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Lionel Messis Wahl zum Weltfussballer ist lächerlich – ein Kommentar

FILE - Argentina's Lionel Messi celebrates with the trophy in front of the fans after winning the World Cup final soccer match between Argentina and France at the Lusail Stadium in Lusail, Qatar, ...
Lionel Messi ist Weltmeister und gewann auch sonst alles, was es zu gewinnen gibt – aber das darf für die Wahl zum Weltfussballer 2023 nicht ausschlaggebend sein. Bild: keystone
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Diese Wahl ist lächerlich – Messi war 2023 nicht der beste Fussballer

Schon nach dem Gewinn des Ballon d'Or von Lionel Messi war die Aufregung gross. Dieser war noch zu rechtfertigen – beim Award «The Best» von der FIFA ist dies aber nicht mehr der Fall. Im Gegenteil!
16.01.2024, 13:2916.01.2024, 15:17
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Lionel Messi ist wohl der beste Fussballer der Geschichte, der «GOAT». Der Weltmeistertitel, der Gewinn der Copa America, vier Champions-League-Triumphe sowie zwölf nationale Meisterschaften und sieben Cupsiege sprechen eine eindeutige Sprache. 810 Tore erzielte der mittlerweile 36-jährige Argentinier für den FC Barcelona, Paris Saint-Germain und seine Nationalmannschaft, 394 weitere bereitete er zwischen 2005 und 2023 vor.

Es sind wahnsinnige Zahlen, die «La Pulga» während seiner Karriere erreicht hat. Dafür hat er jede seiner persönlichen Auszeichnungen verdient – auch den Ballon d'Or für die Saison 2022/23, weil für diesen eben auch die Weltmeisterschaft in Katar relevant gewesen war. Doch nun ist auch mal genug.

Dass Lionel Messi bei der FIFA-Gala «The Best» zum Weltfussballer des Jahres 2023 gewählt wurde, ist schlicht lächerlich. Der Argentinier gewann diese Auszeichnung bereits im letzten Jahr, weil er die «Albiceleste» dank hervorragender Leistungen zum Weltmeistertitel geführt hatte. Doch für die am gestrigen Montag in London vergebene Trophäe begann der relevante Zeitraum explizit am Tag nach dem WM-Final.

So sollten die Leistungen zwischen dem 19. Dezember 2022 und dem 20. August 2023 geehrt werden. Und da finden selbst Messi-Fans nur wenige Argumente, wonach er der beste Fussballer der Welt gewesen sein soll. Dennoch stimmten die meisten Captains der Nationalteams für Messi, darunter auch der Schweizer Granit Xhaka.

So funktioniert die Wahl
Die Captains und Trainer aller Nationalteams sowie ein Medien-Vertreter pro FIFA-Mitgliedsland stimmen für ihre drei Favoriten. Der Spieler mit den jeweils meisten Stimmen bekommt 13 Punkte, der zweite 11 Punkte, der dritte 9 usw. Gleiches gilt fürs Fan-Voting, das aber nationenübergreifend stattfindet.

Bei Gleichstand sind die Stimmen der Captains am wichtigsten, weshalb Lionel Messi sich gegen Erling Haaland durchsetzte. Hier siehst du, wer für wen abgestimmt hat.

Weil die Stimmen der Captains im Falle eines Gleichstands nach dem Punktesystem der FIFA entscheidend sind, bekam Messi und nicht Erling Haaland die Auszeichnung. Obwohl der Norweger eine der entscheidenden Figuren bei Manchester Citys Triple-Gewinn war, während Messi mit PSG zwar die Ligue 1 gewann – welch grossartige Leistung –, in der Königsklasse aber im Achtelfinal gegen Bayern München sang- und klanglos unterging.

Der Triumph am Leagues Cup mit Inter Miami, wo Messi in jedem seiner sieben Einsätze traf und insgesamt zehn Tore erzielte, sollte das Ruder da eigentlich nicht herumreissen. Zumal Messi in der US-Meisterschaft MLS nur sechsmal zum Einsatz kam und ein Tor erzielte.

Durch die Tatsache, dass den Stimmen der Fans insgesamt ein gleich grosser Wert zugemessen wird wie jenen der Trainer und Medienschaffenden, die beide mehrheitlich für Haaland gestimmt hatten, ist die Auszeichnung «The Best» für Messi noch weniger ernstzunehmen. Die Fan-Wahl gewann er nämlich mit deutlichem Abstand vor Haaland. Ohne das Fan-Voting wäre der Norweger zum Weltfussballer gekürt worden. Und dass die Fans sich stärker auf relevante Fakten als auf Sympathien bezogen, ist fast ausgeschlossen.

Die Leistungen Messis sollen keineswegs geschmälert werden, ihm zuzusehen ist noch immer eine Augenweide und er gehört weiterhin zu den besten Fussballern der Welt. Aber im für die Weltfussballer-Wahl relevanten Zeitraum hat Messi nicht ansatzweise so viel geleistet wie die Leistungsträger von Manchester City.

Ob nun Haaland, Kevin de Bruyne oder Rodri der rechtmässige Sieger gewesen wäre, Lionel Messi hätte diese Wahl definitiv nicht gewinnen dürfen.

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2023: Lionel Messi. Im Alter von 36 Jahren wird er zum achten Mal gekürt, taucht bei der Preisvergabe jedoch nicht auf. Dahinter belegten Erling Haaland und Kylian Mbappé die Plätze 2 und 3.
quelle: keystone / martin meissner
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100 Kommentare
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DichterLenz
16.01.2024 13:52registriert Juni 2017
Ich nehme die ganze Branche schon länger nicht mehr ernst.
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Urs Kipfert
16.01.2024 13:47registriert Februar 2019
Das Voting der Fans kann ich nachvollziehen - da zählen hauptsächlich deren Sympathien.

Wie aber 11 Stimmen von Nationalmannschaft-Coaches für Messi zusammen kommen, ist schlich nicht nachvollziehbar, genauso wenig wie die gleichen 11 Stimmen von den Medien oder gar 13 von den Captains. Die wissen doch eigentlich alle ganz genau, dass im Bemessungszeitraum definitiv NICHT Messi der Beste der Besten war. Das ist schliesslich deren Job, täglich Brot.
So verblendet kann man doch selbst von einem Lionel Messi (bei allem Respekt) nicht sein?
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Volande
16.01.2024 14:24registriert Dezember 2014
Subjektive Wahlen im Fussball sind ein Skandal! Am Schluss kommt noch einer, und behauptet, die würden nicht so viel leisten wie sie verdienen 😵
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