WM-Gold auch in der Halle? Ditaji Kambundji will es wieder krachen lassen
Sind Schweizer Medaillen realistisch?
Ja. Gleich fünf Medaillentrümpfe reisen an, und einige dürften stechen. Bei den letzten drei Austragungen 2022, 2024 und 2025 stellte die Schweiz jeweils eine Weltmeisterin oder einen Weltmeister. Insgesamt holte sie in Belgrad, Glasgow und Nanjing nicht weniger als acht Medaillen.
Wem wird Gold zugetraut?
Als Weltmeisterin von Tokio steht Ditaji Kambundji im internationalen Fokus. Gemäss Papierform wird sie sich ein Duell mit Devynne Charlton von den Bahamas liefern. Die 30-Jährige aus der Karibik ist primär über die 60 m Hürden stark. 2025 wurde sie vor Kambundji Hallen-Weltmeisterin, 2024 holte sie ebenfalls Gold, 2022 Silber. Zudem hält Charlton seit 2024 den Hallen-Weltrekord (7,65).
Die Bestmarke der Bernerin liegt bei 7,67 Sekunden. Wer allerdings einzig diesen Zweikampf um Gold erwartet, könnte falsch liegen: Die Top 4 in der Meldeliste von Torun trennt in der Saisonbestzeit nur ein Hundertstel.
Simon Ehammer startet im Siebenkampf als Mitfavorit. Der letztjährige Hallen-Europa- und Indoor-Weltmeister Sander Skotheim aus Norwegen fehlt, ebenso der Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer aus Deutschland sowie Olympiasieger Markus Rooth aus Norwegen.
Mit Kyle Garland kommt der Hauptkonkurrent aus Übersee. Der Amerikaner hat heuer noch keinen Siebenkampf bestritten, bringt aber mit 6639 Punkten den höheren Bestwert mit als der gleichaltrige Ehammer (6506).
Wer kommt noch für eine Medaille in Frage?
Die 800-m-Läuferin Audrey Werro strebt die erste Medaille an einem Grossanlass an. Die junge Freiburgerin ist tempofest und wird auf einen schnellen Lauf drängen. An der Britin Keely Hodgkinson, der Olympiasiegerin und dreifachen WM-Zweiten, gibt es kaum ein Vorbeikommen. Mit den übrigen Medaillenkandidatinnen bewegt sich Werro auf Augenhöhe.
Mehrkämpferin Annik Kälin setzt auf den Weitsprung. Vergangenen Winter war die Olympia-Vierte im Siebenkampf in dieser Sparte erfolgreich. Die Bündnerin gewann unter dem Hallendach sowohl EM-Silber (6,90 m) als auch WM-Silber (6,83). In Torun muss die 25-Jährige mit dem Saisonbestwert von 6,71 m noch einen Zacken zulegen.
Der Start von Angelica Moser stand nach einer Verletzung am Fuss und einer Zerrung auf der Kippe. Vor einem Jahr in China hatten ihr 4,70 m zu Bronze gereicht. Diesmal dürfte für die Medaillen mehr erforderlich sein.
Wer fehlt aus Schweizer Sicht?
Hürdensprinter Jason Joseph verzichtet, obwohl er die Hallensaison bestritt und den Schweizer Meistertitel in 7,50 Sekunden gewann. Mit diesem Wert würde er in der Meldeliste zu den Top 8 zählen.
Mujinga Kambundji, vor einem Jahr in Nanjing nach 2022 zum zweiten Mal Hallen-Weltmeisterin, ist seit November Mutter. Die 33-Jährige will im Sommer wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen und im August für die EM in Birmingham bereit sein.
Fliegt Mondo wieder?
Der schwedische Stabhochspringer Armand Duplantis strebt in Torun nach seinem 16. Weltrekord – Nummer 15 gelang ihm vor einer Woche. Die Luft wird allerdings auch für den Ausnahme-Athleten immer dünner. Im Februar 2020 hatte er mit 6,17 m erstmals den höchsten Flug der Geschichte gezeigt – in Torun. Nun müsste er in derselben Halle 6,32 m überqueren.
Männer. 800 m: Ivan Pelizza (LC Zürich). – 60 m Hürden: Fabio Kobelt (STV Kriessern). – Siebenkampf: Simon Ehammer (TV Teufen).
