Andrea Glauser unterschreibt bei Fribourg-Gottéron. Lukas Frick wechselt von Lausanne zum HC Davos. Und dafür kehrt Iñaki Baragano in seine Heimat am Lac Léman zurück. Diese drei bedeutenden Transfers, die in den vergangenen Tagen dieses Spätsommers bekannt wurden, haben eines gemeinsam: Sie betreffen nicht die bald startende Saison, sondern werden erst in einem Jahr, im Sommer 2025, über die Bühne gehen.
Iñaki Baragano sera bientôt de retour au Lausanne Hockey Club 🔴⚪️
— Lausanne Hockey Club (@lausannehc) August 23, 2024
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Solche verfrühten Deals sind in der National League keine Seltenheit, aber sie sind ein grundsätzliches Problem – und eine verpasste Chance.
Es ist verständlich, dass Spieler und Klubs Planungssicherheit möchten und darum diese Verträge so früh abschliessen. Solange das erlaubt ist, kann man beiden Seiten keinen Vorwurf machen. Im Normalfall sind die betroffenen Spieler und die restlichen Beteiligten Profi genug, um damit umgehen zu können und weiterhin alles für den baldigen Ex-Klub zu geben.
Aber im Unterbewusstsein ist der Gedanke des baldigen Abschieds halt dennoch verankert, was zu unangenehmen Situation führen kann. Riskiert ein abwandernder Spieler gegen Saisonende wirklich noch eine Verletzung (beim Blocken eines Schusses ist ein Fussbruch immer ein Risiko) und setzt so seine Position am neuen Ort aufs Spiel? Setzt der Trainer noch auf den Spieler in den Special Teams oder baut er schon mögliche Nachfolger auf? Es hat seine Gründe, warum solche Spieler während der Saison oft schon vorzeitig an den neuen Ort wechseln. Es hat seine Gründe, warum es solch frühzeitige Deals in anderen Sportarten und Ligen kaum gibt.
Dabei gäbe es eine simple Lösung für dieses Problem: ein Transferfenster. Die National League müsste ein Datum festlegen, vor diesem dürften Verträge für die neue Saison nicht unterschrieben werden – ähnlich wie in der NHL die Free Agency erst am 1. Juli beginnt.
Ich versuche, das mal mit einem konkreten Beispiel schmackhaft zu machen. Die kommende National-League-Saison endet spätestens am 29. April 2025 mit Spiel 7 des Playoff-Finals. Das Transferfenster für die Saison 2025/26 öffnet direkt danach – vorher will die Liga ja nicht den Playoffs das Rampenlicht wegnehmen. Ab dem 1. Mai dürften die Klubs also die neuen Verträge austeilen. Gespräche und Abmachungen wird es auch vorher schon geben, das zeigt das Beispiel NHL jährlich, aber das ist auch egal.
Wichtig ist, dass es dann am 1. Mai, sagen wir ab 18 Uhr, so richtig «räblet». Immer wieder wird ein neuer Wechsel bekannt gegeben, mit Vertragsdauer und – in einer idealen Welt – auch mit Lohntransparenz (viel mehr Gesprächsstoff!). MySports berichtet natürlich live aus dem eigenen Studio und ordnet mit seinen Experten die Deals ein. Die Schweizer Hockey-Fans würden an diesem Tag über nichts anderes sprechen, es wäre grosses Kino. Aktuell verschwinden diese ultrafrühen Transfers schnell wieder aus dem Bewusstsein der Anhänger. Warum soll man sich auch jetzt schon mit einem Spieler beschäftigen, der erst ein Jahr später kommt?
Natürlich müssten noch Dinge geklärt werden: Sind Vertragsverlängerungen beim bestehenden Klub davon auch betroffen? Gilt das auch für Spieler, die noch nicht in der Schweiz unter Vertrag stehen, oder nicht? Und Verstärkungen während einer laufenden Saison sollten natürlich immer möglich sein, um beispielsweise auf Verletzungen reagieren zu können.
Doch die Liga kann bei der Einführung eines solchen Transferfensters eigentlich nur gewinnen. Sie könnte unangenehme Situationen rund um abwandernde Spieler vermeiden und würde ein weiteres, vermarktbares Spektakel im Saisonkalender dazugewinnen.
Es gibt ein prominentes Beispiel, wohin dieser aktuelle Wildwuchs führen kann. Die Abstiegssaison des EHCK: Hollenstein vor der Saison schon beim ZSC unterschrieben, andere Leistungsträger während der Saison woanders unterschrieben, und als es um den Ligaerhalt ging war deren Einsatzwillen eher fragwürdig.