Unfairer Vorteil? Shiffrin wehrt sich gegen Vorwürfe von Schweizer Seite
39 von 79 Fahrerinnen schieden im 1. Lauf des Slaloms am Semmering vom Sonntag aus. Aus diesem Grund änderte die Rennleitung den Kurs vor dem 2. Durchgang kurzfristig ab. Das Problem: Die meisten Athletinnen hatten die Strecke bereits besichtigt, lediglich Mikaela Shiffrin und Dzenifera Germane waren noch dabei – und erhielten von der FIS wegen der Änderung 15 zusätzliche Minuten. Für die restlichen Teilnehmerinnen im zweiten Lauf reichte die Zeit nicht mehr, um sich die veränderte Stelle noch einmal anzuschauen.
Am Ende setzte sich Shiffrin neun Hundertstelsekunden vor der Schweizerin Camille Rast durch. Die Zweitplatzierte ärgerte sich nach dem Rennen über den Vorteil der US-Amerikanerin: «Ich bin nicht so glücklich. Wir hatten alle schon inspiziert. Es sollte für jeden gleich sein.» Rasts Trainer Beat Tschuor prüfte deshalb gar einen Protest, entschied sich aber nach der Erklärung der Rennleitung dagegen – auch weil diese ihm klarmachte, dass ein Protest keine Chance hätte.
Offenbar hatte ausgerechnet Shiffrin die FIS-Verantwortlichen vor dem zweiten Lauf darauf angesprochen, dass eine Anpassung nötig sei. Gegen Vorwürfe der Unfairness wehrt sie sich nun in einem langen Post auf Instagram. «Es ging nicht darum, einen Vorteil zu erlangen», schreibt Shiffrin, «die Gefahr hätte schlicht früher erkannt werden sollen, damit alle die gleiche, korrekte Kursführung besichtigen hätten können.»
Die 30-Jährige, die in diesem Winter alle fünf Slaloms gewonnen hat, zeigt sich unglücklich über das Rennen vom Sonntag. «Es war kein gutes Bild für unseren Sport», so Shiffrin, «eine Kombination aus Entscheidungen und der Präparation der Piste sorgte für einen sehr instabilen Kurs.» Schon nach wenigen Fahrerinnen gab es im ersten Lauf teils tiefe Gräben, die für grosse Abstände sorgten. «Ab der Startnummer 15 wurde die Verschlechterung des Zustands extrem. Für viele später gestartete Athletinnen fühlte es sich fast schon unsicher an», schreibt Shiffrin und bezieht sich dabei auf mehrere Gespräche, die sie im Zielraum geführt habe.
Die Ausfallrate sei so hoch gewesen wie seit 1999 nicht mehr, sei ihr gesagt worden. Auch im zweiten Lauf schieden fünf Fahrerinnen aus. «Das reflektiert die Schönheit des Skirennens nicht. 44 Ausfälle sind nicht unterhaltsam, sondern brutal und hart mit anzusehen, ehrlich gesagt», findet Shiffrin. Deshalb sei sie zur Rennleitung gegangen, woraufhin die «aus Sicherheitsgründen notwendige» Anpassung vorgenommen wurde. Weil dies zu spät geschehen sei, führte sie zu «Verwirrung, verspäteter Besichtigung und Fragen der Fairness», bilanziert Shiffrin und nimmt die FIS, die Trainer sowie die Athletinnen in die Pflicht, in Zukunft besser zusammenzuarbeiten.
«Ich werde auch in Zukunft ansprechen, wenn die Sicherheit der Athletinnen gefährdet ist», stellte Shiffrin klar. Ihre Hoffnung: «Dass die Gespräche zu konstruktiven Verbesserungen führen.» Damit ihr Sport in Zukunft ein besseres Bild abgibt. (nih)
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