«War nicht einfach, heute zu fahren»: Camille Rast siegt erstmals im Riesenslalom
Als Führende nach dem ersten Lauf ging Rast als letzte Fahrerin den Hang hinunter und verteidigte ihren knappen Vorsprung. Sie rettete 20 Hundertstel ins Ziel und stand damit nach zuletzt drei 2. Plätzen in Serie erstmals in dieser Saison zuoberst auf dem Podest. Die Disziplinenleaderin Scheib liess sie knapp hinter sich.
Rasts Triumph im Riesenslalom hatte sich angekündigt. Nach Platz 15 zum Auftakt der Saison steigerte sie sich kontinuierlich. Es folgten ein 5. Rang, zwei 4. Plätze und zuletzt in Semmering ein 2. Platz, womit sie sich in Slowenien erstmals einen Startplatz in der Topgruppe sicherte. Diese Ausgangslage wusste Rast mit der Startnummer 1 prompt zu nutzen. Sie beendete damit eine lange Durststrecke: Seit Vreni Schneider im Januar 1991 hatte in Kranjska Gora keine Schweizerin mehr gewonnen.
Für Rast war es der zehnte Podestplatz im Weltcup - der fünfte in dieser Saison - und ihr dritter Sieg insgesamt. Die beiden vorherigen hatte sie in der vergangenen Saison in den Slaloms von Killington und Flachau gefeiert. Im Februar krönte sie ihren Aufstieg mit dem Weltmeistertitel im Slalom in Saalbach. Spätestens jetzt gehört sie auch im Riesenslalom zur absoluten Weltspitze.
Ihren ersten Riesenslalom-Triumph feierte Rast ausgerechnet nur wenige Tage nach der Katastrophe von Crans-Montana. Die in Vétroz, unweit von Crans-Montana, geborene Walliserin fuhr wie ihre Teamkolleginnen mit einem Trauerflor am Arm. Auf das Unglück angesprochen, sagte Rast nach dem Rennen gegenüber SRF: «Es war nicht einfach, heute zu fahren. Der Sport löst so viele Emotionen aus. Ich hoffe, dass ich es geschafft habe, einige Familien zum Lachen zu bringen.»
In den letzten Jahren war Lara Gut-Behrami die einzige Schweizerin, welche einen Riesenslalom gewinnen konnte. Die Tessinerin fällt aktuell verletzt aus und es ist unklar, ob sie ihre Karriere fortsetzen wird. Trotzdem sagte Rast: Sie ist eine grosse Skifahrerin. «Ich hoffe, sie steht bald wieder auf dem Schnee. Hoffentlich kann ich mal mit ihr auf einem Podest stehen. Klar, wir wissen nicht, ob sie zurückkommt.»
Neben Rast durfte sich auch Dania Allenbach freuen: Die 18-jährige Bernerin fuhr in ihrem ersten Weltcup-Rennen sogleich in die Punkte. Nachdem sie sich als 30. gerade noch für den zweiten Lauf qualifiziert hatte, steigerte sie sich im zweiten Durchgang um drei Plätze und belegte den 27. Schlussrang.
Zufrieden war auch Sue Piller, die ihr bisher bestes Weltcup-Resultat egalisierte. Die 20-jährige Freiburgerin fuhr wie einen Monat zuvor in Tremblant auf Platz 20 und war damit die zweitbeste Schweizerin. Wendy Holdener und Simone Wild klassierten sich auf den Rängen 23 und 26. (riz/sda)
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