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Rugby Union - Samoa v United States of America - IRB Rugby World Cup 2015 Pool B - Brighton Community Stadium, Brighton, England - 20/9/15
Samoa perfrom the Siva Tau before the match
Action Images via Reuters / Peter Cziborra
Livepic

Eine gute Prise Exotik in Brighton: Die Spieler Samoas führen vor dem Spiel gegen die USA ihren Kriegstanz, den Siva Tau, auf. Bild: Peter Cziborra/REUTERS

David gegen Goliath, aber der David sieht aus wie Goliath – die grossen Sorgen der charmanten Rugby-Underdogs aus der Südsee

Fidschi, Tonga, Samoa: Sie sind die Farbtupfer jeder Rugby-WM. Alleine die Namen der Länder wecken exotische Südsee-Träume, so dass ihnen die Rolle der Publikumslieblinge fast automatisch zufällt. Dabei ist das Trio trotz vieler Probleme auch sportlich stark.



Man stelle sich vor: Liechtenstein schafft es nicht nur sensationell an eine Fussball-WM, sondern kann dort Brasilien ernsthaft fordern. Das ist ein Szenario, das es so nie geben wird.

Im Rugby ist die Situation anders. Da spielen Zwergstaaten wie Fidschi, Tonga und Samoa am World Cup mit und zwar nicht bloss, um das Teilnehmerfeld aufzufüllen. Sie sind ernsthafte Anwärter aufs Weiterkommen in die K.o.-Phase.

Ein Zahlenvergleich

In Klammern: Platzierung in der Rugby-Weltrangliste (Stand: 21.09)

Fidschi-Inseln (9.): 840'000 Einwohner
Samoa (10.): 188'000 Einwohner
Tonga (14.): ​104'000 Einwohner

Neuseeland (1.): 147'000 Lizenzierte
​England (3.): 2 Millionen Lizenzierte​
Schweiz (38.): 2400 Lizenzierte​

Wo liegen die drei Staaten?

Südsee Karte NEU

Winzlinge in den Weiten des Pazifiks: Fidschi (links), Tonga (unten) und Samoa (oben rechts). Bild: google maps

Ein Sieg, zwei Niederlagen

In den World Cup 2015 ist das ozeanische Trio unterschiedlich gestartet. Fidschi forderte im Eröffnungsspiel Gastgeber England lange, verlor letztlich aber deutlich mit 11:35. Tonga unterlag dem etwa gleich stark eingeschätzten Georgien mit 10:17 und Samoa schlug die USA 25:16. Dabei können die Vereinigten Staaten ihre Spieler aus einer Bevölkerung rekrutieren, die 1700 Mal grösser ist als jene Samoas.

Die grössten WM-Erfolge

Fidschi: Viertelfinale 1987 und 2007
Samoa: Viertelfinale 1991 und 1995
Tonga: ​Zwei Vorrunden-Siege 2007 und 2011

Was an Auswahl fehlt, machen die Insulaner mit viel Herzblut wett. «Es erinnert an die Geschichte von David gegen Goliath», sagt der Rugby-Journalist Chris Foy in der Dokumentation «Pacific Warriors», «bloss dass hier der David wie ein Goliath aussieht.» Die kräftig gebauten Spieler setzen gerne auf das Laufspiel. Furchtlos greifen sie an, im Wissen darum, dass ein hartes Tackling sie stoppen kann. Andere Nationen entscheiden sich stattdessen eher dafür, mit vielen Pässen in die Endzone zu kommen.

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Der Trailer zur Dokumentation «Pacific Warriors» über die drei Nationen. Der Film ist kurz vor dem World Cup erschienen. Video: YouTube/Pacific Warriors

Wirtschaftliche Zwerge

Nicht nur die offensive Ausrichtung und die Rolle als Publikumslieblinge erinnert an afrikanische Teams an Fussball-Weltmeisterschaften. Fidschi, Tonga und Samoa haben auch mit Geldmangel zu kämpfen. Selbst wenn bei Heimspielen das Stadion voll ist, bleibt nicht viel Geld in der Verbandskasse. «Die Einkommen auf Fidschi sind tief, wir können für ein Ticket nicht viel verlangen», sagte der Headcoach der Nationalmannschaft, der Neuseeländer John McKee, im Guardian.

Einnahmen aus TV-Rechten gäbe es überhaupt nicht und die Sponsoring-Einnahmen bezeichnet McKee vom globalen Standpunkt aus gesehen als überschaubar. Wenn England ein Heimspiel austrage, rechnet die Zeitung vor, verdiene der Verband mehr Geld mit dem Verkauf von Programmheften, als Fidschi mit dem ganzen Spiel einnehme.

Rugby Union - Tonga v Georgia - IRB Rugby World Cup 2015 Pool C - Kingsholm, Gloucester, England - 19/9/15
Tonga's Sione Kalamafoni in action with Georgia's Lasha Malaguradze
Action Images via Reuters / Paul Childs
Livepic
EDITORIAL USE ONLY.

Angriffig nach vorne: Szene aus dem WM-Spiel zwischen Tonga und Georgien. Bild: Paul Childs/REUTERS

Die Abgeschiedenheit als Nachteil

Die drei Verbände haben zudem das gleiche Problem wie die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft. Die wirklich grossen Nationen – Neuseeland, Australien, Südafrika, England – bleiben für Testspiele zumeist unter sich. Und wenn sich die Aussenseiter aus dem Pazifik doch einmal mit ihnen messen können, dann fast immer auswärts, wo Ticketeinnahmen ausbleiben. Auf die weite Anreise auf eine kleine Insel verzichten die Grossen der Branche lieber.

Der Weltverband «World Rugby» hat das Problem erkannt und unterstützt Fidschi, Tonga und Samoa finanziell, damit sie eher zur absoluten Spitze vorstossen können. Auch der Weltverband sähe gerne noch mehr Konkurrenz an seinem alle vier Jahre ausgetragenen Turnier. Dennoch sei die Lücke auch 20 Jahre nach der Professionalisierung des Sportes noch so gross wie damals, monieren Fachleute.

Regeln erlauben einfachen Nationenwechsel

An den Spielern liegt es nicht – im Gegenteil. Wie im Fussball Spieler mit Wurzeln im Balkan über ganz Europa verteilt sind und für ihre neue Heimat spielen, so sind talentierte Ozeanier in vielen anderen Nationalmannschaften zu finden. Neuseeland, Australien, Wales, Japan, Frankreich, Italien, die USA und Rumänien haben alle einen oder mehrere Spieler im Kader, der auf Tonga oder Fidschi geboren wurde. Die Regeln für einen Nationenwechsel sind weich: Wer seit drei Jahren in einem Land lebt, kann für dieses auflaufen.

epa04673033 Italy's Samuela Vunisa (C) in action against Wales' Leigh Halfpenny (R) during the Six Nations Rugby match between Italy and Wales at Olimpico Stadium in Rome, Italy, 21 March 2015.  EPA/ETTORE FERRARI

Samuela Vunisa stammt aus Fidschi, spielt aber für Italien. Bild: EPA/ANSA

Kein Gewicht im Weltverband

Die schlechte wirtschaftliche Lage und das vorhandene sportliche Potenzial machen die drei Rugby-Underdogs zu beliebten Rekrutierungsländern für die grossen Ligen. Das stösst auf teils grosse Kritik. «Wir erlauben Haifischen, Kinder zu fressen», schimpfte Rob Nichol, der Geschäftsführer der internationalen Spielergewerkschaft im Daily Telegraph. Es brauche eine weltweite Verordnung für Spieleragenten.

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Ein Highlight-Video von Spielern der «Flying Fijians», der «Super Samoans» und den «Terrific Tongans». Video: YouTube/The Weekly Haka

Zudem haben die Klubs grossen Einfluss auf die Spieler, die bei ihnen unter Vertrag stehen. Oft wird die Freigabe für Länderspiele verweigert, weil die Verletzungsgefahr gross und die Reise strapaziös ist.

Aufgrund der Strukturen im Weltverband ist es für die Kleinen jedoch schwierig, die Probleme zu ihren Gunsten zu ändern. Während die acht grössten Nationen im «Parlament» jeweils zwei Vertreter haben, haben Fidschi, Tonga und Samoa gerade einmal eine einzige gemeinsame Stimme.

Der Rest der Rugby-Welt sollte indes gut daran tun, die Anliegen des Trios nicht zu ignorieren. Schliesslich sind Fidschi, Tonga und Samoa als Lieblinge der Fans das Salz in der Rugby-Suppe.

In früheren Zeiten …

Rugby wurde anfangs des 20. Jahrhunderts von Seeleuten und Missionaren in die Südsee gebracht, wo der Sport rasch sehr beliebt wurde. Lange wurde vornehmlich in der Region gespielt, erst 1986 besuchte mit Wales das erste europäische Team die Pazifik-Inseln.

Auf dieser Tour, so berichtet Planet Rugby, wurde ein Waliser so brutal getacklet, dass eine Massenkeilerei ausbrach. Auf dem anschliessenden Dinner beschimpfte ein walisischer Spieler in seiner Rede den Gegner auf walisisch als «dreckigstes Team, gegen das ich jemals gespielt habe.» Weil Tongas Spieler ihn nicht verstanden, klatschten sie trotzdem höflich.

Die 20 WM-Teilnehmer und ihre Spitznamen

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • The Box 23.09.2015 23:55
    Highlight Highlight C'mon; Samoa war klarer Favorit gegen die USA.
    In Samoa gibt es Rugby und dann erst mal lange gar nix mehr. In den USA gibt es Football, Basketball, Soccer und Eishockey, dann kommt irgendwann mal Rugby.
    Schlussendlich können wohl beide Nationen auf einen etwa gleich grossen Personalpool zurückgreifen.

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