Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Yulia Lipnitskaya of Russia holds flowers given to her by spectators after competing in the women's team short program figure skating competition at the Iceberg Skating Palace during the 2014 Winter Olympics, Saturday, Feb. 8, 2014, in Sochi, Russia. (AP Photo/Darron Cummings, Pool)

Yulia Lipnitskaya verzauberte Russland 2014 in Sotschi. Bild: AP Pool

Nach dem Erfolg die Magersucht – das wurde aus dem 15-jährigen Star der Spiele von Sotschi

Yulia Lipnitskaya war einer der Stars der Olympischen Spiele von Sotschi. Mit 15 Jahren führte sie Russland zu Gold im Eiskunstlauf-Teamwettkampf. Vier Jahre später ist sie zurückgetreten.

06.02.18, 12:26 07.02.18, 05:13


Es war ein erster Höhepunkt einer vielversprechenden und höchstwahrscheinlich glanzvollen Karriere. Am 27. Februar 2014 zauberte die 15 Jahre junge Yulia Lipnitskaya eine unglaubliche Kür auf die Fläche im Eisberg-Eislaufpalast von Sotschi. Gemeinsam mit Superstar Evgeni Plushenko führte sie Russland zur Goldmedaille im Teamwettbewerb.

Die phänomenale Kür Lipnitskayas im Mannschaftswettbewerb. Video: streamable

Russland war stolz auf seinen neuen Star. Ja, sie wurde gar zum «Gesicht von Sotschi» erkoren. Plushenko sagte: «Yulia ist eine kleine Legende. Sie hebt das russische Eiskunstlaufen in neue Sphären.» Selbst Wladimir Putin gab sich zufrieden. Der russische Präsident lobte Lipnitskaya explizit und höchstpersönlich. Sie erhielt – wie alle russischen Medaillengewinner in Sotschi – ein Auto geschenkt. Aufgrund ihres jungen Alters kam das Geschenk mit einem Chauffeur.

Doch mit dem grossen Erfolg stieg auch der Druck. Ein Druck, dem die junge Eiskunstläuferin nicht standhielt. Nach Sotschi folgten enttäuschende Ergebnisse. Darüber hinaus musste Lipnitskaya sich auch noch mit Hüft- und Rückenverletzungen herumschlagen. 

epa04064978 Yulia Lipnitskaya of Russia performs during the women's Free Skating of the Figure Skating team event  at the Iceberg Skating Palace during the Sochi 2014 Olympic Games, Sochi, Russia, 09 February 2014.  EPA/HOW WEE YOUNG

Lipnitskaya wirbelt in Sotschi. Bild: EPA

«Eine Weiterführung meiner Karriere war unrealistisch.»

Yulia Lipnitskaya

Schon kurz nach ihrem Olympia-Triumph hatte sich die Russin über «konstanten Stress» beklagt. Es sei extrem schwer die Erwartungen des Publikums, aber auch die eigenen zu erfüllen. Die Olympiasiegerin galt als äusserst ehrgeizig. Zweite Ränge empfand sie als Niederlagen.  

Im April 2017 reichte sie beim russischen Verband den Rücktritt ein. Die schockierende Nachricht: Lipnitskaya begibt sich wegen Magersucht in klinische Behandlung. «Ich habe lange, mehrere Monate, über diesen Schritt nachgedacht. Eine Weiterführung meiner Karriere war einfach unrealistisch», sagt die Russin im Interview mit einer russischen News-Plattform.

Nach Angaben ihrer Mutter hat sich die junge Sportlerin in gesundheitsgefährdende Gewichtsregionen gehungert. An Spitzensport war nicht mehr zu denken.

Logischerweise war das nicht das Ende einer Karriere, wie sie es sich erträumt hat: «Ich hatte noch viele Ziele, wollte mich weiter verbessern. Aber meine Gesundheit hat das nicht zugelassen.»

Lipnitskaya auf dem Eis: ein Bild der Geschichte.

Lipnitskaya sagt, der Erfolg von Sotschi habe sie dennoch auch stark gemacht. «Ich war eine extrem introvertierte Person. Nach den Olympischen Spielen 2014 musste ich mich zwangsläufig anpassen.» Seither könne sie viel einfacher und offener mit Menschen sprechen.

«Die Ungewissheit war das Schlimmste.»

Yulia Lipnitskaya

Unter anderem auch deshalb bereut sie es, dass sie die Öffentlichkeit nicht früher über ihren Zustand informiert hat. Sie habe noch lange Wettkämpfe bestritten, obwohl die Krankheit bereits die Kontrolle übernommen hatte. «Magersucht ist eine Krankheit des 21. Jahrhunderts und leider weit verbreitet. Dennoch hatte ich damals das Gefühl, dass es stigmatisiert würde.»

Lipnitskaya sei während ihrer Zeit in der Klinik in Israel komplett von der Umwelt abgeschnitten gewesen – ohne Telefon, mit ein paar wenigen Menschen, die Russisch oder Englisch sprachen. Nur sie, die Heldin einer Nation und der lähmende Gedanke an eine Zukunft nach dem Spitzensport: «Die Ungewissheit war das Schlimmste. Ich hatte keine Ahnung, was nach der Klinik auf mich warten wird.» 

Mittlerweile scheint es dem «Gesicht von Sotschi» aber wieder etwas besser zu gehen. Ihre Aktivität auf Social Media hat wieder zugenommen. Und die heute 19-Jährige hat auch Pläne für die Zukunft: «Ich würde gerne Sportmanagement studieren.»

Nord- und Südkorea vereint im Eishockey

Video: srf

So sieht Pyeongchang wenige Tage vor dem Olympia-Start aus

Olympische Winterspiele 2018 in Pyeongchang

Mit diesem Flussdiagramm findest auch du deine Olympia-Sportart

Ein Langläufer aus Tonga?! Pita Taufatofua hat sich tatsächlich für Olympia qualifiziert

Der ultimative Test: Welcher Schweizer Olympionike bist du?

So kam Pyeongchang zu den Olympischen Winterspielen 2018

Nach dem Erfolg die Magersucht – das wurde aus dem 15-jährigen Star der Spiele von Sotschi

Olympia droht Doping-Skandal, weil sich diese Fläschchen öffnen lassen

Hier finden die Wettkämpfe der Olympischen Winterspiele 2018 statt

Vier neue Disziplinen: In Pyeongchang geht's um 102 Medaillensätze

7 bemerkenswerte Fakten zu den 171 Schweizer Olympia-Teilnehmern

Wir sind Soohorang und Bandabi, die Maskottchen der Winterspiele 2018

Noch ein Monat bis Olympia – das sind unsere grössten Medaillen-Hoffnungen

Olympische Spiele oder Street Parade – welcher Slogan gehört wohin?

12 wahnwitzige Curling-Szenen, die die Lust auf Olympia wecken

Pyeongchang wie Sapporo und Nagano? Die Schweizer Bilanz bei Winterspielen in Asien

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Roger Federer über Heimatgefühle: «Die Schweiz? Das ist frische Luft»

Tennis-Star Roger Federer im persönlichen Gespräch über Begegnungen im Wald, wie die Menschen reagieren, wenn er beim Bäcker Gipfeli kauft und warum ihm die seltenen Tage in der Schweiz heilig sind.

Er wohnt schon lange nicht mehr hier, in der Region Basel. Hier, wo vor 20 Jahren alles begann. Die Weltkarriere eines Jungen, der von sich sagt, er habe sich erlaubt, grosse Träume zu haben. Roger Federer wollte nicht nur der Beste in Münchenstein sein. Er wollte der Beste der Welt sein. Und er war bereit, Opfer dafür zu erbringen. Mit 14 Jahren zog er in die Romandie. Er sprach kaum Französisch. Er wurde von Heimweh geplagt.

Heute sagt der Baselbieter, es seien die zwei prägendsten Jahre …

Artikel lesen