Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa06778424 Swiss MotoGP rider Thomas Luethi of the EG 0,0 Marc VDS team in action during the free practice session at the Mugello circuit in Scarperia, central Italy, 01 June 2018. The Motorcycling Grand Prix of Italy will take place on 03 June 2018.  EPA/CLAUDIO GIOVANNINI

Ist für Tom Lüthi nach einer MotoGP-Saison bereits wieder Schluss? Eine Alternative hätte er immerhin. Bild: EPA/ANSA

Tom Lüthi trotz Krise ein gefragter Mann – ein lukratives Angebot liegt auf dem Tisch

Überraschung am Vorabend zum GP von Holland in Assen: Die italienische Kultmarke MV Agusta möchte Töffstar Tom Lüthi (31) als Werkpilot in der Moto2-WM 2019 und 2020 einsetzen.

klaus zaugg, assen



MV Agusta ist eine mythische Marke. Giacomo Agostini wurde in den 1960er- und frühen 1970er-Jahren auf dieser Marke mit den magischen Farben silber-rot der erfolgreichste Töffpilot aller Zeiten – seine Rekorde hat auch Valentino Rossi nicht gebrochen.

In den 1980er-Jahren wurde die Produktion eingestellt. Erst wurde die Marke von Claudio und Gianfranco Castiglione 1992 gekauft, 2008 an Harley Davidson für 70 Millionen Dollar verkauft und schliesslich 2010 für einen symbolischen Dollar wieder erworben. Inzwischen führt Claudios Sohn Giovanni Castiglione die Firma.

World champion Giacomo Agostini of Italy closely follows British ace Mike Hailwood at the beginning of the 500cc class event of the Riccione International Motorcycling Circuit, March 30, 1969 at the famed Adriatic sea resort Riccione in northeastern Italy. Agostini, on a 500cc MV Augusta motorcycle, beat the former world champion Hailwood, riding a Japanese made Honda, covering the 81.500 kilometers in 39:12.2 for an average of 124.695 kilometers per hour, with Hailwood placed second in 40:07.7. (AP Photo)

Giacomo Agostini (hinten) 1969 in Riccione. Bild: AP NY

Mit dem russischen Oligarchen Timur Sardarov hat er einen Investor gefunden und den Mythos MV Agusta wiederbelebt. Die Italiener füllen eine Marktnische für exklusive Boliden (ähnlich wie Ferrari im Autobusiness) mit einer exklusiven auf rund 10'000 Einheiten pro Jahr beschränkten Produktion. Das Werk ist in Varese domiziliert und bietet rund 200 Arbeitsplätze.

Zum neuen, dynamischen Image gehört ein Engagement im Rennsport auf höchstem Niveau. Nächste Saison steigt MV Agusta über das Forward-Team in die Moto2-WM ein und die Maschinen werden, natürlich, in den legendären Farben silber-rot lackiert. Giovanni Castiglione hat den besten Töff-Manager und Dealmacher mit der Suche nach zwei Piloten beauftragt: den Italiener Carlo Pernat.

Carlo Pernat kennt das Fahrerlager wie sein Wohnzimmer – und so kennt er eben auch Tom Lüthi. Er sagt: «Wir brauchen einen Routinier, der weiss, wie man Rennen gewinnt und eine Maschine entwickelt und einen zweiten, wilden jungen Piloten. Wir werden einen talentierten Italiener unter Vertrag nehmen und sind sehr an Tom Lüthi interessiert.

Carlo Pernat wird in der Sache konkret. «Wir bieten einen Zweijahresvertrag und ein Salär von rund 300'000 Euro.» Es sei auch denkbar, dass Tom Lüthi seinen Techniker Gilles Bigott mit ins Team bringe.

Suter soll Fahrwerk liefern

Die Geschichte ist interessant. MV Agusta hat ja seit den 1970er-Jahren keine GP-Rennerfahrung mehr und muss das Wissen einkaufen. Der Motor ist nicht das Problem: Alle Moto2-Maschinen werden ab nächster Saison von den Dreizylinder-Einheitsmotoren von Triumph ausgerüstet – die Dreizylinder-Philosophie passt perfekt zu MV Agusta.

Einen freien Markt gibt es – wie bisher – nur bei den Fahrwerken und die sollen im ersten Jahr vom helvetischen Spezialisten Eskil Suter geliefert werden. Mit seiner Firma Suter Racing Technology baut er seit Jahren Fahrwerke für verschiedene Klassen. Auch für die Moto2-WM. Auf einer Suter ist Marc Marquez Moto2-Weltmeister geworden (2012) und 2010, 2011 und 2012 gewann Suter die Konstrukteuren-WM in der zweitwichtigsten Töff-WM. Carlo Pernat bestätigt: «Zu 80 Prozent ist klar, dass wir die Fahrwerke mit Eskil Suter entwickeln werden. Das Ziel ist natürlich, dass wir dann so schnell wie möglich dazu in der Lage sind, selber Fahrwerke zu bauen.»

Eskil Suter, Geschaeftsfuehrer von Suter Racing Technology, montiert in der Werkstatt eine Hinterradschwinge, in der Suter Racing Technology am Dienstag, 3. April 2012 in Thurbenthal. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Eskil Suter ist und bleibt ein Tüftler. Bild: KEYSTONE

Ordnen wird die Dinge: Eine italienische Kultmarke (MV Agusta) steigt 2019 neu ins GP-Business ein (Moto2), arbeitet im technischen Bereich mit einem Schweizer zusammen (Eskil Suter) und möchte einen der beiden Höllen-Maschinen mit einem Schweizer bemannen (Tom Lüthi).

Lüthi prüft Angebot

Carlo Pernat sagt, Tom Lüthi sei die erste Wahl. Wenn es nicht gelinge, ihn zu verpflichten, dann sei Mika Kallio ein Kandidat – der Finne hat 2005 den Kampf um den 125er-WM-Titel gegen Tom Lüthi verloren und arbeitet zurzeit als Testpilot für den österreichischen Kraftradhersteller KTM.

Und was sagt Tom Lüthi zu dieser Geschichte? Natürlich bekräftigt er hier in Assen erst einmal, dass er sich ganz auf die Gegenwart konzentriere und dass die Zukunftsplanung die Sache seines Managers Daniel M. Epp sei und dass er wenn immer möglich eine zweite Saison in der MotoGP-Klasse fahren möchte. «Aber MV Agusta ist eine interessante Option.» Er werde sie mit Daniel M. Epp prüfen.

Das Interesse von MV Agusta zeigt zweierlei: Erstens den guten Ruf, den Tom Lüthi im internationalen Töffgeschäft geniesst. Daran ändert auch die schwierige Gegenwart (noch keine WM-Punkte in der ersten MotoGP-Saison) nichts. Zweitens: Carlo Pernat kennt den «Fahrer-Markt» wie kaum ein anderer. Dass er an Tom Lüthi denkt, zeigt auch, dass er dessen Chance auf eine zweite MotoGP-Saison nicht sehr hoch einschätzt.

Alle Schweizer Töff-GP-Sieger

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Corona-Studie: Impfbereitschaft steigt markant

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Trotz verrückter Vorbereitung: Schweizer Handball-Nati schlägt Österreich

Die Schweizer Handballer machen an der Weltmeisterschaft in Ägypten einen grossen Schritt in Richtung Hauptrunde. Die Schweiz siegt im wegweisende Spiel gegen Österreich 28:25.

Die Basis zum Sieg legten die Schweizer zu Beginn der zweiten Halbzeit, als sie sich bis zur 39. Minute von 13:13 auf 18:14 absetzten. Die Tore vom 15:14 (34.) zum 18:14 erzielte Lenny Rubin, der am Ende wie der rechte Flügel Cédrie Tynowski sechs Treffer auf dem Konto hatte. Noch erfolgreicher war bei den Schweizern …

Artikel lesen
Link zum Artikel