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Das sagen unsere Nachbarländer zum Phänomen Odermatt

Marco Odermatt of Switzerland celebrates in the finish area during the flower ceremony after the men's downhill race at the Alpine Skiing FIS Ski World Cup in Wengen, Switzerland, Saturday, Janua ...
Odermatt begeistert im In- und Ausland.Bild: KEYSTONE

«Was ist mit dem Typen los?» – so reagieren ausländische Medien auf Odermatts Triumphe

Marco Odermatt begeistert die Skiwelt. Während in der Schweiz nach neuen Superlativen gesucht wird, um den Leistungen des Ausnahmekönners gerecht zu werden, wird das «Phänomen Odermatt» auch in den Zeitungen unserer Nachbarländer ein Thema – ein Blick über die Landesgrenze.
16.01.2024, 11:3417.01.2024, 09:21
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Spätestens nach Marco Odermatts überragenden Auftritten an den Heimrennen im Berner Oberland, wo er in vier Rennen vier Podestplätze – darunter drei Siege – holte, ist der Rummel um den 26-jährigen Ausnahmekönner riesig.

Angesichts der immer neuen Rekorde, die der Innerschweizer aufstellt, scheinen langsam die Superlative auszugehen und so wird Odermatt von der Bundespräsidentin höchstpersönlich mit einem Vergleich geadelt, der in der Schweiz wahrlich nicht jedem Sportler zuteilwird: Marco Odermatt und Roger Federer, das sei «ein ähnliches Phänomen».

Switzerland's Marco Odermatt and Swiss Federal president Viola Amherd, celebrate after an alpine ski, men's World Cup downhill race, in Wengen, Switzerland, Saturday, Jan. 13, 2024. (AP Phot ...
Odermatt mit Budnespräsidentin Viola Amherd. Bild: AP

Dass «Odi», die neue Lichtgestalt des alpinen Skisports, hierzulande für Begeisterung sorgt, ist wenig erstaunlich. Aber auch in ausländischen Medien reibt man sich verwundert die Augen angesichts der Dominanz des Nidwaldners.

Wir haben einen Blick in die Medien unserer Nachbarländer geworfen und festgestellt, dass Odermatt auch über die Landesgrenze hinaus bewegt. Mit dem 31-fachen Weltcupsieger am genausten auseinandergesetzt haben sich die deutschen Kolleginnen und Kollegen.

Österreich

In der Nationenwertung, die seit Jahrzehnten auf ein Duell zwischen der Schweiz und Österreich hinausläuft, hatten die Österreicher in der Vergangenheit meistens die Nase vorn. Auch dank Marco Odermatt haben sich diese Kräfteverhältnisse jedoch etwas verschoben – in drei der letzten vier Jahren konnte die Schweiz diese Wertung für sich entscheiden.

Und geht es um Marco Odermatt, sind gar die Rivalen aus Österreich ein wenig aus dem Häuschen. So meinte der Kommentator des ORFs, als Odermatt an der Lauberhorn-Abfahrt vom Samstag mit mehr als 2,5 Sekunden Vorsprung ins Ziel kam:

«Bist du noch zu retten? Der hat ihn da durchgezogen. Was ist mit dem Typen los? Das ist ja unglaublich!»
Kommentator ORF
Alpine Ski race - Audi FIS Ski World Cup - Men s Giant Slalom ALPINE SKIING - FIS WC 2023-2024 Men s World Cup GS2 La Villa, Alta Badia, Italy 2023-12-18 - Monday Image shows: SCHWARZ Marco AUT - 2rd  ...
Mit Marco Schwarz hat sich in Bormio Odermatts grösster Konkurrent auf den Sieg des Gesamtweltcups verletzt.Bild: www.imago-images.de

Etwas nüchternere, aber nicht weniger lobende Worte findet Die Presse, eine Tageszeitung aus Wien. Odermatts Fahrt am Lauberhorn gehe «als eine der besten aller Zeiten» in die Geschichtsbücher ein:

«Marco Odermatt hat sich längst in den Geschichtsbüchern des Skisports verewigt. Mit Siegen, Kugeln, Titeln und Goldmedaillen. Nun aber auch mit einer Fahrt, die irgendwann eingehen wird in die Historie des Abfahrtssports als eine der besten aller Zeiten. Wie sich der 26-jährige Schweizer in 2.25,64 Minuten die längste Abfahrt der Welt in Wengen untertan machte, wie er Hundschopf, Canadian Corner, Kernen-S und Ziel-S meisterte und längst wieder in Schussposition dahinraste, wo andere kämpften, um auf den Skiern zu bleiben, war in seiner Gesamtheit bisher unerreicht.»
Die Presse, Österreich

Frankreich

Auch in Frankreich ist die Wortschöpfung «Odi-Mania» bereits angekommen. Vor den Rennen in Wengen schrieb die Équipe:

«Das Schweizer Phänomen geht diese Woche in Wengen an den Start, auf der Jagd nach seinem ersten Abfahrtssieg. Mit dabei sind tausende Fans, von Saison zu Saison werden es mehr.
[...]
Die ‹Odi-Mania› geht weiter. Nach Adelboden am vergangenen Samstag, wo der Schweizer den Riesenslalom dominierte, können die Fans Marco Odermatt in Wengen, der zweiten Schweizer Station des Weltcups, bewundern. Mit seinen 26 Jahren hört ‹Odi› nicht auf, die Experten mit seinem Talent zu faszinieren und eine der grössten Skinationen zu verzaubern.»
L'Équipe, Frankreich
Cyprien Sarrazin of France, winner, center, Marco Odermatt of Switzerland, 2nd place, left, and Aleksander Aamodt Kilde, of Norway, 3rd place, celebrate during the award ceremony after the men's  ...
Cyprien Sarrazin (Mitte) war in Wengen Odermatts grösster Konkurrent.Bild: KEYSTONE

In Frankreich lag der Fokus nach dem Wengen-Wochenende aber natürlich nicht nur auf Odermatt, sondern auch auf dem Cyprien Sarrazin. Der Franzose wurde quasi aus dem Nichts zu Odermatts grösstem Konkurrenten in den Speed-Disziplinen. Sarrazin reiste aus Wengen mit einer Gold- und zwei Silbermedaillen ab. Le Figaro schrieb von einem stratosphärischen Odermatt:

«Ski-Genie Marco Odermatt gewann am Samstag seine zweite Abfahrt innerhalb von drei Tagen in Wengen (Schweiz), vor dem Franzosen Cyprien Sarrazin, der am Vortag vor dem Schweizer den Super-G gewonnen hatte und am Donnerstag in der ersten Abfahrt, die gefahren wurde, den zweiten Platz belegte.»

Deutschland

In Deutschland begeistert Odermatt die Journalistinnen und Journalisten nicht nur mit seinen sportlichen Leistungen, sondern auch mit seinem Wesen und anscheinend auch mit seinem Erscheinungsbild. So schreibt die Frankfurter Allgemeine nach den Schweizer Festspielen:

«Odermatts Gesamt-Bilanz kann sich wahrlich sehen lassen: von elf Rennen in dieser Weltcup-Saison hat er sechs gewonnen, stand vier weitere Male auf dem Siegerpodest und muss den siebten Rang von Gröden schon als Ausrutscher werten. Seine kompromisslose Art, Ski zu fahren, bei der er stets den kürzesten Weg zwischen den Toren sucht und meist auch findet, verbindet der smarte Odermatt ausserhalb der Skipisten mit einem einnehmenden Wesen und einem attraktiven Äusseren. Das Gesamtpaket des netten, erfolgreichen Jungen von nebenan lässt den Skiprofi damit nicht nur zum Dauerkandidaten als Schweizer Sportler des Jahres werden, sondern auch zu einem reichen Mann.»
Frankfurter Allgemeine, Deutschland

Und die Süddeutsche Zeitung zeigt sich nach Odermatts Triumph am Chuenisbärgli beruhigt, dass auch ein Marco Odermatt nicht alles kann:

«Zumindest etwas bereitete ihm dann doch noch Mühe. Marco Odermatt gab im Zielraum von Adelboden ein Interview auf Französisch; er liess sein jüngstes Husarenstück im Riesenslalom im Berner Oberland Revue passieren, mit dem ihm eigenen Akzent aus dem Kanton Nidwalden und immer wieder mal auf der Suche nach der passenden Formulierung. Hatte auf der Piste auf dem Chuenisbärgli, einem der schwersten Riesenslalomhänge des Weltcups, gerade noch jeder Schwung gesessen, so fand er nun nicht auf Anhieb jedes Wort. Wie beruhigend: Selbst einem Marco Odermatt fliesst nicht alles spielerisch von der Hand.»
Süddeutsche, Deutschland

Die «Süddeutsche» lässt schliesslich auch Odermatts Konkurrenten zu Wort kommen:

«Wobei es im Riesenslalom schlichtweg nicht besser geht, als es der 26-Jährige derzeit im alpinen Ski-Weltcup vormacht. ‹Wenn wir beim Boxen wären, dann wäre er der Schwergewichtler, der uns Mittelgewichtler alle k. o. schlägt›, sagte der Amerikaner River Radamus, der als Vierter am Samstag knapp zwei Sekunden auf Odermatt einbüsste, und das auf einer Piste, die wegen Nebels und Schneefalls um 15 auf 40 Tore verkürzt worden war. Am nächsten, um 1,26 Sekunden, kam noch der überraschend starke Speed-Spezialist Aleksander Aamodt Kilde aus Norwegen. ‹Wie er das macht? Ich weiss es nicht›, sagte River Radamus, ‹wir alle wissen es nicht.› Alexander Schmid, am Samstag respektabler Zehnter nach überstandenem Kreuzbandriss, fügte an: ‹Der kann sich nur selbst schlagen›.»

Italien

Die sportnews.bz, eine Südtiroler News-Plattform, folgert nach den Rennen in Wengen, dass dem Schweizer aktuell kein Kraut gewachsen scheint.

«Neben Odermatt verkommen die Ski-Stars zu Statisten.»
Sportnews.bz, Italien
The winner Marco Odermatt of Switzerland reacts with third placed Dominik Paris of Italy during the Awards ceremony of the men's downhill race at the Alpine Skiing FIS Ski World Cup in Wengen, Sw ...
Der Italiener Dominik Paris schaffte an der Lauberhornabfahrt vom Samstag den Sprung aufs Podest. Bild: keystone

«Das Phänomen Odermatt» titelt die Gazzetta dello Sport und streicht heraus, was der Schweizer Ausnahmekönner den anderen Fahrern an der Lauberhornabfahrt voraus hatte:

«Für Odermatt – der bis Donnerstag noch nie eine Abfahrt gewonnen hatte – war es der zweite Erfolg in drei Tagen, der 31. im Weltcup: Er siegte wie immer, indem er unmögliche Linien fuhr und Kurven mit einer Geschwindigkeit zog wie kein anderer. In 2.25,64 liess er den Franzosen Cyprien Sarrazin hinter sich, der ihm als einziger gefährlich werden konnte.»
Gazzetta dello Sport, Italien

(kat)

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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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D10M
16.01.2024 12:57registriert Dezember 2020
Auch auf ORF:
"...wie weit drückts ihn hier an die blaue Linie"
"Odermatt drückts nicht . Odermatt drückt" 😂 herrlich die zwei Kommentatoren
1021
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Zum Kommentar
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Chrisbe
16.01.2024 12:47registriert Oktober 2019
Es sieht so leicht aus bei Odermatt, als wäre es alles kein Problem....

Ich wünsche ihm viel Spass bei dem was er tut und vor allen, dass es gesund bleibt.
761
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