier Tore. Und schon jede Menge Show. Mario Balotelli ist zurück! Endlich! 



Praktisch seit ich denken kann, spiele ich Fussball. Das sind mittlerweile über 30 Jahre. Was ich dabei – auf Amateur-Niveau muss ich zugeben – am meisten hasse: Diven, Eigenbrötler, Stürmer-die-nie-in-die-eigene-Hälfte-kommen-aber-alles-besser-wissen, Spieler-die-meinen-dass-sie-nur-weil-sie-das-gleiche-Haargel-wie-CR7-benutzen-auch-(mindestens)-gleich-gut-spielen-wie-er. Kurz: Typen wie Mario Balotelli

Spätestens seit seiner Show im EM-Halbfinal 2012 gegen Deutschland und der Muskelmann-Pose kennt den Stürmer die ganze Welt.

Italy's Mario Balotelli celebrates scoring his side's second goal during the Euro 2012 soccer championship semifinal match between Germany and Italy in Warsaw, Poland, Thursday, June 28, 2012. (AP Photo/Vadim Ghirda)

Mario Balotelli: Hört man den Namen, kommt einem sofort dieses Bild in den Sinn.  Bild: AP

Nach der EM 2012 hatte der als Kind von einer italienischen Familie adoptierte Stürmer noch zwei sehr gute Jahre bei Milan. Bei den «Rossoneri» glänzte er mit einer Quote von 26 Treffern in 43 Partien. Daneben lief «Super Mario» insgesamt 33-mal für die Squadra Azzurra auf und erzielte dabei 13 Tore.

Aber was Balotelli fast noch mehr begleitete, waren seine Eskapaden neben dem Platz. Extravagante Frisuren, 27 Mal einen abgeschleppten Maserati («Daily Mail») oder einfach nur gute Sprüche wie, damals, als er gefragt wurde, ob er mal für Barcelona spielen wolle: «Nein, ich spiele nicht Fussball mit Mädchen» – bei «Super Mario» gab es nichts, was es nicht gab.

Die besten Sprüche von Mario Balotelli

Noch ein «richtiger Typ»

Ein anderer Spruch war: «Ich bin intelligenter als die Norm, nur kann ich es nicht beweisen.» Er sagt's und macht dann Sachen wie im Dezember 2012, als er ein Taxi für 1000 Euro von Manchester nach London vor sich her fahren lässt, nur weil er den Weg nicht kennt. Und während seiner Zeit bei Liverpool wird Balotelli – der während seiner Karriere und selbst in Italiens Nationalmannschaft so oft von primitivstem Rassismus betroffen war – einmal für einen Instagram-Post mit 25'000 Pfund gebüsst. Grund: Er war rassistisch.

Der hochtalentierte Angreifer fiel immer tiefer. Die Leistungen bei Liverpool waren derart unterirdisch, dass die «Reds»-Fans einen Gesang auf ihn texteten – der aus Spott zum Ende bei fast jedem gelungenen Pass des Italieners zelebriert wurde: «Mario fantastico, Mario magnifico, olé olé, olé olé!»

Doch es gibt auch den anderen Mario Balotelli. Derjenige, der für Andrea Pirlo einst am Piano die italienische Hymne spielte oder der sich mit einem handgeschriebenen Brief von Steven Gerrard verabschiedete. Oder dann postete er auf Instagram ein Video, wie er bügelt und ein Buch liest. Natürlich mit nacktem Oberkörper und tanzend.

Kurz Mario Balotelli war irgendwie das, was im Fussball von vielen zwar oft kritisiert, aber eben auch vermisst wird: Ein echter Typ. Einer, der all die unzähligen Medienschulungen für aufstrebende Talente irgendwie verpasste. Einer, der einfach frei von der Leber spricht.

Nicht wie beispielsweise St.Gallens neuer Held Albian Ajeti, der nach dem Kellerduell gegen Thun hinsteht und erklärt, dass er nur dank seinen Teamkollegen den wichtigen Siegestreffer erzielen konnte. Ajeti ist 19 und hört sich bereits wie ein 35-jähriger Routinier an. Einfach so auswechselbar. Einer wie alle anderen.

«Jubelt der Briefträger, wenn er einen Brief einwirft?»

Aber zurück zu Balotelli: Lucien Favre gab dem Exzentriker eine letzte Chance bei Nice. Der Präsident meinte, es sei ein Risiko. Der Bad Boy widersprach: «Ich bin kein Risiko.» Und bisher hat er recht. Zur Begrüssung beschenkt er seine Teamkollegen mit Designer-Klamotten und anderen Accessoires im Wert von 15'000 Euro. Beim Debüt gegen Marseille trifft er doppelt. Das erste Tor erzielt er vom Penaltypunkt aus – trotz übler Provokation eines Gegenspielers.

abspielen

Mario Balotellis erstes Tor für Nizza. Video: streamable

Und dann jubelt er so, wie nur er jubeln kann: Er steht emotionslos einfach still und streckt die Arme aus. Bei den weiteren drei Treffern für seinen neuen Arbeitgeber freut er sich noch weniger. Einst sagte der 26-Jährige: «Wenn ich treffe, juble ich nicht, denn ich mache nur meinen Job. Jubelt etwa ein Briefträger, wenn er einen Brief einwirft?»

abspielen

Balotellis zweites Tor gegen Monaco und die Verbeugung vor den Fans.  Video: streamable

Gestern Abend bei seinem 3:0 gegen Monaco macht Balotelli immerhin einige Schritte auf die Fankurve zu und verbeugt sich vor den Fans. In der 78. Minute wird er vorzeitig ausgewechselt, gefeiert wie ein Erlöser. Die Fans lieben ihn schon. Nizza träumt nach dem besten Saisonstart seit 1977/78 vom Titel. Und das «Enfant terrible» bedankt sich auf Instagram artig: «Danke dem Team, danke euch Fans, danke Nizza. Das ist nur der Anfang.»

Nur wegen Balotelli die Ligue 1 schauen

Gestern erwische ich mich dabei, wie ich lieber Nizza – Monaco im TV schaue als Schweizer Fussball oder die Bundesliga-Konferenz. Nur wegen Balotelli. Gibt es einen anderen Spieler, der mich dazu verleitet eine Gurkenliga zu schauen? Früher war das mal Ronaldinho beim PSG und Jay-Jay Okocha liess mich einst kurzzeitig Fan von Eintracht Frankfurt werden. Die heutigen Stars? Nein, leider nicht. Vielleicht Ibrahimovic. Vielleicht CR7. Aber beide nur mit Abstrichen.

Was hältst du von Mario Balotelli?

Spieler wie Mario Balotelli. Im Amateurfussball sind sie für mich der Inbegriff des Idioten, den ich nie in meinem Team haben will. Im kommerzialisierten Profigeschäft kann ich nur eines sagen: Es müsste noch sooo viel mehr Balotellis geben.

Ich habe gar mal kurz nachgeschaut, wie man von Zürich nach Nizza kommt. Mit dem Auto sind's 6:30 Stunden, der Flug dauert eine Stunde und kostet rund 200 Franken. Ich glaube, ich muss meiner Frau mal ein verlängertes Wochenende im Spätherbst an der dann noch milden Côte d'Azur vorschlagen.

Diese 20 Klubs haben seit 2010 am meisten Geld für Transfers ausgegeben

Der Fussball schreibt oft die schönsten Geschichten

Der Goalie mit Pudelmütze sorgt für eine der grössten Sensationen der Fussball-Geschichte

Link zum Artikel

Martin Palermo schafft's ins Guinness-Buch – weil er 3 Penaltys in einem Spiel verschiesst

Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

Link zum Artikel

Mit dem letzten Spiel im Hardturm gehen 78 Jahre Schweizer Fussball-Geschichte zu Ende

Link zum Artikel

Nati-Goalie Zuberbühler schiebt die Schuld für ein Riesen-Ei dem «Blick» zu

Link zum Artikel

Jay-Jay Okocha demütigt Oliver Kahn und drei Verteidiger mit einem Wahnsinnstanz

Link zum Artikel

«Oh Zinédine, pas ça!» Zidanes Kopfstoss im WM-Final gegen Materazzi erschüttert die Welt

Link zum Artikel

«Decken, decken, nicht Tischdecken» – als man(n) im TV noch über Frauenfussball lästerte

Link zum Artikel

Ronaldo kämpft vor dem WM-Final mit dem Tod – warum er trotzdem spielt, bleibt ein Rätsel

Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

Link zum Artikel

«Hoch werd mas nimma gwinnen» – der legendäre Ösi-Galgenhumor beim 0:9 gegen Spanien

Link zum Artikel

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link zum Artikel

Maradona schiesst das Tor des Jahrhunderts – aber in Erinnerung bleibt die «Hand Gottes»

Link zum Artikel

Ailton wettert: «For mi das nicht Profi-Mannschaft, das nicht Profi-Fussball. Unglaublig»

Link zum Artikel

Marco van Basten schiesst den «ewigen Zweiten» mit seinem Traumtor zum EM-Titel

Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link zum Artikel

Die Schweizerin Nicole Petignat pfeift als erste Frau ein Europacup-Spiel der Männer

Link zum Artikel

Das schlimmste Foul im Schweizer Fussball: Gabet Chapuisat zertrümmert Lucien Favres Knie

Link zum Artikel

Andrés Escobar wird nach einem Eigentor an der WM mit 12 Schüssen hingerichtet

Link zum Artikel

Roberto Baggios Penalty in die Erdumlaufbahn lässt ganz Italien weinen

Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

Der SCB-Arzt über 33 Spiele in 55 Tagen: «Das geht aus medizinischer Sicht nicht»

Der SC Bern kehrt heute aufs Eis zurück. Zum ersten Mal seit dem 3:1-Sieg gegen Ambri am 5. Januar darf der SCB wieder ein Spiel austragen. Dazwischen mussten wegen diversen Corona-Fällen und den Return-To-Play-Empfehlungen der medizinischen Kommission von Swiss Ice Hockey ganze sieben Spiele verschoben werden.

Für die Berner steht nun dafür ein umso anstrengenderes Programm an. Bis zum geplanten Ende der Regular Season am 22. März 2021 sind noch 33 Spiele zu absolvieren – in 55 Tagen. …

Artikel lesen
Link zum Artikel