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2009 wird Valentino Rossi zum letzten Mal Weltmeister – zwölf Jahre später tritt er 42-jährig zurück.
2009 wird Valentino Rossi zum letzten Mal Weltmeister – zwölf Jahre später tritt er 42-jährig zurück.
Bild: IMAGO / Icon SMI

Valentino Rossi – der Mann, der eine Welt verändert hat

Der Grösste aller Zeiten geht. Valentino Rossi, im Februar 42 geworden, tritt Ende Saison von der Bühne ab. Keine andere Persönlichkeit hat je die Welt seines Sportes so verändert wie der Italiener.
05.08.2021, 19:1105.08.2021, 23:33

Donnerstagnachmittag, 5. August 2021 in Spielberg (Zeltweg) kurz nach 16.20 Uhr sagt Valentino Rossi an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz:

«Wie angekündigt habe ich nach der ersten Hälfte der WM-Saison meine Entscheidung getroffen: Ich habe entschieden, am Ende des Jahres aufzuhören. Das wird also leider meine letzte Saisonhälfte als MotoGP-Pilot sein. Es ist schwierig. Natürlich tut es mir sehr leid, weil ich gerne noch 20 oder 25 Jahre gefahren wäre, aber leider ist es nicht möglich. Aber es war schön, es gab unvergessliche Momente, in denen ich großen Spaß hatte.»

Fast auf den Tag genau vor 25 Jahren hatte der damals 17-jährige Valentino Rossi am 4. August 1996 am gleichen Ort als Dritter des 125er-Rennens seinen ersten von 235 Podestplätzen herausgefahren. 2009 hat er seinen letzten Titel geholt, 2017 seinen letzten Sieg.

Die Töff-Legende bei der Presse-Konferenz zu seinem Rücktritt.
Die Töff-Legende bei der Presse-Konferenz zu seinem Rücktritt.
Bild: keystone

Statistisch ist Valentino Rossi nicht der Grösste. Giacomo Agostini gewann 15 WM-Titel und 122 GP, Valentino Rossi siegte «nur» 115-mal und feierte 9 Titel.

Die Statistik sagt wenig aus, wie stark Valentino Rossi die Welt des Motorradrennsportes verändert. Das macht ihn zum grössten aller Zeiten. Nur wenigen Stars gelingt es, ihren Sport zu verändern.

Die besten Momente seiner Karriere.

In der Ausstrahlung ist er vergleichbar mit der Rolle von Roger Federer im Tennis. Auch er übt seinen Sport mit einer «göttlichen» Leichtigkeit aus und verwandelt Anstrengung in Eleganz. Ein «Pilot de Charme».

Aber so wie Roger Federer der «Grand Slam» nicht gelingt, so bleibt auch Valentino Rossi der ganz grosse Traum verwehrt: Er kann auf Ducati nicht Weltmeister werden. Ja, er gewinnt in den zwei Jahren auf der italienischen Kultmarke nicht ein einziges Rennen (2011, 2012).

Für die italienischen Fans ist «Il Dottore» ein Held.

Der Motorrad-Rennsport (GP-Zirkus), den es in dieser Form seit 1949 gibt, kommt nie ganz aus der Ecke des Abenteuerlichen heraus. Es ist immer eine Welt, die nach Benzin, Oel und verbranntem Gummi riecht.

Eine Welt für Aussenseiter und nie mit der globalen Akzeptanz von Fussball oder Tennis oder dem olympischen Sport insgesamt. Und auch nie mit dem Glamour der Formel 1.

Erst Valentino Rossi beschert den Asphalt-Cowboys zu Beginn dieses Jahrhunderts die weltweite gesellschaftliche Anerkennung. Weil er es wie keiner vor ihm – nicht einmal Barry Sheen – versteht, Fahrkunst, Mut und Todesverachtung mit Intelligenz, Schlagfertigkeit und Eleganz zu kombinieren.

Oder um es etwas polemisch zu formulieren: Er ist der intelligenteste Mann, der je eine Höllenmaschine gesattelt hat.

Und doch kommt auch er nicht ungeschoren davon. Am 5. Juni 2010 erwischt es ihn beim Training zum GP von Italien in Mugello. Durch einen Sturz zieht er sich einen komplizierten Beinbruch zu. Er ist bereits 31 und muss erst jetzt zum ersten Mal überhaupt in seiner Karriere ein Rennen auslassen. Dieser erste und einzige gravierende Unfall des scheinbar «Unzerstörbaren» versetzt Italien in einen Schockzustand.

In Mugello stürzt Valentino Rossi schwer.

Es ist ein Wendepunkt in seiner Karriere: Er gewinnt von nun an nie mehr einen WM-Titel. Und bleibt doch der mit Abstand charismatischste Pilot, dessen Verehrung zeitweise religiöse Züge annimmt. Eines der Rituale: Zum GP in Misano pilgern seine Anhänger von seinem nahe gelegenen Wohnort Tavullia zum Renngelände und nach dem letzten Rennen stürmen sie die Strecke.

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere ist er auf der Piste unschlagbar und darüber hinaus ein Entertainer, der seine Rivalen auch verbal und mit allerlei Schabernack in die Enge treibt. Unvergessen, wie er einst seinen Rivalen Max Biaggi verhöhnt. Der hat angeblich ein Verhältnis mit Supermodel Naomi Campbell, was ihm natürlich Bewunderung einträgt. Also nimmt Valentino Rossi eine Sexpuppe während einer Auslaufrunde auf seine Maschine. Mit der Aufschrift «Claudia Schiffer».

Seine Startnummer 46 macht er zum Markenartikel und er wird zum bestbezahlten und bestvermarkteten Piloten der Geschichte. Er verdient in seinen besten Jahren gut als 30 Millionen Franken im Jahr – zwei Drittel davon Werbeeinnahmen.

Die Nummer 46 wird für immer mit Valentino Rossi verbunden sein.
Die Nummer 46 wird für immer mit Valentino Rossi verbunden sein.
Bild: keystone

Valentino Rossi wird auch nach seinem Rücktritt eine der charismatischsten Persönlichkeiten im GP-Zirkus bleiben.

Bilanz einer einmaligen Karriere
1996: WM-9. auf Aprilia 125, 111 Punkte, ein GP-Sieg
1997: WM-1. auf Aprilia 125, 321 Punkte, elf Siege
1998: WM-2. auf Aprilia 250, 201 Punkte, fünf Siege
1999: WM-1. auf Aprilia 250, 309 Punkte, neun Siege
2000: WM-2. auf Honda 500, 209 Punkte, zwei Siege
2001: WM-1. auf Honda 500, 325 Punkte, elf Siege
2002: WM-1. auf Honda 990, 355 Punkte, elf Siege
2003: WM-1. auf Honda 990, 357 Punkte, neun Siege
2004: WM-1. auf Yamaha 990, 304 Punkte, neun Siege
2005: WM-1. auf Yamaha 990, 367 Punkte, elf Siege
2006: WM-2. auf Yamaha 990, 247 Punkte, fünf Siege
2007: WM-3. auf Yamaha 800, 241 Punkte, vier Siege
2008: WM-1. auf Yamaha 800, 373 Punkte, neun Siege
2009: WM-1. auf Yamaha 800, 306 Punkte, sechs Siege
2010: WM-3. auf Yamaha 800, 233 Punkte, zwei Siege
2011: WM-7. auf Ducati 800, 139 Punkte, kein Sieg
2012: WM-6. auf Ducati 1000, 163 Punkte, kein Sieg
2013: WM-4. auf Yamaha 1000, 237 Punkte, ein Sieg
2014: WM-2. auf Yamaha 1000, 295 Punkte, zwei Siege
2015: WM-2. auf Yamaha 1000, 325 Punkte, vier Siege
2016: WM-2. auf Yamaha 1000, 249 Punkte, zwei Siege
2017: WM-5. auf Yamaha 1000, 208 Punkte, ein Sieg
2018: WM-3. auf Yamaha 1000, 198 Punkte, kein Sieg
2019: WM-7. auf Yamaha 1000, 174 Punkte, kein Sieg
2020: WM-15. auf Yamaha 1000, 66 Punkte, kein Sieg
2021 zur Halbzeit: WM-19. auf Yamaha 1000, 17 Punkte, kein Sieg
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