Häme für Djokovic, Mitleid mit Fischer? Das geht nicht auf
Die ruhmreiche Karriere von Eishockey-Nationalcoach Patrick Fischer endete am Mittwochabend höchst unrühmlich mit dem sofortigen Rauswurf. Und das nur einen Monat vor dem vermeintlichen Höhepunkt, der Heim-WM in der Schweiz. Anfangs hatte der Eishockeyverband an Fischer festgehalten, doch am Ende hatte er keine Wahl.
Zu tief hatte sich der dreifache WM-Silberheld, der gerade erst zum Trainer des Jahres gewählt worden war, in sein Lügengebilde verstrickt. Es ging nicht mehr nur um das gefälschte Covid-Zertifikat, mit dem er sich die Einreise an die Olympischen Spiele 2022 in Peking erschwindelt hatte. Obwohl er im Vorfeld erklärt hatte, er werde sich impfen lassen.
Fischer blieb auch nach dem Auffliegen des Skandals am Montag nicht bei der Wahrheit. «Bis auf diesen Vorfall habe ich mich immer ans geltende Recht gehalten», liess er sich in der Medienmitteilung des Verbands zitieren. Auch das war gelogen: Patrick Fischer hatte schon 2020 eine bedingte Geldstrafe kassiert, angeblich wegen eines Verkehrsdelikts.
Eine solche Kaskade an Unwahrheiten von einem Nationaltrainer, der sich gerne als Saubermann mit hohen moralischen Werten aufgespielt hatte (siehe der Fall Lian Bichsel) – das war definitiv zu viel des Schlechten. Dennoch gibt es Stimmen, die den Rauswurf bedauern, nicht nur aus der Schwurblerecke, wo von einer «Hexenjagd» die Rede ist.
Deshalb lohnt es sich, an einen anderen prominenten Impfgegner aus der Sportwelt zu erinnern: Novak Djokovic war ebenfalls 2022 bei der Einreise nach Melbourne, wo er an den Australian Open teilnehmen wollte, gestoppt worden. Damals galten strenge Corona-Regeln, und der Serbe hatte im Vorfeld behauptet, er sei von der Impfpflicht befreit worden.
Es gab Parallelen zum Fall Fischer. Er machte bei der Einreise unwahre Angaben, und auch in seinem Fall bestand der Verdacht, er habe einen gefälschten PCR-Test vorgelegt. Allerdings gab Djokovic stets zu, dass er sich nicht impfen lassen wollte. Am Ende wurde ihm das Visum entzogen, Novak Djokovic wurde aus Australien ausgewiesen.
Man kann und muss sein Verhalten nicht gutheissen, aber zumindest blieb der Tennisstar konsequent: Er nahm den Verlust von Turniersiegen und Sponsoren in Kauf, um seiner Impfverweigerung treu zu bleiben. Und er spielte sich nie als Moralapostel auf. Gerade in der Schweiz aber wurde sein damaliger Fall mit beträchtlicher Schadenfreude verfolgt.
Denn «Novax Djocovid» war und ist für viele hiesige Tennisfans eine Reiz- oder sogar Hassfigur, weil er unserem Säulenheiligen Roger Federer alle wichtigen Rekorde abgenommen hat. Nimmt man nur die Erfolgsbilanz, dann ist der Djoker der GOAT, der Grösste aller Zeiten. Mit Olympiagold 2024 hatte er jeden bedeutenden Titel gewonnen.
Hinzu kommt, dass Federer gerade gegen Djokovic einige schmerzhafte Niederlagen erlitten hat. Das gilt besonders für den Wimbledon-Final 2019, den Federer hätte gewinnen müssen und den viele Schweizer Tennisfans bis heute nicht verdaut haben. Dass sich Djokovic durch die «Roger!»-Rufe des Publikums motivieren liess, war für sie eine Majestätsbeleidigung.
Der Absturz in Melbourne 2022 kam deshalb wie gerufen. Er liess zumindest die Lichtgestalt Federer umso heller leuchten. Doch Novak Djokovic konnte sich rehabilitieren. Nach der Aufhebung seiner Einreisesperre durfte er ein Jahr später wieder in Melbourne antreten, wo er seinen 22. Grand-Slam-Titel gewann und den Rekord von Rafael Nadal egalisierte.
Novak Djokovic ist eine schillernde Figur. Seine Karriere hat einige Irrungen und Wirrungen erlebt, etwa die abgebrochene Adria-Tour im ersten Corona-Sommer. Noch drei Jahre danach bezeichnete er die Impfkontroverse von 2022 als «Trauma», und er behauptete sogar, er habe vergiftetes Essen erhalten. Man kann darüber den Kopf schütteln, doch im knallharten Einzelsport Tennis hat sich Djokovic nur selbst geschadet.
Patrick Fischer hingegen hat den Mannschaftssport Eishockey durch eigenes Verschulden beschädigt. Es wird sich zeigen, ob die Nationalmannschaft, die an der Heim-WM ohnehin unter Erfolgsdruck steht, die Kontroverse wegstecken kann. Und ob sich der Ex-Trainer wie Novak Djokovic rehabilitieren kann, ist zumindest zweifelhaft.
