Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIV --- ZUM LIZENZENTZUG DES FC BIEL STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Zuschauer verfolgen das erste Spiel im neuen Stadion im Fussball Challenge League Spiel zwischen dem FC Biel und dem FC Wil, am Samstag, 8. August 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Ein neues Stadion, das jetzt keine Mannschaft mehr hat.
Bild: KEYSTONE

Kommentar

Der Untergang des FC Biel ist ein Lehrstück für unser Fussball- und Hockeygeschäft

Biels Fussball ist ruiniert. Aber Biels Eishockey floriert. Das ist kein Zufall. Biel liefert uns ein Lehrstück, warum das Sportbusiness funktioniert – und warum nicht.



Auf den ersten Blick ist nicht ersichtlich, warum der FC Biel am Ende seiner Geschichte und der EHC Biel gerade am Anfang eines neuen, ruhmreichen Kapitels seiner Historie steht. In den letzten Tagen hat der EHC Biel mit dem Zuzug von NHL-Goalie Jonas Hiller gerade den grössten Transfer seiner Geschichte verkündet. Der FC Biel musste dagegen vermelden, dass die Lizenz entzogen und die Nachlassstundung eröffnet worden ist.

Weder die Geschichte noch die Gegenwart liefern eine Antwort. Eishockey und Fussball haben in dieser Stadt eine lange Tradition. Beide haben im Laufe ihrer Geschichte die Meisterschaft gewonnen, der EHC Biel sogar mehrmals. Die Fussballkultur ist stark. Alleine auf dem Gebiet der Stadt Biel gibt es mehr als zehn unabhängige lokale Fussballvereine.

ZUR MELDUNG, DASS DER FC BIEL DEN SPIELBETRIEB EINSTELLT UND DEN TRAINER ZLATKO PETRICEVIC ENTLAESST, STELLEN WIR IHNEN AM 22. APRIL 2016 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Einige Funktionaere verfolgen das Fussballspiel der Challenge League zwischen dem FC Biel und dem FC Chiasso, in der Tissot-Arena in Biel, am Samstag, 27. Februar 2016. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Herzblut ist gut und recht, aber Rechnungen müssen auch in Biel in Schweizer Franken bezahlt werden.
Bild: KEYSTONE

Die jüngere Hockey- und Fussballgeschichte in Biel weist sogar erstaunliche Parallelen aus. Beide Klubs mussten in der Neuzeit mit der sportlichen Zweitklassigkeit leben lernen. Aber nur der EHC Biel hat sich daraus befreit. Und vor allem haben beide beste äussere Bedingungen: Die Stadt Biel hat den Bau der modernsten Fussball-Hockey- Stadionanlage des Landes orchestriert und die Steuerzahler haben 77 Millionen Franken beigesteuert. Eine bessere Infrastruktur bietet in diesem Land keine andere vergleichbare Stadt seinen Fussball- und Hockeyklubs.

Die lokale Verankerung als Unterschied

Das unterschiedliche Schicksal der zwei Sportunternehmen liefert uns ein Lehrstück. Ein Sportunternehmen kann nur wirtschaftlich und sportlich erfolgreich sein, wenn seine Besitzer mit der lokalen Wirtschaft und Gesellschaft vernetzt sind. Das tönt banal, ist aber die Erklärung. Der EHC Biel ist im Besitz von lokalen Unternehmern und wird von einem Lokalpolitiker (SVP-Grossrat Andreas Blank) und einem einheimischen Manager geführt. Die Verankerung im sozialen Umfeld führt zu einem viel verantwortungsbewussteren Geschäften. Denn Scheitern im Sportbusiness führt auch zu einem Verlust von Prestige, Ehre und letztlich auch Macht im «richtigen Leben». Es ist ja nicht möglich, sich einfach davonzustehlen und der Verantwortung davonzulaufen.

Das Sportbusiness ist ein Zuschussgeschäft. Selbst sehr reiche Leute haben keine Lust, dauerhaft alleine ein Sportunternehmen zu alimentieren, ohne dafür eine Gegenleistung zu bekommen. Diese Gegenleistung muss nicht materieller Natur sein – Anerkennung in der lokalen Gesellschaft ist auch mehr als einfach Gottes Lohn.

Andreas Blank, Praesident des Verwaltungsrates, waehrend der Vorsaison-MK des EHC Biel, am Montag, 24. August 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Brille, verschränkte Arme, Namensschild: EHC-Biel-Boss Andreas Blank … Bild: KEYSTONE

Die Bieler Clubverantwortlichen Bernhard Wiedmann, Berater, Carlo Haefeli, Verwaltungsrats-Praesident, Marcel Michel, Verwaltungsrat, und Bruno Waller, Verwaltungsrat, von links nach rechts, informieren die Medien nach dem Fussballspiel der Challenge League zwischen dem FC Biel und dem FC Chiasso, in der Tissot-Arena in Biel, am Samstag, 27. Februar 2016. Der in finanzielle Bedraengnis geratene FC Biel befindet sich gemaess Hauptaktionaer Carlo Haefeli auf gutem Weg, saniert zu werden. Der Zuercher Anwalt kuendigte drei neue Schweizer Sponsoren an und garantierte, dass bis Montag die ausstehenden Januar- und bis Mitte Maerz die ausstehenden Februar-Loehne bezahlt wuerden. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

… und mit den gleichen Merkmalen der «Totengräber» des FC Biel, Carlo Häfeli. Bild: KEYSTONE

Gemeinsam feiern ist schöner und gemeinsam zahlen ist leichter

Wer in der lokalen Wirtschaft gut vernetzt ist, findet Partner, die mithelfen, ein Sportunternehmen zu finanzieren. Wer Einfluss hat, wer Aufträge zu vergeben hat, der findet immer Männer und Frauen, die seine Nähe suchen um ins Geschäft zu kommen – und durchaus bereit sind, die finanziellen Lasten mitzutragen. Sport ist eine emotionale Angelegenheit: Gemeinsam feiern ist schöner und gemeinsam zahlen ist leichter.

Das Verhängnis des FC Biel ist die fehlende Verankerung in der lokalen Wirtschaft und Gesellschaft. Wenn der vermeintliche Wohltäter keine echte Beziehung zu Biel hat, wenn er seinen Lebensmittelpunkt nicht hier hat, dann fällt es ihm leicht, Versprechungen nicht einzuhalten und sich aus der Verantwortung zu stehlen. Wenn der vermeintliche Wohltäter keine echten Beziehungen zur lokalen Wirtschaft hat, dann ist es ihm kaum möglich, Partner zu finden, die ihm mithelfen, das Minus des Sportunternehmens auszugleichen oder eine Anschub-Investition zu finanzieren.

ARCHIV --- ZUM LIZENZENTZUG DES FC BIEL STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Die Bieler Spieler verlassen den Platz nach der Niederlage, waehrend dem Fussballspiel der Challenge League zwischen dem FC Biel und dem FC Chiasso, in der Tissot-Arena in Biel, am Samstag, 27. Februar 2016. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Keine Fans und keine Zukunft: Der FC Biel ist am Ende.
Bild: KEYSTONE

Droht Kloten das Schicksal des FC Biel?

Alle NLA-Hockeyklubs werden von Grössen der einheimischen Wirtschaft oder Politik getragen – ausser den Kloten Flyers. Und dort läuft ja wegen des völligen Desinteresses der nordamerikanischen Besitzer an Dorf und Hockeykultur gerade ein Existenzkampf, der durchaus Parallelen zum Schicksal des FC Biel hat.

Aber es funktioniert in Bern (mit Marc Lüthi und einer Besitzergruppe aus der Region), in Ambrì (geführt von Ständerat Filippo Lombardi), in Lugano (alimentiert von der im Grossraum Lugano ansässigen Milliardärsfamilie Mantegazza), in der Stadt Zürich (mit dem Freundeskreis von Walter Frey), in Davos (mit den reichen Unterländern, die ihre Datschas in Davos haben), in Zug (der EVZ ist mit einem reichen Präsidenten 1998 Meister geworden und seine Nachfolger, in der Region verankert, sind noch reicher), in Langnau (mit dem Unternehmer Peter Jakob), in Fribourg (wo das Hockeyunternehmen neben der katholischen Kirche die wichtigste Institution ist), in Genf (wo sich der Kanadier Chris McSorley seit mehr als zehn Jahren durch starkes Engagement auch neben dem Sport als Muster-Genfer präsentiert). Aber es könnte schwierig werden in Lausanne, wo die kanadischen «Verräter von Kloten» gerade daran sind, einzusteigen. Globales Denken und Handeln ist schon gut, recht und wichtig – aber es braucht dazu eine solide lokale Basis.

Vicky Mantegazza, Praesidentin des HC Lugano, bedankt sich bei den Fans nach dem fuenften Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem SC Bern am Dienstag, 12. April 2016, in der Resega Halle in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Die Familie Mantegazza (im Bild: Vicky Mantegazza) hält den HC Lugano am Leben. Bild: TI-PRESS

Oeri in Basel, CC im Wallis

Der Fussball liefert uns das eindrücklichste Beispiel für die Wichtigkeit der lokalen Verbundenheit: Gigi Oeri, Milliardärin aus Basel, sorgte für die Anschubfinanzierung und in Basel verankerte Persönlichkeiten haben diese Investition dazu genutzt, um aus dem FCB das erfolgreichste Schweizer Fussballunternehmen aller Zeiten zu machen. Der FC Basel ist ein durch und durch baslerisches Unternehmen, baslerischer als GC und der FCZ zürcherisch und YB stadtbernisch sind. Deshalb ist der FC Basel inzwischen für alle Stadtberner und Zürcher eine Nummer zu gross – sportlich und wirtschaftlich.

Das wirtschaftlich und sportlich erfolgreichste kleine Fussballunternehmen ist auch ein durch und durch einheimisches Produkt: der FC Thun. Und schliesslich und endlich ist das Phänomen Christian Constantin (und sein FC Sion) nur denkbar und durchaus erfolgreich, weil dieser Fussball-Napoleon eben durch und durch ein Produkt der lokalen Kultur ist und mit dem Wallis verwachsen wie ein tausendjähriger Eichenbaum mit dem Erdreich. Würde sich ein Deutscher oder Franzose so aufführen wie Christian Constantin, dann würde er mit Mistgabeln, faulen Eiern und Anwälten aus dem Tal vertrieben.

Wenn CC zur Sion-Gala bittet

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link zum Artikel

Die «Nacht von Sheffield» – Köbi Kuhn sorgt für den grössten Skandal der Nati-Geschichte

Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel

Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

Link zum Artikel

Elf kleine Schweizer liegen 0:2 zurück und sorgen dann für Begeisterung in der Heimat

Link zum Artikel

Im Heysel-Stadion werden 39 Menschen zu Tode getrampelt

Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

Link zum Artikel

Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Transferticker

Mega-Talent Camavinga vor Verlängerung bei Rennes +++ Isco vor Abgang bei Real?

Keinen wichtigen Wechsel und kein spannendes Gerücht mehr verpassen: Hol dir jetzt den watson-Transfer-Push! So einfach geht's:

Zinedine Zidane scheint bei Real Madrid nicht länger auf die Dienste von Isco zählen zu wollen. Wie «El Confidencial» berichtet, habe der Franzose einem Verkauf im Winter bereits zugestimmt. Arsenal und Everton seien am Mittelfeldspieler interessiert. (zap)

Isco 🇪🇸Position: Offensives MittelfeldAlter: 28Marktwert: 30 Mio. EuroBilanz 2020/21: 6 Spiele

Eduardo Camavinga …

Artikel lesen
Link zum Artikel